Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Zugeknoepfte Betrachtung

Mit den braunen Broeseln
der von mir zerquetschten
Eukalyptusblaetter
des Vorjahrs
sehe ich Leben
zerbroeseln,
flatternd im Wind,
hinfliegend
– ach, so angenehm
unter dem blauen Himmel
im erfrischenden Heute
des Mistral,
ueber dem Miniatur-Kleeblumen- Teppich,
zwischendurch gesprenkelt
mit Bonsai-Massliebchen-Figuerchen
des zeitigen Sommers.

Nicht den Kampf
fuehren zu muessen
mit der Windsurf-Geraetschaft,
nur mit ganz leichtem Neid
den dann doch
auf der Azurflaeche
Hingleitenden
bewundern zu duerfen
mit Behagen:
Welches Glueck!

Pete Seeger wurde (wohl) neunzig – vorletzten Sonntag

In meinem Internet-Kalender
werde ich mir’s wohl
notieren muessen:
das Datum 3.Mai 2019:
„Stuttgarter Zeitung abonnieren.“
Als einen der letzten Wuensche
meines Lebens
koennte ich ja vielleicht
Pete Seeger noch erleben
als Hundertjaehrigen
auf seiner Welttournee,
wenn ich davon erfahren sollte
in der Stuttgarter Zeitung.
Jan Ulrich Welke
versprach es dort:
„Und wenn dieser Mann
hundert wird,
geht er vielleicht sogar
noch einmal auf Welttournee.
Wir melden uns,
wenn’s so weit ist.“

Blogbrache

Der Mai wird eine weitgehend blogfreie Zeit beim Maier-Lyrik-Blog werden – bis hin zum Stillstand.
Für die Geduld danke ich schon im Voraus.
Im Juni werde ich mich sehr anstrengen, diese Blogbrache wieder zu kompensieren.

Helmut Maier

P.S.: Auf Brachland kann man schon ab und zu ein paar Blüten sehen, wenn man Glück hat …
🙂

Hoffnung und Trauer

Du, Zeit der Hoffnung und der Trauer,
du gibst der Trauer Zeit, der Hoffnung Dauer.
Der Blick vom Grab zur Teck, der Schönen,
will doch mit Tod und Leid, mit dem Verlust versöhnen.

Die Felder grünen und die Frucht wird kommen.
Die Trauer weiß: Es wird gegeben und genommen.
Die Hoffnung spricht: Es wird genommen und gegeben.
Das Ziel ist nicht der Tod. Das Ziel ist: Leben.

Schmerz ist nicht ewig. Ewig nicht das Leid.
Wir sind noch eine Zeit lang ihm verfallen.
Es gibt noch Zukunft in der Freude Hallen.

Die Erde trägt ja doch ihr Hochzeitskleid.
Wenn wir gehalten sind, gefasst, getragen,
dann stellt auch Dankbarkeit sich ein statt Klagen.

Richt-Spruch

Richda
hoißt bei ons Schwoba
net: urdeila,
scho gar et
v´r-urdeila.

Erschd
wamm´r ebbas
nemme richda ka,
wann´s also ganz kaputt isch,
schmeißt m´r´s weg.

D´Bibel v´rschdanda
isch do ganz schee
schwierig,
wann´s do hoißt:
Richtet nicht,
auf dass ihr nicht
gerichtet werdet.

Tod und Leben

Ein Freund ist tot.
Ein Freund des Lebens.
Ernst Eberle, der Geigenbauer,
der Friedensfreund ist tot.

Ach ja, ein jeder Saitenklang, durch Dich gefangen,
von welchen immer ausgegangen,
die eines spielen Deiner Instrumente,
die gingen einst durch Deine Hände,
der stimmt in frohen Chor trotz allem ein und jauchzt und singt,
ein Klang, der himmelwärts sich schwingt.

Verschämtheit

Zwischen Sommerknotenblume
und Knoblauchrauke
prangt in junger Frische der
sich verschämt gebende
Apfelbaum, errötend
ob seiner Blütendichte
und der angeberisch weiß
sich spreizenden Lippen
der Blüten des Nachbarn,
dessen Zweige sich aalen
in der Wärme der Sonne.

Frühsommer-Fest

Die Fülle der Farben
Fängt meine Blicke
Bald hier und bald dort
Füllt meine Seele
Wieder und wieder
Mit Köstlichstem auf.

Wo Frühling und Sommer
Sich küssen und kosen
Wo Blau und wo Grün
Träumen vom alles verbindenden
Regenbogen-Erneuern
Aufsaugen will ich sie
Und sie vergeuden
Mit Freuden.

Willkommen

Das Wiesenschaumkraut
bereitet dem Sommer
den rechten Willkomm.

Selber umgeben
vom saftigen Grün
des sprießenden Grases
bedenkt es
den kommenden Prinzen
der lebenbringenden Jahreszeit
mit dem Titel
schaumgeboren zu sein.

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