Nicht nur aufrichtende Worte.
Zugleich auch Fango und Massage.
Das gehört ebenfalls zur Aufrichtigkeit.
* ein „Achtundzwanziger“
Lyrisches von Helmut Maier
Nicht nur aufrichtende Worte.
Zugleich auch Fango und Massage.
Das gehört ebenfalls zur Aufrichtigkeit.
* ein „Achtundzwanziger“
Im Alter soll ich noch lernen
ein aufrechter Mensch wieder zu sein
meinte jetzt die Physiotherapeutin.
*ein Achtundzwanziger (ein Dreizeiler mit achtundzwanzig Silben nach dem Schema 8 – 9 – 11)
Das Künstlermilieu
um Pablo Picasso und Marcel Duchamp
und Jules et Jim.
Der deutsche Staatsbürger
wird Franzose,
wird Widerstandskämpfer,
im besetzten Paris
wird er verhaftet.
Nichts ist erfunden,
auch nicht die spektakuläre Flucht
aus dem Zug nach Bergen-Belsen.
Der letzte Überlebende
der Mitverfasser der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte
vom 10. Dezember 1948
ruft uns heute
im 3-Euro-Heft zu:
Empört euch!
(„Dass Juden ihrerseits Kriegsverbrechen
begehen können, ist unerträglich.“)
Schon nach dem „11. September“ hatte er
mit dem „Collegium international“
zur Verhinderung eines Kriegs
aufgefordert
zwischen den Zivilisationen.
Danke, 93-jähriger Stephane!
Zweigesichtig,
vielgesichtig,
Vergangenheit, Gegenwart
und die Zukunft
auf der Zunge zergehen lassen,
die Verkostung
zur Entscheidung
reifen lassen.
Januar.
Kommentargedicht zu Miroslav B. Dusanics Gedicht „1. Januar„
Das pure Blau des Himmels heut‘:
Konturenlinien unterstreichen’s.
Einst findet sich’s dann noch als blaue Blume.
*ein „Achtundzwanziger„
Ein Gespenst geht um in Deutschland,
die Demokratie
könne demokratischer werden wollen,
die Gesellschaft
könne gerechter werden wollen,
Menschen
könnten mitwirken wollen,
mitentscheiden gar,
Hartz 4
könne nicht alles gewesen sein
an Solidarität,
die Leute glaubten nicht mehr,
dass Kommunismus
nur als Unrechtsregime
denkbar sei,
weil sie nicht mehr glaubten,
die Gesellschaft reformiere sich
wie von selbst,
wenn sie nur weiterhin
wählten
die Mächtigen.
Brunis lyrischer Kommentar liest sich wie folgt:
Im Laufe der Jahrhunderte lernte er vieles, der Mensch, und doch ist es so wenig und noch weniger setzt er um.
Gegen besseres
Wissen
wählen wir aus
und wissen
bei der Wahl
schon ”¦
wir halten´s
kaum aus.
Ganz unten fängt es tatsächlich an.
Dann kommt ein scheinbar “Guter” nach oben,
bekommt ein klein wenig Macht
und schon haben wir wieder
Falsches geschafft.
Der Himmel, die Straße ganz grau.
Nach dem kräftigen Schnee Zwischenzeit.
Nicht Fisch und nicht Fleisch, nicht Winter, nicht Frühling.
*ein „Achtundzwanziger“
Joan Baez durfte Widerstand leisten,
gewaltfrei, wie Martin Luther King
mehrfach öfter betonte, wenn sie dabei war.
Das ist heute geschichtlich anerkannt.
Wofür sie eintrat, ist auch heute
noch nicht so ganz akzeptiert:
Bürgerrechtsbewegung,
das geht ja noch an,
wenn man Bürgerrechte
richtig versteht,
aber zur Desertion
auffordern handgreiflich
in einem Krieg, der gerade läuft,
igitt, igitt.
Wer im gleichen Jahr geboren wurde
wie die großartige Sängerin
für die richtige Sache
und leistet heute Widerstand,
der wird auf das Demonstrationsrecht verwiesen
als Garnitur neuer Demokratie
Und Widerstand wird geahndet
mit Wasserwerfern.
Gut, dass wir uns erinnern können
an Joan Baez.
Sie stärkt uns den Rücken.
Ich freue mich auf ihren Song
gegen Stuttgart 21.*
Ich freue mich auf 2011.
*Vielleicht genügt es ja auch, sich diesen Textausschnitt aus ihrem Song „The day after tomorrow“ im Hinterkopf parat zu halten:
„Mmmmmmm…
I’m not fighting
For justice
I am not fighting
For freedom
…I am fighting
For my life“
Die Freiheit des Labyrinths
die unfreiwilligen Windungen
mitzumachen im Bewusstsein
der erträglichen Zumutung.
Gewissheit der Ankunft,
Sicherheit in der Unsicherheit,
Zutrauen in den Gang der Dinge
ohne Zwang des Bestimmtwerdens.
Unterwerfung unter die guten Regeln
ist mehr Freiheit
als der Drang zu siegen
im Wirtschaftskampf der Mächtigen.
Kommentargedicht zu „Neues Jahr“ von Barbara.
Petros hat lürisch/lyrisch so geantwortet:
“Unterwerfung unter die guten Regeln
ist mehr Freiheit
als der Drang zu siegen
im Wirtschaftskampf der Mächtigen.”
Ja, schreiben wir uns das ins Heft.
Ja, schreiben wir uns das auf Herz und Hand.
Ja, gehen wir den Weg der guten Regeln.
Und: Halten wir aus.
Machen Glauben und Hoffnung
Zu unserer Gewissheit in ferner Nähe.
Ja, schreiben wir uns das in Heft
Und bieten den anderen an,
Es uns gleich zu tun.
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