Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Mats Bähr

Mats Bähr ( https://matsbaehr.de/index.html ) macht mir die Freude, in meiner Rubrik Gastlyrik zwei Gedichte vorzustellen. Lasst mich gleich vorneweg sagen, dass sie sich mir am besten erschlossen haben, nachdem ich von seinem geplanten Auftritt beim Kieler Poetry Slam am 11. März in der Pumpe ( https://diepumpe.de/?main=calendar&d=11&m=3&y=2010&w=4#4882 ) erfahren habe und mir die Texte laut vorlas.

Hier nun seine zwei Gedichte:

Stern

so böse guckst du, wie die faust dem morgen zugestreckt
liegst geborgen, gut versteckt
in deiner kalten, schwarzen höhle
stern
ein wort
was weißt du schon, was ich dich heiße
still verstrickt in zagen liebesträumen
wenn das weiße
tuch des friedens meine lippen schließt
und mein herz so haltlos öffnet
stern
ein punkt
doch auch die quelle großer werke
bloßer stärke
scheinst du selten angetan
nur manchmal merke
ich mir deine heimat, denn
wer wege weist, der ist ein licht
am pfad durch finsternis und furcht
und bleibt er nicht
an seinem plan
ist dieses werk nicht gut getan
das auf uns lastet und uns bindet
und wie ein stern am firmament verschwindet
wenn die schatten schmelzen
schwarze vögel
sich im kalten schlamm der städte wälzen
stern
du machst uns alles klar mit weißem licht
ob wir es sehen wollen
oder
nicht

—–

Neonteile

neonschicht im neonlicht
schadet neonteilen nicht
weißt die scharfen sensorleisten
reißt den strom aus datenkreisen
nacht zur nullten nanostunde
weicht der neonlichtsekunde
#amen

Ende und Anfang

Ein paar Nanosekunden lang
sind Ende und Anfang gleich.
Es geht und kommt der Tag.
Es geht und kommt die Jahreszeit.
Es geht und kommt ein
treues Liebeswallen.
Und Sprache holpert ihnen nach
und das Verstehen.

Winterschnee und Frühlingswonne
zerschmelzen in eins
in langen Lebensjahren.
Auf neuen Schnee
da fallen Frühlingsbotenstrahlen;
und Frühling kommt,
wenn ich ihn noch erlebe.

Doch das ist eins;
ich kenn”˜ ihn ja persönlich.

Leistung

Leistung muss sich
Wieder für die Reichen
Lohnen, wenn sie die
Armen erbringen.
Das war spätrömische
Dekadenz, Herr Westerwelle.
Gut, wenn Sie wirklich
Dagegen wären.

Enge und Weite

Ich will
Geborgenheit spüren.
Ich verberge mich
in der Enge des Schicksals,
in der Faust des Vergessens.

Huch, sagte die Fliege,
ich hoffe nur,
dass die Muskelmassen
um mich rum
mich nicht zerdrücken.

Da öffnet hin zum Licht
sich ein Spalt
und ich fliege hinaus
in die Weite,
entfliehe der Enge.

Wie weit darf ich fliegen,
um im Rachen
einer Fledermaus
nicht zu verschwinden?

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