Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 116 von 165)

So klassisch* isch’s Schwäbische

En ama Krätta**
sen normalerweis Epf’l dren oder Biara
on du fendasch au net do beim Schdiara
(au em Advent) koi Lametta²

* Eigentlich – entsprechend der Aussprache: ‚glassisch‘
**Eigentlich – entsprechend der Aussprache: ‚Grädda‘ (die Schreibweise ‚Krätta‘ soll es ermöglichen, die Verwandtschaft mit Lateinisch ‚crates’= Englisch ‚crate‘ zu erkennen …)
² Beispiel für die schwäbische doppelte Verneinung (‚koi Lametta net‘), die nur eine Verstärkung der Verneinung bedeutet (wie – glaube ich – im Altgriechischen) und nicht wie in der Logik eine Bejahung.

Schlussphase eines Planspiels

Wir sind am Zug.
Wir ziehen das Bakschisch
für das Falschspiel zurück:
die Magistrale Paris-Bratislava
habt ihr uns versprochen.
Das wird uns zu teuer,
die staatliche Fürsorge
uns zu erkaufen,
dass die Reisenden unter uns
durchrauschen können.

Wir wehklagen
euch an, Grube, Ramsauer, Merkle,
der Bestechlichkeit
(ihr steckt sie ein,
die Wohltaten
durch die Landesregierung)
in Tateinheit mit Beihilfe
zur Körperverletzung
im Amt.
Im Ernst:
Wir spielen jetzt
nicht mehr mit.

Tarnung

Wenn Hürden aufgebaut sind:
„Hier nicht weiter, mein Kind“
– nur um zu erreichen,
dass wir erbleichen
und uns dann schleichen …
Dann reiben sie sich die Hände,
die ungestört bleiben wollen
und hinter die vorgeschobenen Wände
sich verziehen zu ihren Orgien, den tollen,
denen wir ja nicht beiwohnen sollen.

Kommentargedicht zu Barbaras „Oft nur fauler Zauber“

Schieflage

Pompeijs schiefe Mauern begleiten mich.
Die Schieflage der Behörden
des Berlusconi schleichen sich
in meinen Alltag. Meiner Mischung
von Sonnenstich und dem Anfang
einer Lungenentzündung auf dem
Sonnendeck des werbeverseuchten
Kreuzfahrtschiffes (Ich nahm an
dem billigen Ausflug teil mit dem Besuch
der Gemmenfabrik ”“ wie später der Teppich-
Manufaktur in der Türkei)
ähnelt die dauerhafte Umstellung
durch die Connections der Heimat:
Flachlegen heißt die neoerotische Devise.
Ich lag flach. Das Gladiatoren-Gebäude liegt flach.
Flach sind die Argumente der Befürworter.
Aber immer fallen welche drauf rein.
Die Potenz der Mächtigen triumphiert
hoffentlich nicht für immer.

Siehe auch hier.

Demokratie heute?*

Gibt es die wirklich:
die Überlebenschance
der Demokratie?

*Die im Folgenden genannte Tagung ist hier angekündigt: https://www.nordwuerttemberg.dgb.de/index_html?-C= :
5./6. 11.2010: Wer hat die Macht im Staate? Ist die Demokratie in Gefahr? Tagung in Mühlhausen

Die diesjährige Begegnungstagung Kirche und Gewerkschaft widmet sich den Gefahren für die Demokratie, die sich insbesondere im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise wie auch angesichts der Schwierigkeiten ihrer Bewältigung aufzeigen. Traditionell stellt die Tagung neben eine fundierte Analyse die Frage nach eigenen konkreten Handlungsmöglichkeiten.

Dilemma

Ach, die Deutsche Bahn
befördert mich zur Demo
gegen ihr Projekt.

Ach, Stuttgart einundzwanzig:
Ich zahl”˜ den Unsinn so mit.

Curt (manacur) scheint eine neue Serie einzuleiten über „Helmut aus Schwaben“ 😉 :

Ach, Helmut aus Schwaben, mit sparsamem Denken
Dir muss es im Innern das Herzblut verrenken
Du zahlst das Billett
die Bahn wird nur fett
trotz Demo musst Du hier einlenken.
🙂

Und hier noch Barbaras guter Rat (der aber schon längst befolgt wird 🙂 – die Medien bringen’s bloß nicht rüber 🙁 ):

Statt Pfeifkonzert gemeinsam lachen.
Erstaunt würden alle aufwachen.
Statt Loveparade
ne Lachparade 😉
Stuttgart würde Schule machen.

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