Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Die Zeit

Die Zeit ist da!
Die Zeit zum Neuen.
Die Zeit zum Anfang ohne Schwanken.
Die Zeit der Bäume mit den knorrigen Ästen
mit ihrer Grafik, die so herrlich gegen
den blauen Himmel steht.
Die Zeit ist da!

Noch ohne Frucht,
noch ohne Blätter gar,
jedoch mit Zeit,
mit Zeit,
sich alles auszudenken,
was kommen kann,
was unsre Pläne ausmacht,
was nur Zeit braucht,
Zeit der Planung,
Zeit des Festhaltens an knorrigen Ästen,
Zeit, um alles auszudenken,
was kommt, was sicherlich kommt
und gute Früchte endlich bringt.

Die Zeit ist da!
Wir müssen sie nur
nützen!

Erwartung*

Besser noch als ein stiller Tag
ist eine ganze stille Woche,
nach der Zeit mit Kindern und Kindeskindern,

obwohl ich die Erfahrungen
mit ihnen nicht missen möchte

und obwohl heute erst der erste Tag davon ist.

*ein erweiterter Janka

Ein Tag der Stille

Ein Tag der Stille
inmitten des Trubels
nur so mitunter!

Die Heilige Nacht
ist nur so zu haben,
so ungeplant,
so gut geplant.

Ein Tag der Stille,
dann ist es fast egal:
Wintersonnwende
oder Jesu Geburtstag.
Hauptsache
wir können den Tag feiern.

Wir können ihn
wirklich wieder
feiern.

Unbedachtes

Ob ich noch weiß,
was alles ich wollte?
Das ganze Jahr über!

So oft wollte ich
zu den Freitagen
„Fridays for Future“.
Nur zweimal ist es mir gelungen!

Zu den Montagsdemos
für den Kopfbahnhof
in Stuttgart
fuhr ich ziemlich
regelmäßig.

Alle zwei, drei Tage
wollte ich in meinen Blog
Gedichte schreiben.
Oft dauerte es mehr als eine Woche,
dass ich auch nur eines schrieb.

Zu so vielen anderen Demos
und Veranstaltungen
wollte ich gehen
und war zu beschäftigt
oder auch zu müde
mich aufzuraffen.

Manche Bücher,
die darauf warteten,
gelesen zu werden,
blieben weiter im Stapel liegen!

Die Zeitungen
blieben liegen.
Schallplatten blieben
ungehört.
Manches Lesens-
und Hörenswerte
blieb unangetastet.

Meiner Frau
wollte ich so oft
etwas Nettes sagen
und das tägliche Einerlei
ließ es nicht zu!

Gut, ich habe die meisten Tage
das Mittagessen gekocht,
aber meine Frau hat gewaschen,
gebügelt, hat dieses und jenes
erledigt, was zu tun war.
Sie hat geputzt und die
Wohnung schön hergerichtet,
damit es schön war für Gäste.
Und ich habe es einfach so hingenommen.

Und was ich einfach so schreiben wollte.
Fast nichts ist gelungen.
Die Briefe für Verwandtschaft
und die für Freundinnen und Freunde,
alle hat meine Frau geschrieben
und ich habe sie nur mit unterzeichnet.

Ach, so viel wollte ich tun.
Und so wenig ist draus geworden.
Doch vielleicht ist ja meine Lebenszeit
noch nicht zu Ende
und ich kann doch noch das
eine oder das Andere
fertigbringen.
Viel wird es nicht mehr sein.

Wiesen ganz weiß

Wiesen ganz weiß
von Raureif
immer noch
im Schatten,
manchmal auch da,
wo die Sonne schon scheint.

Vormittags,
manchmal auch am Mittag noch:
da glitzert’s
und ist eben weiß.
Und noch ist Herbst,
nicht Winter.

Und kalt ist’s.
Aber trocken die Kälte.
Und aushalten kann man’s.
Anders als bei höheren Temperaturen
im Regen.
Da ist es fürchterlich!

Weiß, ganz weiß
sind die Wiesen.
Und mir gefällt’s.

Unterwegs

Der Blick gebannt auf die Wälder und Auen gerichtet.
Ein Lichtpunkt nach dem andern!
Immer wieder neu!
Immer wieder bestätigend:
Stetig immer und immer wieder:
Die Goldbäume und -bäumchen und -sträucher!

Ich kann es kaum fassen:
Es ist Ende November, nicht Anfang des Herbstes.
Goldbäume allüberall!
Lichtpunkte! Helle Punkte der Erkenntnis:
Bald kommt der neue Schnee auch ins Flachland!
Aber noch stehen sie da,
stehen so zahleich, dass es nicht zu fassen ist:
Ist das schon Klimawandel?
Die Meisen wissen es schon lange:
Gehen oder bleiben,
die alte Frage!

Ziehen wir rechtzeitig
Konsequenzen?
Wir!

Plitvice-Zauber

Einfach nur Wegwartenzeit war’s.
Den blauen Strahlenstern trug das Kind
munter und leicht durch den heiteren Tag..

Noch ahnte ich nichts
vom Plitvice-Zauber.
Alpenveilchen ”“ nicht die im Topf –
begleiteten ihn.

Eins waren Ruhe und eilendes Stürzen;
Stille ja ”“ und dann brausendes Getöse,
Höhe und Tiefe, das Oben und Unten.
Was kommt woher und
ach, wohin fließt es weiter?
Spiegelndes Himmelblau
und Wolkenbilder
und unverkennbar
ein Mörikesches Blaugrün.

Wirklich: Wegwartenzeit
im Durcheinander
von Fließen und Stürzen
und wieder zur Ruhe kommen,
in Plitvice.

Stiller Herbst

Gehn wir hinein,
in den stillen Herbst.
Lasst uns ihn gern genießen!

Er weist schon Richtung Winter,
November heißt sein Namen;
er will mit Regen und mit Dunkelheit
uns Ruhe geben. Amen.

Er will uns Kraft und Muße schenken,
an nichts mehr als an Frieden denken
uns lassen, der die Seele füllt
und ganz erholt die Winterstürme dulden
uns lässt, die uns
aufs Frühjahr wieder zugehn machen.
Ach, dafür danken wir und können lachen!

Herbstabend im November

Hier und da noch Sonnenschein
auf den Dächern des Dorfes.
Auch der Giebel des Pfarrhauses
ist noch von Sonnenschein bedacht.

Der Goldbaum in der Mitte von Aichelberg,
sonnenbestrahlt wirkt er noch goldener.
Blau ist der Himmel noch;
bald ist schon Nacht!

Der Großvater mit seinem Enkel
am Griff des Regenschirms,
noch hat er ihn in der Hand;
als er ihm entschwindet,
hat ihn die Oma geschnappt.
Kurz entschlossen
hält er sich aber an der Jacke der Oma fest.
Nun ziehen sie weiter im Zügle!

Mehrmals wird das Tor zum Kinderspielplatz
geöffnet und Eltern oder Großeltern der Kinder
verlassen den Ort.
Jedesmal wird das Tor geöffnet
und wieder geschlossen.

Da kommt auch schon mein Bus.

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