Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Ende und Anfang

Ein paar Nanosekunden lang
sind Ende und Anfang gleich.
Es geht und kommt der Tag.
Es geht und kommt die Jahreszeit.
Es geht und kommt ein
treues Liebeswallen.
Und Sprache holpert ihnen nach
und das Verstehen.

Winterschnee und Frühlingswonne
zerschmelzen in eins
in langen Lebensjahren.
Auf neuen Schnee
da fallen Frühlingsbotenstrahlen;
und Frühling kommt,
wenn ich ihn noch erlebe.

Doch das ist eins;
ich kenn”˜ ihn ja persönlich.

Leistung

Leistung muss sich
Wieder für die Reichen
Lohnen, wenn sie die
Armen erbringen.
Das war spätrömische
Dekadenz, Herr Westerwelle.
Gut, wenn Sie wirklich
Dagegen wären.

Enge und Weite

Ich will
Geborgenheit spüren.
Ich verberge mich
in der Enge des Schicksals,
in der Faust des Vergessens.

Huch, sagte die Fliege,
ich hoffe nur,
dass die Muskelmassen
um mich rum
mich nicht zerdrücken.

Da öffnet hin zum Licht
sich ein Spalt
und ich fliege hinaus
in die Weite,
entfliehe der Enge.

Wie weit darf ich fliegen,
um im Rachen
einer Fledermaus
nicht zu verschwinden?

Sonntag im winterlichen Deutschland

Die Sonne bricht durchs Grau
des Himmels, macht ihn gleich
zu einem Lampenschirm
über der Schneelandschaft.

Milchiges Licht
verspricht irgendwann
endlich
die Bläue des Tages.

Später erstirbt der
wieder,
entschläft schließlich
in weißes Grau.

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