Otto Dix
malte den Tod
als Kaiser
mit dem Wehrmachtssoldaten
1934.
Wir schicken Soldaten
im 21. Jahrhundert
in alle Welt.
Lyrisches von Helmut Maier
Otto Dix
malte den Tod
als Kaiser
mit dem Wehrmachtssoldaten
1934.
Wir schicken Soldaten
im 21. Jahrhundert
in alle Welt.
Etwa 2 Stunden nach Entstehung der Doublette Zeichnung von Herzog Christoph und Text ”˜Innehalten´ trug sich ein Ereignis zu, das in bemerkenswerter Weise zu der Metapher ‚digitaler Alltag´ passt:
Mein Freund Anton Bantock, meine Frau und ich standen unweit der Stiftskirche. Anton war damit beschäftigt, den Stiftskirchenturm zu zeichnen. Im Strom der Passanten blieb plötzlich ein stämmiger Mensch stehen, machte mit seiner riesigen Kamera ein Foto vom zeichnenden Anton Bantock, sah dann wohl, dass meine Frau und ich zu dem unbekannten Zeichner gehörten, weil wir ja auch stehenderweise eher ein Hindernis des fließenden Passantenstroms darstellten.
Er trat dann auf uns zu und fragte uns in einem Ton, der das Erstaunen über die Situation mehr als deutlich ausdrückte, ob der Zeichner ein Bekannter von uns sei. Auf die bejahende Antwort hin kam er dann auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen mit der Frage: “Kann sich der arme Mann keine Kamera leisten? Mit der ginge das doch viel schneller.”
Wenn nicht überspült,
so doch umspült
vom Strom der Passanten:
Zeichnend den Herzog Christoph
auf dem Schlossplatz
in Stuttgart:
Mein Freund Anton
aus England.
Seine Kamera
sind Zeichenblock
und Filzstift.
Und er hält fest,
was unterginge
im digitalen Alltag.

Herzog Christoph, gezeichnet von Anton Bantock
Statt einer eigenen Medienkritik heute mal ein Hinweis auf https://bildblog.de/
(Einfach im Blogroll nebenan anklicken)

Petros hat das Wegwartenfoto zu meinem Gedicht Wegwartengunst geschickt – mit folgenden Worten:
Hallo Helmut,
das Foto habe ich auf Kreta gemacht… ich hatte es für meinen Kommentar aufbereitet und es hat jetzt nur ein Format von 300 x 300 px. Aber du kannst es dir ja mal ansehen.
Die Wegwarte wächst dort in jedem Straßengraben… manchmal sieht es auch aus wie ein Kornblumenrain.
LG
Petros
Wegwartengunst,
Begleitung auf dem Weg
ins Hoffnungsreiche,
dem treuen Reich gewählter Reise,
so ausgewählt wie schon bestimmt
durch Ratschluss aus dem Geist
des ewig neuen Wissens
um die gewies”˜ne Richtung
zum Gutes nur gebärenden
und nährenden und treuen Leben hin.
Warum steht die Nachricht
heut´ auf der Titelseite?
Mitgefühl mit den Opfern,
Journalistenpflicht wenigstens,
Opfer zu ehren?
Keine Toten; „60 Verletzte“
im Untertitel.
Mein Lokalblatt Boulevard?
Oder politischen Hintergrund
doch beleuchtend?
„Bombenanschlag auf Zug
in Russland“!
Im Untertitel ausgesprochen dann:
„Ermittlungen wegen Terrorverdachts“.
Und der Einleitungstext ein wenig
ausführlicher noch:
„Die Generalstaatsanwaltschaft
ermittelt wegen Terrorverdachts.“
„Wir können aber auch andere
Gründe für einen Anschlag
nicht ausschließen“,
ergänzt schließlich der Text.
Andere Gründe für einen Anschlag
als Terrorismus?
Gibt es Terror-freie
Bombenanschläge?
Oder ist Terror nur der
von den Staatschefs attestierte?
Immer wieder setze ich mutig
meine Mittelpunkte auf meine Umkreise
und ermögliche mir neue Ausblicke
auf neue Horizonte rundum mit neuen
waldbedeckten Höhen hinter Nebeltälern
und sonnendurchfluteten Fluren.
