Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Glaskristall

Die tausend Möglichkeiten
tröstlicher Farbenspiele
von einer Ecke des Kristalls
an meine Zimmerdecke,
Zimmerwand und Iris
meines Auges
hinverschwendet;
als Wechselspiel,
ein Feuerwerk der Funken, Farben,
fontänenhaft gar sprühend,
in Regenbogenbildern
treu wie für Ewigkeiten,
vergänglich in natura,
in Erinnerung geprägt
doch dauernd.

Sie lassen mich
zurück und auch
an tausend Möglichkeiten
glauben.

Wie geschmiert

Einen Zusammenhang
zwischen einer Millionenspende
von einer Hotelkette
an die FDP
und der Entlastung der Hoteliers
durch das Wachstums-
Beschleunigungs-
Gesetz
gibt es ……..
(hier ist das Original
der Notiz
leider
ver-schmiert
und
unleserlich)

Vergleiche den Limerick von Petros „Von Guido, den Steuern und Spenden“: https://blogpoesie.com/?p=3111

und auch den Beitrag „Hildegard Hamm-Brücher zur Klientelpolitik der FDP. Wird Deutschland bekommen, was es verdient hat?“ bei Gedankenpflug.

Dies ist das Land

Dies ist das Land
die Erde
die Urmutter Geist
uns Seelen geschenkt
dem Stamm der Menschen
Dies ist das Land
Mit seinem weißen Gischt
der dahinstürzenden Wasser
stiftete es die Sonne an
zu verweilen
auf ihrem höchsten Stand
vor Erstaunen
Und wir wollen die Küsten des Himmels
erstürmen
wo doch
so viele Lebenskreise
unserer Vorfahren
in einer einzigen Sequoia
sich versammeln
dicht über der Erde
Noch flüstert Tehama
Verweilten wir doch
und hörten ihr zu
trotz ihrem schwefligen Atem
Sie spricht von der anderen Welt
die uns in dieser lässt
die Schönheit erkennen
und die Gefahren
und uns hilft
sie zu meistern
in der Verwandtschaft
des Geists unserer Seelen
mit dem
von Mutter Erde und Großvater Licht
Und die Nacht lässt uns träumen
vom vorigen Tag
für den nächsten

Aphorismus 3/10

Wo der Staat als fragil, aber auch wo er aggressiv oder gar repressiv erlebt wird, wuchert der Fundamentalismus besonders gut.

Vgl. Mark Juergensmeyer: „Die Globalisierung religiöser Gewalt. Von christlichen Milizen bis al-Qaida“

Generiertes Gedicht I

Die Gabe an den Zufall

Wähler.
Ja unverantwortliches Ding du!
Zufall, mein langweiliger Vetter.
Im Flur in einsamer Nacht!
Wählend – du mußt es heulen!
Oh dümmliches Glück!
Wähler du.
Beschmiert ach so lang.
Zufall zwischen Erleben und Rasieren.
Wähler heute so irritiert.

Aphorismus 2/10

Es ist kein Zufall, wenn Wählerinnen und Wähler wider ihre Interessen votieren.
Bevor es zu einer Revolution in einem demokratischen Staat kommt, geschieht es häufig, wenn lange genug die Regierenden Gerechtigkeit predigen und nichts oder zu wenig dafür tun.

Zufallsgesteuerte Eingebung – Gesteuerter Zufall

Was ich im Folgenden ausführe, hat mit meinen zwei Gedichten unter dem Gesamttitel „Gesteuerter Zufall“ zu tun ”“ bzw. haben sie mit der Recherche zu tun, die ich nun darstellen will:

Ich bin durch Bekannte auf den Namen „Theo Lutz“ gestoßen. Ich erfuhr, dass Theo Lutz mit Max Bense zusammengearbeitet hat. Tatsächlich war der Mathematiker Theo Lutz Doktorand des Kybernetikers Max Bense. Das Ergebnis eines Experiments mit dem Großrechner „Zuse 22“ am Rechenzentrum der TH Stuttgart, aus dem später die Abteilung für Informatik hervorging, veröffentlicht Lutz 1959 in Benses bedeutender Literaturzeitschrift „Augenblick“ der sogenannten „Stuttgarter Schule“. Es sollte sich um einen Meilenstein computergenerierter Poesie, um die sogenannten stochastischen (also zufallsgesteuerten) Texte handeln.

