Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Hoffnung

Auf den Schneehügel hüpfen,
Hohes nach unten treten,
das Loch wieder füllen,
auf solidem Fundament
den Schneemann sich nach dem
Himmel recken lassen
mit erhobenen Steckenarmen
und in das Leben neu wandern
ohne Sorge,
dass der Schnee schmilzt.

Chinesische Weisheit von heute?

Ein Zitat aus China im Radio
(im Zusammenhang mit der geringen Verbreitung
von Büchern von Astrid Lindgren
– vor allem Pippi Langstrumpf)
habe ich noch im Ohr:
„Wir erlauben unseren Kindern nicht aufzumucken.“
Heißt das:
„Wir erlauben unseren Kindern,
nicht aufzumucken.“?
Oder:
„Wir erlauben unseren Kindern nicht
aufzumucken.“?
Und was können wir daraus
über uns selber erfahren?

Apologie

Frostbeulen fürchte auch ich.
Und erfrieren darf keines.
Nicht ein einziger Mensch.

Aber den fruchtbaren Frost,
der keinen tötet,
willkommen heißen
will ich ihn doch:

Samen macht er bereit
zum Keimen.

Ach, der Frühling
gibt Recht erst
der Hoffnung.

Können wir sie
nicht denken
davor?

Wie wohnen und wo? (Geordnete Aufschriebe einer Führung)

Ubi habitare?
Habit.
Gewohnheit.
Gesellschaftsbild Wohnung.
Zeiten,
in denen Hausmädchen
moderner sind
als Hausmütterchen.
Und Späteres
weniger modern
als Früheres.

Vielleicht war
die Stuttgarter Kochenhofsiedlung
mit ihren steilen Dächern
von 1933
wirkmächtiger als
Le Corbusier und seine Kollegen,
die Dachgärten planten
für die Weißenhofsiedlung:
Internationale Ausstellung.
1927
in Stuttgart.

Wohnen, wo andere
vorher
hinwanderten
auf ihrem Sonntagsausflug
(ins Ausflugslokal
des Herrn Weiß:
dem Weißenhof).

Wohnen in einer
mobilen Welt.

Mobiliar
als Immobilien-Teil.

Umzug als Reise
nur mit dem Koffer.
Gepäckträger denkbar.
Möbelpacker nicht.

Araberdorf
war der Vorwurf
der Unverständigen:

Ent-Würfe
braucht Traditionelles nicht:
Es lebe das romantische Deutschland
mit roten Dächern.

Aphorismus 3

Ein wortloses Lächeln im Herbst kann mehr wert sein als alle Aufgeregtheiten des Frühlings.

(Angeregt durch „Gemeinsame Erfahrungen“ von Sabine Fenner: hier.
Vielen Dank, Sabine!)
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