Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Sprachregelung

„Schaden personeller Art“
nennt der deutsche Kriegsminister
auf der Münchner „Sicherheitskonferenz“
Tote oder Verletzte,
die es bei einem Anschlag
möglicherweise gegeben hätte
durch eine Rakete,
die eingeschlagen ist,
aber nicht explodiert,
im Küchengebäude
des deutschen Feldlagers
in Kundus.

Mit dieser Sprache
leistet man „Überzeugungsarbeit“
zur Ausweitung
des Bundestagsmandats
für die deutschen Truppen
in Afghanistan.

Früher und heute

Früher ritten Götterheere
über den Himmel.
Heute,
da Flugzeuge
über den Himmel ziehen,
minütlich herannahend
in der Nähe des Flughafens,
da haben Göttinnen und Götter
es sich überlegt
und reiten
über die Horizonte
unserer Seelen.

under cover

under cover

Das Spiel um die Freiheit
Für die muslimischen Frauen
Im Iran oder in Afghanistan
Oder in Saudi-Arabien
Oder …
Immer unter dem Kopftuch
Auch beim Fußball
Wenn Frauen es
Betreiben das Spiel
Überhaupt
Dann vielleicht wie
Bei dem Film
„football under cover“
Eben

”šunder cover”˜

Lichtmess

Das letzte Warten hat begonnen.
Den Atem eines Neuen spür´ ich schon.
Er schlüpft in alle Poren,
begeistert Haut und Haare,
erwärmt das Innerste,
lässt neue Träume keimen
und neue Verse,
die das Licht schon spüren,
das sich in aller Heimlichkeit
ins Tagewerk einschleicht
und plötzlich strahlend scheint,
als wäre immer es gewesen.

Das letzte Warten,
das ist eins des Hoffens
auf ganz gewiss Erwartetes,
auf Schlüsselblumen, Lämmerhüpfen,
auf Maienduft, auf grünend
stetes Wachsen, auf Kraft
des Aufstehns und Inangriffnehmens.

Und letztes Warten ist es nur
im Wissen um ein Wiederkehrendes,
das keinen Leerlauf meint,
kein Hecheln hinter unerfüllter
und hemmend hinkend machender
und träge Dämmerung befördernder
Anford’rung her.
Befreit gebunden an das Leben,
ganz ungebunden an den Todeswillen,
geborgen in dem Glauben an
die glaubenlose Zuversicht
des sprühend in das Morgen Tanzens
im heutigen Genuss
des Kreisedrehens
und des Kreischens.

So lasst ein Lichtlein uns entzünden
und leuchten in die starren Räume.
So lasst uns ruhen in dem Dunkel,
dem immer neu das Licht
den Platz einräumt,
um neue Kraft zu schöpfen.
So lasst das Leben uns erneuen.

Abendschein

Das Warten auf das Neue
im Abendsonnengold,
auf neuen Tag, ja auch,
doch auch auf Träume,
auf neue Deutung des Gewesenen.

Komplementäres Grau
zum goldnen Glanz:
Schattierungen, in denen
Konturen wachsen,
die im Ruhen
sich ausbauen
zu den Modellen,
die uns tragen
und unser Hoffen.

Was an dem Tag geworden,
recht sichtbar wird es erst
im ahnenden Zerfließen.

Vergänglich blieb nur das Septemberregime

Der Züriputsch wird vor mir lebendig:
Sturz der liberalen, Regeneration
vertretenden Kantonalregierung.
Zu ihm geführt hat der Straussenhandel
um David Friedrich Strauß,
meinen Landsmann, einen Tübinger
Stiftler und Lehrer, in Berlin
Schüler von Hegel, meinem Landsmann,
einem Stuttgarter wie ich.
Straußens Geburt vor zweihundert
Jahren in Ludwigsburg
gedenkt meine Zeitung heute,
dessen, der das „Leben Jesu“ verfasste.
„Recht und Grenze der Bibelkritik“
nannte ich einst meine schriftliche Prüfungsarbeit,
um Lehrer zu werden, in der ich
den aktuellen Streit der Pietisten in
meinem Land gegen die Bibelkritik
beleuchtete, die ohne Straußens Buch
so nicht denkbar gewesen wäre.
Ohne Lessing mit seinem Goezestreit
um Reimarus wäre das hinwieder
vielleicht ja nicht entstanden,
genauso wie meine bescheidene
Arbeit im Fach Religion.

Und ”šPutsch”˜ im gesamten deutschen
Sprachraum und darüber hinaus
verbreitet als Wort ”“
ohne den Händel um Strauß
gäbe es das vielleicht nicht.

Wie doch ungewollt
zusammenhängt
eins mit dem andern.

Abmeldung

Hallo,

Ich mache (wahrscheinlich eine Woche lang) Blogpause wegen ‚verschärftem‘ Opadienst bei meiner Enkelin Eva. Ich freue mich sehr auf diese Zeit. In meinem Blogroll findet sich sicher etwas, was die Lektüre auf meinem Blog ersetzt.

Liebe Grüße an alle LeserInnen und Leser                                                                                                                        Helmut

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