Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Alter Knabe – mit vier Kommentargedichten (lesenswert!)

Glaub”˜ ich manchmal nicht daran,
vieles könn”˜ man ändern,
tu ich´s dann doch irgendwann
trotz den vielen Blendern.

Ignorieren kann ich sie,
das versteht von selbst sich,
doch mitnichten und auch nie,
denn ich bin ja sterblich.

Doch die Dummheit, glaube mir,
die bleibt für unendlich,
Ewigkeit ist ihr Revier.
Und ich bin empfindlich.

Drum bleibt ja im Leben nur,
sag”˜ ich unumwunden,
leise legen eine Spur
hin zu bess´ren Stunden,

wo die Weisheit dann regiert
doch so zwischendurch auch,
welchen Glauben ungeniert
ich fürs Wohlsein schon brauch”˜.

Ach, ich brauch”˜ es, brauch es schon:
Manches soll sich ändern.

Kommentargedicht von Paul Spinger:

Was ein alter Knabe glaubt,
Ist nicht immer nur verstaubt,
Wie die grauen Haare.
Er verliert die Illusionen
Und muss seine Knochen schonen,
Doch er weiß ums Wahre.

Kommentargedicht von Brigitte Fuchs:

Ja, die alten Knaben
rütteln an den Staben,
wissen – wie die Raben –
Anderes wär zu haben”¦

Und die alten Frauen
kennen das und schauen,
hören zu und bauen
auf beiderlei Vertrauen.

Kommentargedicht von Elsa Rieger:

ich sehe leben

ein gesicht überzogen
mit zerfurchten
sonnenstrahlen
die sich um
augen fälteln

darin jahrzehnte
noch immer lächelnd

Eine weitere Inspiration durch meinen Text von Hermann Josef Schmitz:

alte männer
reisten durch das unruhige land
sie belohnten sich
mit bunten programmen
über falsche versprechungen
für ihre vergehen
flammende reden wurden
zu kaskaden der beruhigung
graue männer
reisten durch das entlebte land
sie verkauften die bescheinigungen
für ein neues leben
aus bodenlosigkeit
kleinlaut entzog sich
die gerechtigkeit
den verbreiteten lügen
starre männer
reisten durch das brennende land
vergriffen sich an freiheit und moral
mädchen sangen keine lieder mehr
hatten einen viel zu hohen preis bezahlt
in den städten brannte wut
wild und unbeherrscht
verging der sommer
müde männer
reisten durch das vereiste land
im gepäck sich selbst
vergessen wo sie einst geboren waren

Glücksuche

Gold suche ich
Hinter den Grenzen
Meines Gärtchens
In dem Gekiesel des Flüsschens.

Edelsteine suche ich
Auf der Expedition
In die Sandflächen
Hinter den fischreichen Gestaden.

Anerkennung suche ich
In meinem Tun
Gegen Bezahlung
In beständigen Werten.

In dem Gekiesel
Welcher Sphären
Finde ich
Das Glück?

Aphoristische Theorie der Lyrik

Kaum in einer anderen Sparte der Literatur treffen sich so sehr zwei Etymologien von „Dichtung“ wie in der Lyrik: dass jemand etwas zu sagen weiß und dass jemand etwas ‚dicht‘ sagen kann.
Manchmal aber streiten sie heftig!

D a s gönne ich meinen Stuttgarter Parteigenossen geradezu. Warum musste die Stuttgarter SPD sich auch für Stuttgart 21 starkmachen?

Goldhimmel

Goldhimmel
kontrastiert von Dunkelwolkenungetümen,
golden leuchtend
die Nachbarhaus-Vorderwand.
Nur wenige Minuten
bis zum Sonnenuntergang.
Dann fällt die Blässe
des Nichtssagenden
über die Welt.
Nur die Erinnerung bleibt
und treibt Blüten.

Europawahl

Es begab sich aber zu der Zeit,
als die Politiker alle aufriefen,
doch an der Europawahl teilzunehmen,
dass nur mit viel Trickserei
(Kommunalwahlen auf den selben Tag
zu legen; Pfingstferien zu verlegen)
eine noch schlechtere Wahlbeteiligung
zu verhindern war, vielleicht auch
deswegen, weil die Zuversicht
in die Lösungskompetenz für die vielen Probleme
sehr schwankend war, zum Beispiel,
wie der Frieden weltweit zu sichern wäre,
gar mit friedlichen Mitteln. Da begab es sich,
dass das europäische Volk wieder einmal
nicht die Vertretung hatte, die ihm entsprach,
oder doch?

Das Kommentargedicht von Petros dazu:

Wählbar sein,
Sich nicht stellen.
Wählen können,
Nicht gehen.

Die Qual der Wahl,
Augen zu… Vergessen.
Die Wahl der Qual,
Das größere Übel.

Wer raubt schon
Eine Europa?
Ein Ochse vielleicht.
Der… ohne Hörner.

Aphorismus 8/09

Überleben ohne zu leben wäre tödlich.

Hier das Kommentargedicht dazu von Paul Spinger:

Wenn wir nur noch existieren,
Dumpf im Alltag uns verlieren,
Werden wir uns nicht gewinnen. -
Existenz wär' ganz "von Sinnen".

Hört! Hört!

Ich bin „literarischer Autor im Sinne der Bibliothek“ des Deutschen Literaturarchivs Marbach.

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Sardisches Binnenland

Mädchen- und Mutterbrüste
in die Ebene gestreut.
Wohnplätze der Ahnen
in Begrenzungen beherbergt,
behausend die felsigen Räume.
Ruhepunkte fürs Auge.
Aus der Bläue des Himmels
Wölkchen geboren,
aufgequollen zu Watteschiffchen.
Zum Defilee treibt sie
der Ostwind
vorbei vor dem wölkchengleichen
Sichelmond des Tages
und sie ehren die Zeiten
der Zeit.
Zerflettert, verweht
zerfließen sie wieder
ins Blau,
um zur Geltung zu bringen
die neuen, die folgen.
In der Bläue verschwimmt
Ort und Zeit.

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