Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Turmbau

Rechts an dem Felsenmassiv:
abgegraben, -gestochen, -gehauen
Platz für die Landstraße.
Schroffe Flanke,
glatt wirkende Rauheit der Flächen.

Links in dem Felsenmassiv:
herausgesprengt mit gewaltigen Kräften
Platz für die ganze Breite
einer Autobahn.
Schroffe Felsmauer
neben dem Seitenstreifen,
hoch aufragend.

Der Torso, übriggeblieben,
turmhaft,
steht verloren
zwischen den Schneisen.

„Schweigen für den Frieden“*

Wichtig ist, dass wir hienieden
Mahnwachen halten für den Frieden:
Dass ein echter Friede werde:
„Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Erde“
**

*Ich erinnere auch an frühere Texte zum Thema: https://www.maierlyrik.de/blog/index.php?s=Schweigen

**Dies ist’s wofür wir „schweigen“ – in der Formulierung, die sich an das Motto des ‚Konziliaren Prozesses‚: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ anlehnt – bewusst schon damals bei der entsprechend dem konziliaren Prozess angestoßenen Neuorientierung des „Schweigens für den Frieden“ in Esslingen: nämlich in puncto Ökumene über die christliche Einschränkung hinauszugehen.

Zur Zeit sind wir zum Beispiel für die Gleichberechtigung der drei Themen über das Friedensthema im engeren Sinn hinausgehend freitags vor der Nikolauskapelle mit dem Thema „Kopfbahnhof Stuttgart“ statt „Stuttgart 21“ zu finden und rufen auf zu den Montagsdemonstrationen dazu in Stuttgart: https://www.kopfbahnhof-21.de/.

Zum anderen Beispiel werden wir leider noch genügend Gelegenheit haben: Endlich muss etwas Entscheidendes geschehen für den Frieden zwischen PalästinenserInnen und Israelis:

https://www.oikoumene.org/de/events-sections/aktionswoche-fuer-frieden/botschaft.html

Freiheit

Immer wieder ankommen
in den Vorhöfen des Tempelbezirks,
am Freiheitsbrunnen
sich die Füße waschen
und die Handgelenke
und träumen von Manna
und schwirrenden Entenbraten
aus Himmelsgefilden.

Und die einen erfahren
Erfüllung. Den andern
bleibt nur, was die Freiheit
einem jeden verheißt:
das Träumen
– solange die Freiheit
die Wohlhabenden
nicht verpflichtet
zu irgendetwas

außer der Verteidigung
ihrer Privilegien.

Paul Spinger hat mir zu diesem Gedicht ein bemerkenswertes Kommentargedicht geschickt:

Wir wissen wohl mit dem Verstand,
Es gibt gar kein Schlaraffenland,
Um Freiheit muss man streiten.
Doch merke ich an dem Gedicht,
Der Freiheitstempel ist sehr schlicht,
Heut wie in alten Zeiten.

Gebetsfahne im Wind

Aus Urzeiten heraus,
in Urzeiten hinein,
im Gleichgewicht
Atmen der Tiere und Pflanzen,
im Tanz der Mikroben und
der Kristalle.

Nano-Leben erblüht
in der Stadt-Architektur
und in den Tropfsteinhöhlen.
Ruinen erleben das Leben.

Erinnern, eräußern,
gerinnen und lösen,
aus sich heraus gehen,
sich äußern,
schöpferisch sterben
und leben,
außer sich sein.

Im Atmen sich äußern
und innern,
im Verschlingen und Schaffen
überleben.
Den Vertrag
werd ich gewahr.
Meinen Forderungen
kommt er entgegen.
Ich vertrau ihm.

Kain

Und willst Du nicht mein Diener sein,
dann schlag ich Dir den Schädel ein.
Ich tu´s vielleicht nur metaphorisch,
jedoch nicht minder effektorisch.

Über deine Verhältnisse lebst du;
da lass ich dich doch nicht in Ruh.
So sag ich schnell um Recht zu haben
und preise meine Rednergaben.

Oder ich nenn dich Kommunist,
der noch die Diktatur vermisst.
Da kann ich leicht dich richtig schneiden:
Du bist der Dümm´re von uns beiden.

