Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 119 von 165)

Ergreifende Szenerie

Der Doppelregenbogen
über dem halb abgerissenen
Nordflügel des Bonatz-Baus
trotzt der Trauer.
Sie mag die
50 000 Demonstrierenden
übermannen.

Seine Verheißung aber
wird uns ergreifen.

...

...

Demokratie*

Gerne sind wir bereit
auf silbernem Tablett
die Rechnung zu präsentieren.
Es kommt die Wahl**,
ach, das ist nett:
da heißt es ordentlich addieren
und keine Fragen bleiben offen.
(Man darf ja schließlich
schon mal hoffen)


*Heute 18.00 Montagsdemonstration für Kopfbahnhof 21 am Hbf Stuttgart
WIR WAREN MEHR ALS 10 000 !!!


**Landtagswahl in Baden-Württemberg 2011 am 27. März 2011

Kein „Stuttgart 21“

Oh Rappen wirf
den Schuster ab.
Veränderung kommt
und das nicht zu knapp.
Das Volk erhebt sich,
könnt ihr’s sehn?
Es wird auf seinem Recht bestehn.

Das Recht verweigert man nicht lange.
Wem ist denn vor der Wahrheit bange?

Was ist denn sonst
Demokratie?
Gibt es die wirklich
oder nie?

Gewissheit

Leben wir
in die Zukunft hinein
in der Vorhersicht
oder in unwägbarer Vorhersage?

Es ist eine Sage,
dass wir wüssten,
was ist gut für die Zukunft

solange wir
nicht wissen, was ist gut
für uns heute
und solange wir
nicht wissen wollen,
was gut war
in der Geschichte.

Es fehlen die Seher
und es schreien
die Analysten
des Fortschritts.

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Ob man´s auch spiegelt, dreht und wendet,
es ist schon klar, dass da was endet,
und wenn man´s auf den Kopf auch dreht,
ist klar, dass es ums Gleiche geht:

Das neunundsechzigste ist nun am Ende;
das ist zum siebzigsten die Wende.

Und trotzdem fühle ich mich jung;
denn siebzig bin ich ja noch nicht,
ich schreibe diesmal mit viel Schwung:
Die Siebzig ist noch nicht im Licht.

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