Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 258 von 302

Vorsüzien

Vorsüzien müssten
sie vielleicht heißen
inzwischen.

Sie sind ja heimisch geworden
bei uns
inzwischen.

Wenn ich die Vorstadtstraße
hinabschaue, lugen
die gelben Gäste
aus Ostasien
aus jedem Vorgärtchen heraus.

Einen schönen Akkord bilden sie
besonders unter dem Blau
des Frühlingshimmels
mit den Wertstoffbehältern,
den schwarzen,
mit ihren gelben Deckeln,
aufgereiht beide
als Perlenschnur;

diese maßgerecht
Abstand haltend
von der Straße,
so dass der Gehweg
frei bleibt vor der Leerung.

Auch diese sind
heimisch geworden
bei uns
wie die (ach so!: )
Forsythien.

Und mit diesen Eindrücken von Gründonnerstag wünsche ich Euch schöne Ostern. Bis danach wieder!

Schwäbischer* Aphorismus

Wenn ois von de Nicht-Schwoba
Wender ond Wendehals
net en Verbendong brengt,
isch dia Persoo
scho reacht guat
em Schwäbischa
– odder se isch jenger als wia
siebnazwanzig.

*mit Einsprengseln von Honoratiorenschwäbisch und gendergerechter Sprache

Ostererleben

Der Lohn für das Lauschen
aufs Klingen der gelben Osterglocken:
der Klang der osterglockenhellen
Töne aus der Kinderkehle:
Sonnengelber Dialog,
kontrapunktisch gesetzt
in Höhen und Tiefen,
wiedergebend die großen
und kleinen Blüten,
in einzelnen Klängen,
in chorisch gesungenen
Melodiensträngen,
hörend einer auf den andern,
in Tänzen und Trillern,
in denen es das erlebt, das Kind,
was es erfunden.

Wandel

Vorbei isch d´r Wender,
v´rendra kennder
so viel, d´r Friehleng ”“ oh Kender:
Gar ällas g´sender
macht halt au der net.

Denglisch – eine Unterbrechung der Blogpause

Ich sah mal einen Lieferwagen.
Was ich da las, ich kann´s kaum sagen:
Da stand in schönstem Englisch drauf,
was mir nicht eingeleuchtet hat:
nur BAD DESIGN war da zu lesen,
war man nicht eben ganz dichtauf.
Was ist denn das hier grad gewesen?
Ach, angesprochen war nur das Design vom Bad!

Das Neue

Wenn ich neue Wegstrecken wähle,
narrt mich manchmal ein Kobold,
spiegelt altvertraute Wege mir vor,
die mich erreichen ließ endlich
ein Umweg,

und führt in die Irre.

Aber plötzlich steht da
ein Mykene.

Und ich weiß, daß sich das Risiko schließlich
gelohnt hat.

My fair season

Es hat geschneit heut Nacht,
die ganze Nacht, heut Nacht.
Ach wär´s doch ganz vorbei!
Ich will doch gar nicht mehr,
als dass es wärmer wär.
Was ist denn schon dabei?

Ich spüre schon
bei jedem Ton
der Meisen,
es ist doch Lenz,
ich kann”˜s beweisen.

Es ist doch schon, oh ja,
vom März das Ende da.
Da muss es endlich
Frühling sein.

Ein rätselhaftes Klingen liegt in der Luft

Weht der Wind durchs Gebüsch,
Alles beginnt ja von vorne
Sieht die Blumen der Frühe,
Meidet vielleicht die Empfindlichen,
Alles beginnt ja von neuem
Greift sich verdeckendes Laub.,
Weist den küssenden Sonnenstrahlen
Oder täusch ich mich da?
Hat es denn wirklich begonnen?
Liebend den Weg,
Kann es nicht lassen
Virulent sich zu drehen,
Suchend noch mehr
Eine ist sicher noch da,
Ist ja Verheißung des Klingens.
Neue Blüten.

W interlinge, S chneeglöckchen
M ärzenbecher, G elbe Krokus
W eiße Krokus, L ungenkraut
K rokus gestreift, V iolette Krokus
S chlüsselblümchen, N eu diese klingenden Farben!

Klänge sehen die Augen wie in jenem Verzeichnis!(?)

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