Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Die schönen Tage

… die schönen Tage von Aranjuez
„außerhalb gleichwelcher Aktualität“?
Träume, sind sie nicht realitätsgebunden?
Vorüber, vorüber?
Real ist der Wahnsinn?
Nein, wir sind
nicht vergebens hier gewesen.
Was geht zu Ende?
Und was beginnt?
Real ist der Traum.
Wie anders
sollten wir kämpfen
können?
Sire, geben sie
der Vernunft eine Chance!
Rodrigo klingt.
Imperative leben auf.

Woche der Entscheidung?

Angesichts der Ausstiegsspekulationen aus Stuttgart 21 (wegen der ständig steigenden Kosten), die bei der Bahn-Aufsichtsratssitzung am kommenden Mittwoch eine Rolle spielen, erinnere ich an meinen Beitrag „Ja, jetzt!“ vom Dienstag, dem 13. Dezember 2011 (https://www.maierlyrik.de/blog/2011/12/13/ja-jetzt/):

Nach Nein zum Ausstieg
kommt der Kosten-Tsunami.
Wer wollt´ es wissen?

Inzwischen ist nicht mehr auszuschließen, dass sogar die DB das vielleicht „wissen“ will.

Wintersonnwend-Trilogie

Damit bei allem Weihnachts- und Adventstrubel die Vorbereitung auf das alte Fest der Wintersonnwende nicht zu kurz kommen muss, hier die drei Gedichte dazu aus meiner alten Sammlung „Wintergedichte“ (https://www.maierlyrik.de/Wintergedichte.pdf):

Wandel

Weniger werden die Tage
des schwindenden Lichts.
Die Sanftheit des Dunkels,
die Wonne des Winterschlafs
wird schon gemindert.
Ein Neues wird kommen.
Genommen wird und gegeben.
Trauer ist ja ein Teil
jedes Wandels.

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,
wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:
wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,
dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Vom Dichten – eine weitere lyriktheoretische Kurzüberlegung

Ich glaube nicht, dass die dichtende Zunft Wirklichkeit verändern darf (und auch nicht will), wenn dabei eine Verfälschung der Wirklichkeit entsteht. “dicere”, von dem “Dichten” herkommt, deutet ja darauf hin, dass dabei etwas Wichtiges, Richtiges “gesagt” wird. Nur wer wirklich etwas zu sagen in der Lage ist, was Bestand hat, gehört zu den Dichterinnen und Dichtern. Es ist genau zu unterscheiden, inwiefern nur geschrieben oder gedichtet wird.
Das Verb “erdichten” dürfte also nicht benützt werden, wenn Wirklichkeit verfälscht, sondern wenn neue Wirklichkeit(en) geschaffen werden.

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