Zur Lyrik-Tankstelle werden.
Sehr hohes Ziel von Dichter_innen.
Geistige Mobilität ermöglichen.
*ein Achtundzwanziger
Lyrisches von Helmut Maier
Zur Lyrik-Tankstelle werden.
Sehr hohes Ziel von Dichter_innen.
Geistige Mobilität ermöglichen.
*ein Achtundzwanziger


A bissle gromm
isch au net domm.
Drom!
Nur kleine Restchen von Schnee
– im Straßenkandel
– auf dem Autoabstellplatz
– auf den Rändern der Stufen zur Haustüre hinauf
– auf dem Erdhügel im Gärtchen
– inmitten der Lavendelzweigchen
Der Winter ist
aber noch lange nicht zuende.

Beim Weihnachtsgedichte-Wettbewerb von Rosens Lyriksalon in Esslingen habe ich als Teilnehmer ein Päckchen Russisch Brot erhalten. Das habe ich vor dem Verzehr noch damit gemacht:

Glauben wird durch Schauen ersetzt,
Hoffen und Bangen durch Gewissheit.
Der Schauer beim Schauen
durchzieht die Adern des Daseins.
Genüge finden am Sosein
lässt jauchzen.
Und nochmal neue Hoffnung
darf wachsen
ganz unbeschwert und leicht
auf noch nicht Vorstellbares.
das glückliche Träume gebären
noch irgendwann.
Neulich bin ich dem Schicksal begegnet,
dem freundlichen, darf ich gestehen.
Ich hatte gerade die Behandlung beendet,
die eine Vorstufe des Krebses auf der Kopfhaut
erfolgreich abgetötet hatte. Der Arzt meinte,
glücklich sei er jedesmal, wenn es möglich sei,
zurückzudrehen im Stand zu sein die Zeit
(was für eine Metapher: zurückzudrehen die Zeit!)
Wie ich so auf dem Weg war zum Bus,
begegnete ich dem Schild, das die Metapher
so trefflich emporhob ins Metaphysische
durch seine Anspielung auf das glückliche Schicksal
(auch wenn es rein lustig war es zu sehen):
An einem Friseursalon hing das verheißende Schild
„C h i c s a a l“
Murks, Pfusch und Mist
sind Schmeichelworte
für dieses tiefe Milliardengrab.
Makulatur, Ramsch, Plunder,
wen nimmt es überhaupt noch Wunder,
dass alle diese Worte nicht
annähernd sagen, was doch dieses Projekt
Stuttgart-malirgendwann
in unsren Augen ist.
Ein Unrat ist’s, aus purer
Gewinn- und Machtgier
ist’s entstanden, ist’s erhalten
geblieben in den Köpfen
dummer und überheblicher
nicht Volksvertreter, nein
ganz widerwärtig agierender
(ich sag es:) Volkszertreter,
die ihre Wähler frech belogen
und betrogen und
im Glauben ließen,
es handele sich um
(s’ist kaum zu glauben:)
ein Geschenk (für das sie dann
Milliarden zahlen sollten
und immer mehr Milliarden
und auf das sie noch warten müssen
wohl bis zum heiligen
Sankt-Nimmerleins-Tag,
wohl warten eben auf
ein Stuttgart 21 nicht,
nein nicht einmal
Stuttgart-malirgendwann).
Drum aufgestanden! Lasst es
euch nicht länger bieten!
Tut, was euch wirklich kluge Leute
rieten: Stoppt endlich Stuttgart-irgendwann.
Der Verdacht scheint begründet, dass ausgerechnet diejenigen Politiker*innen, die ständig von der Notwendigkeit reden, mehr Verantwortung in der Welt übernehmen zu müssen, bereit sind sehr verantwortungslose Politik zu betreiben.
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