„Theo Lutz hatte ein Programm geschrieben, um stochastische, d.h. zufallsbasierte Texte zu erzeugen. Dazu hatte er, auf Max Benses Anraten, je 16 Subjekte und 16 Prädikate aus Kafkas „Schloss“ ausgewählt.“
( https://copernicus.netzliteratur.net/ )

Der Aufsatz von Theo Lutz kann hier nachgelesen werden:
https://www.netzliteratur.net/lutz_schule.htm

Autoren, die im „Augenblick“ publizierten und bei der Konstituierung der Stuttgarter Gruppe/Schule eine mehr oder weniger gewichtige Rolle gespielt haben, sind neben Gomringer, Heißenbüttel und Max Bense selbst, ferner Arno Schmidt, Martin Walser, Ludwig Harig, Claus Henneberg, Theo Lutz, Reinhard Döhl, Ferdinand Kriwet, Jürgen Becker, Manfred Esser u.a.

Schön, Theo Lutz in dieser Liste gefunden zu haben, die bei Reinhard Döhl: „Der Kreis um Max Bense“ nachgelesen werden kann:
https://www.reinhard-doehl.de/bensekreis.htm
Übrigens kann man auch Ernst Jandl durchaus zeitweise zur Stuttgarter Schule rechnen.

Ein paar weitere Links dazu:

https://www.netzliteratur.net/lutz_schule.htm

https://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E6FB99E42AC1A491F82B508DE67BA20E7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

https://www.taz.de/index.php?id=archivseite&dig=2004/11/30/a0189

https://www.stuttgarter-schule.de/bensekybernetik.htm

Bei Günters genialen Gedicht-Generatoren 😉
( https://www.poetron-zone.de/poetron.php )
dürfte es sich um praktisch dasselbe handeln wie das ursprüngliche Programm von Theo Lutz ”“ wohl etwas auf moderne Handhabung eingestellt.
Mit ihm habe ich versucht, so etwas wie künstliche Poesie herzustellen. Dieser Vorgang wird übrigens seit Theo Lutzens Aufsatz „lutzen“ genannt.
Nach mehreren Versuchen, habe ich dann gedacht, dass mein Gehirn als „Computer“ in Erinnerung an die entsprechenden Resultate etwas Ähnliches hervorbringen könnte. So ist der Text „Stochastische Zusammenschau“ entstanden. Dann habe ich Teile davon in das Poetron eingegeben und habe das künstliche Gedicht nach meinen Vorstellungen ideologischer Art verändert ( 🙂 ). Daraus wurde der Text „Eine Anklage an Heilige Schriften“. Der „Originaltitel“ hieß übrigens: „Ode an Heilige Schriften“.

P.S.: Es darf geraten werden, welche Begriffe ich ins Poetron eingegeben habe. Eine Auflösung wird es aber nicht geben.

Gesteuerter Zufall

Stochastische Zusammenschau

Zufallsgesteuerte Eingebung.
Heilige Schriften.
Sie zerfallen im Zufall
des Negierens.
Aber ihre Herrschaft überdauert
die vernünftigen Analysen
und erfreut die Ästhetik
der nicht mehr Gebundenen.
Doch Sinn muss erst mal
neu gegeben werden
zur Legitimation.

Eine Anklage an Heilige Schriften

Heilige Schriften.
Oh zufallsgesteuerte Dinge ihr!
Eure Eingebung: intelligentes Theater.
In die Kühltruhe für immer!
Legitimiert – du mußt sie rufen!
Welch spöttisches Glück ansonsten.
Heilige Schriften ihr!
Tiefgekühlt lange Zeit.
Heilige Schriften zwischen Sinnen und Staunen.
Heilige Schriften ja so federleicht
fliegend dahin.
Oder eingeharkt
in Unkrautäcker der Willkür.

Aphorismus 1/10

Verse sind nicht das Leben,
aber sie können ans Leben anschließen.

Kommentar zu „Herzkalt“ von Petros

Bitte unbedingt auch die Kommentare (möglichst einschließlich der Links) lesen. Sie bilden zusammen mit dem Aphorismus und dem „Original“-Text von Petros ein richtiges kleines Projekt – mit mehreren Gedichten: von Hermann Josef Schmitz, Petros (ein weiteres), Barbara Hauser und Curt Hauser usw.!

Und noch ein ‚Blick‘ hierher (wieder mit allen Kommentaren) zu Barbara! Klasse! Unter den Kommentaren auch das Gedicht „Gedankenbilder II“ von Isabella Kramer, das auch hier zu finden ist: https://veredita.blogspot.com/2010/01/gedankenbilder-ii.html .

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