Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Das Sein

Ich lege mich
in die Zeit.
Monde wechseln.
Fülle des Lichts
wächst und vergeht,
Licht der Wahrheit,
Klarheit des Wissens.

Ich lege mich
in den Raum.
Im Solarplexus
kreuzen sich
die Linien der Diagonalen
zwischen Händen und Füßen.
Sein und Bestehen.
Stehen im Seienden.

Ich stehe wieder
vor Neuem.
Ich träume Erlebtes
Und ich schweige
vor Erschauern
und Wonne.
im Sein.

Wiedergeburt

Ich zwänge mich
in die Höhlung,
krieche mit Vorsicht.
Nur nichts verletzen
von den Zeichen am Boden.
Und doch schreite ich
durch den Trilith
im Gedenken an maltesische Tempel.
Ich schwebe
in Emphase und Empathie.
Auftun sich Welten
des Werdens,
des Wachsens.
Wirklichkeit wirkt
und Wahrheit umscheint mich
und Hoffnung und Freude
aufs verlässliche Leben.
Und die ersehnte Sonne
erblickt mich
nach dem Verlassen
der Felskälte.
Wiedergeburt.

Annäherung an die Gedankenwelt des Paläolithikums

Eins ist der Kosmos.
Zweigeteilt ist das Eine
in oben und unten.
Das Oben gebiert Mond um Mond
und um Mond.
Unten im Menschengeviert
findet der unendliche Raum sich
in Grenzen.
Vielgestaltige Grenzen
ergeben Leitern des Strebens.
Doch im Wechsel der Monde
finden die Menschen zusammen
in Paaren
wie das Ew´ge in eins mit dem
unendlichen Raum.
Gebären und Leben.
Leben und immer wiederkehrende
Ruhe.
Vielzahl der Dreien und Vieren,
vervielfacht multipel
und addiert in Gemeinsames
baut die Kultur.
Natürliches Ruhen
und Gebautes vereinen
in gigantischen Werken,
in hilfreichen Statuten,
in Menschenleben
und ”“streben:
aufgegeben ist es den Menschen:
dieses Geschenk.

Zurück aus der Ile-de-France

Zurück
melde ich mich
in neuen Monden
in meinem eig´nen Geviert.
Suchend das Gefund´ne*.
Lesend das Verschlüsselte.
Begreifend das Unfassbare.

Wiedergeburt
ist nicht zu schaffen
in einer Stunde
und in einem Gedicht
(schon gar nicht).

* Bei Google Earth hier: N 48°23’44“ E 2°31’00“ bei der Placemark ist das Foto (s.o.) eingefügt (Den Ancient Rock haben wir aber zwar in der Nähe 🙂 , jedoch durchaus nicht hier gefunden 🙁 )

Einer Eingeweihten folgen

Beschäftigt war ich diese Woche
meiner Frau zu folgen
(I am one of her followers to be sure)
was mir nicht immer leicht fällt.
Aber sie kannte den Weg
zu den Höhlen
mit den Felsritzungen.
Und so einfach war das
nicht gerade:
nicht einfach den jungen
Esskastanien-Bäumchen
und ihren kleinen Igelchen
auf dem Waldboden
mit dem schmackhaften Inhalt
vom Vorjahr
mussten wir folgen.
Höhenrücken galt es
zu unterscheiden
und Felsgruppierungen.
Und ihre Trefferquote
war phänomenal.
Und ich stand da
und staunte
und war ergriffen
von der Geisthaftigkeit,
von der die Ritzungen zeugten.
Und eine gute Übung
meiner Frau zu folgen
war es zudem.

Ritzungen (Art of writing)

Vielzahl der erfahrenen Meinungen
gibt ein Muster des Lebens.
Eingeordnet. Eine Einzelentscheidung
im Einklang mit der Natur,
mit den Gegebenheiten,
mit dem Gegebenen. Verbunden
mit uraltem Wissen. Neu
erkannt und bekannt
in den Zeichen der Zeit,
in den Zeichen der Welten,
in den Zeichen
des Lebens.
Eingeritzt in die Felshöhlungen,
eingeritzt in den Schatz
gemeinsamen Wissens mit allen
Eingeweihten. Allen Lernenden.
Allen Beflügelten.

Ansonsten hübsch anzusehen.
Ansonsten Denkmal der Geschichte.
Ansonsten feux interdits immerhin (doch wieviele
Kletterer halten sich daran?) Immerhin
aber Sonstiges belanglos
im Alltag.

Kraft schöpfen können wir nur,
wenn wir uns einlassen
auf das Geschenk.

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