Aber ich setze den Zirkel selber
nur vorsichtig an, ohne Hybris.
Und schließlich landet auf einem
Umkreis wieder der altvertraute
Mittelpunkt.
Was ist eine „Friedens-Dschirga“? Ich weiß, dass die Frage missverständlich ist. Will ich wissen (oder den Leser/die Leserin gerne wissen lassen), was unter einer Friedens-Dschirga oder auch nur einer Dschirga zu verstehen ist? Oder zielt die Frage darauf ab, ob die Dschirga wirklich bzw. in diesem speziellen Fall dem Frieden dient?
So ähnlich ging es mir mit einem Artikel in der Esslinger Zeitung (EZ) vom heutigen 13. August.
„Friedens-Dschirga“ in Kabul beendet – so ist er überschrieben. In dem Artikel ist dann davon die Rede, dass „die Ratsversammlung hunderter Stammesführer aus Afghanistan und Pakistan beendet worden“ sei. Bezieht sich das „die“ vor der Ratsversammlung auf die Tatsache, dass eine Ratsversammlung in diesem Teil der Erde als Dschirga bezeichnet wird oder darauf, dass die Versammlung gemeint ist, in der es um den Frieden ging? Je nach Bezug heißen dann die Anführungszeichen im Titel, dass im Artikel eine Worterklärung von Dschirga an sich zu erwarten ist oder dass an dem Charakter der Versammlung als eine zum Frieden führende gezweifelt wird.
An den oben zitierten Satz über die Beendigung der Versammlung schließt sich dann folgender Satz an: „Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf, der überraschend zum Abschluss der sogenannten Friedens-Dschirga in die afghanische Hauptstadt gereist war, räumte ungewöhnlich deutlich eine Mitverantwortung Pakistans am Wiedererstarken der radikal-islamischen Taliban ein.“
Ob das dem Frieden dient, das wird offenbar dadurch in Frage gestellt, dass im nächsten gleich langen Abschnitt von einem Taliban-Angriff auf eine US-Basis in Süd-Afghanistan und über die Lage im Geiseldrama berichtet wird. Genau gesagt wird der Zweifel allerdings nicht. So bleibt für mich der Schluss, dass sowohl die Anführungszeichen im Titel als auch der anführungszeichenfreie Gebrauch von Friedens-Dschirga zusammen mit dem Adjektiv sogenannt eher einen im Bericht versteckten Kommentar als eine einfache Worterklärung darstellen. Denn sonst hätte man im Titel ganz einfach auf die Anführungszeichen verzichten können.
Die Esslinger Zeitung lässt am 6. August im ‚Zitat des Tages‘ Manfred Krautkrämer, den Verteidiger von Max Strauß zu Wort kommen. In seinem Plädoyer im Steuer-Strafprozess gegen den „bayerischen Politikersohn“ vor dem Augsburger Landgericht sagte er:
„Max Strauß war vor allem Sohn des allseits hoch verehrten Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.“
Die EZ ließ sich damit wohl alles offen für die Berichterstattung am folgenden Tag: Anerkennung für die gesamte Familie Strauß, Hohn für den Verteidiger – oder Indifferenz. Je nach Ausgang des Urteils, das am Tag des Zitierens erwartet wurde.
Dieses Urteil war dann eigentlich nicht erstaunlich (weil das Gericht wohl ebenso von der Familie Strauß überzeugt war wie der zitierte Verteidiger): Max Strauß wurde „vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen“ – so die EZ heute. Weiter die EZ: „Das Landgericht Augsburg sah in seinem gestern verkündeten Urteil keine Beweise dafür, dass der 48-Jährige vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber Geld erhielt und nicht versteuerte.“ Der Richter habe sich in seiner Urteilsbegründung überzeugt gezeigt, dass die Zahlung von 338 000 Euro an Max Strauß nicht erfolgt sei.
Dass das nur einem Freispruch mangels Beweisen entspricht, wird in der EZ nicht ausdrücklich gesagt.
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