Und nenne ich dich Terrorist ”“
Ob du das sicherlich auch bist,
das muss ich weiter nicht beweisen.
Jeder Esel lässt sich so abspeisen.

Und geht es wirklich dann um Geld,
ist´s um Ressourcen schlecht bestellt,
lass ich auch die Metapher weg
und schmeiß dich richtig in den Dreck.

Und Krieg ist dann, man kann es sehn,
ja keiner, wenn man´s so will drehn.
Und in der allergrößten Not
ist Krieg der Stunde doch Gebot.

Bundespräsident Köhler ist zurückgetreten

Ein Befürworter der militärischen Absicherung deutscher wirtschaftlicher Interessen ist zurückgetreten.

Ob er das getan hat, weil er dafür kritisiert worden ist, das gesagt zu haben – oder weil er das eigentlich nicht ganz so deutlich gesagt haben wollte:
das bleibt anscheinend offen.

Ich sage: Krieg ist nicht das Mittel für den Notfall. Krieg ist ein immer schrecklicher Notfall, der verhindert werden muss.

Siehe https://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE64U0EF20100531
und Paul Spingers Kommentargedicht.

Deutsches Stirb-und-werde – aus älterem Archiv von 2005

Seliges Sitzfleisch des Wartens.
Wer sind wir doch wieder!
Sind wir nicht von selber Geburt
wie die durch unsere Ahnen
Gedemütigten, Ermordeten?
Wie deren überlebenden Enkel?
Sitzen wir nicht im gleichen Boot
mit allen Menschen des Globus?

Das Glück der Schuldlosigkeit
holen die Hündchenhalter verhohlen
vom Baum des Vergessens.

Wessen Hündchen sind wir
und heulen dem neuerdings doch
verloren gegangenen Wohlergehen hinterher
und tanzen im Zirkus der gleichen
neuen Chancen?

Die weltweite Pest
des Gewinn-Glücks
reitet mit heiligmäßigem Harnisch:
Zwangsbruderschaft der Armen
mit den edlen Rittern
des Zinsertrags.

Den hellen Sammetpfötchen
der dunklen Tannenzweige
vergleichen wir unser Heute lieber
als mit dem Rauch der Vergasungsöfen:
Er kommt von selber,
der weltweite Wohlstand
nach der europäischen Seuche.

Naturgesetze machen wir
schon zu unsern Komplizen
und weggeworfene Scham
ist ja der Humus
des Baums des Vergessens.

Kühler Mai

Kühler Mai
über alle Maßen da
heuer gar nicht angenehm
leider wirklich ungeheuer
er verstört uns fast die Seele
raubt die Freude, trübt das Heil.
Macht jedoch, wie ich es seh,
alles wett mit ah und ü
in der grünen Fülle Druck.


(Zusätzliches) Rätsel: Wo hat sich die altsteinzeitliche „4“ verborgen?

(Ich bitte diesbezüglich um Kommentare ohne direkte Angabe der Lösung des Rätsels, sondern nur mit Hinweisen)
Ab jetzt (29.5. um 17.40) ist auch die genaue Lösung willkommen!
(Falls die nicht kommt, gibt’s die morgen von mir)

And the WINNER is: … BRIGITTE! Ja, die Lösung, die sie gibt, stimmt:
„dass man den Begriff ‚kühler Mai‘ insgeamt 4 mal zu lesen bekommt“: nämlich in der Überschrift, dann in der ersten Zeile und schließlich „vorne von oben nach unten und hinten von unten nach oben“.
Schon altsteinzeitlich ist die „4“, obwohl die Wissenschaft nicht unbedingt davon ausgeht, dass man in der Altsteinzeit schon auf drei oder sogar auf mehr zählen konnte (bildlich gesprochen) und das auch noch schriftlich!
Wenn man übrigens den Titel weglässt, ergibt sich die „3“.
Somit sind die altsteinzeitlich ‚modernen‘ Begriffe von „3“ und von „4“ für Zeit und Raum in meinem Gedicht so miteinander kombiniert wie oft in den Ritzungen in der Ile-de-France.

Dreieck-Viereck1

Dreieck-Viereck2

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