Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 150 von 301

Regt Euch auf!

Beim Prozess gegen Jesus vor dem Hohen Rat sollen Zeugen ihm vorgeworfen haben, sie hätten ihn sagen hören: „Ich werde diesen mit Händen erbauten Tempel abreißen und in drei Tagen einen neuen Tempel bauen, der nicht mit Händen gemacht ist“ (Mk 14,58). Jesus brauchte kein Internet, damit ihm Schlimmeres passierte als dem britischen Touristen, von dem Max Schrems, 25, Gründer der Organisation ‚Europe versus facebook‘ in der sonntaz vom 6./7. Juli berichtet:

„Hast du diese Woche Zeit zum Quatschen, bevor ich Amerika zerstöre? Kuss“, twitterte ein britischer Tourist vor einem geplanten Partytrip nach Los Angeles. Dort angekommen, wurden Leigh Van Bryan und eine mitreisende Freundin verhaftet, für zwölf Stunden festgehalten und ausgewiesen.

So weit aus jenem Bericht. Er hat mich sofort an obige Bibelstelle erinnert, aber auch daran, dass offenbar moderne Demokratien nahe dran sind in solche Zeiten abzurutschen. Möglicherweise hat Leigh das Verb „destroy“ benützt, was ich glatt mal mit „unsicher machen“ übersetzen würde: „Hast du diese Woche Zeit zum Quatschen, bevor ich Amerika unsicher mache? Kuss“ – so würde die Twittermeldung dann heißen.

Wie unsicher müssen sich moderne Demokratien fühlen, wenn sie so überreagieren wie in diesem Fall?

30 Jahre Ökumenische Friedensgruppe Esslingen

Die Ökumenische Friedensgruppe Esslingen ist Mitglied des Friedensbündnisses Esslingen. Sie hat 30 Jahre ihres Bestehens hinter sich. Das Friedensbündnis veröffentlicht auf seiner Webpräsenz ihre Presseerklärung, in welcher sie ihre Friedensgeschichte dieser 30 Jahre Revue passieren lässt:

30 Jahre Friedensgruppe in Esslingen

„Der Friede ist ein Baum, der eines langen Wachstums bedarf.“

Antoine de Saint – Exupéry

https://www.friedensbuendnis-esslingen.de/themen.html

Moderne Rechtsstaatlichkeit

Weltweit gilt nun:
Grundrechte einschränken
um Grundrechte zu schützen.
Böses gegen Böses.
Oh, wie homöopathisch!
Oh, wie empathisch,
dieses Einlullen
der Unbeteiligten,
die bei nichts beteiligt sind,
wenn es geht um Schutz der Rechte
freier Bürgerinnen und Bürger.
Ja, ja, die Unbeteiligten,
die Rechts mehr dulden als Links.
Eingelullt werden die,
denen Empörung zu weit geht,
durch Polizeikessel weit weg
gegen die Chaoten, die protestieren
gegen das Chaos der Justiz,
der Finanzjongleure,
der Medienmogule,
der Geldverschwender,
der Großprojektbesessenen,
der Beschwichtiger,
der Machterhalter,
denen Kritik gilt
als Feindschaft
gegen den Staat,
den bewahrenden,
den Ruhe bewahrenden
gegen den Sturm
des Protests.

Fliegender Wechsel

Die Jungen sind jetzt ausgeflogen.
Der Rosenbusch wird endlich nun beschnitten.
Jetzt stört”˜s die Alten nicht. So wird´s gepflogen.
Und neuen Rosenkindern wird inmitten
des wuchernden Gebüschs wie vorher jenen Amselküken
der Wachsimpuls gegeben, den sie brauchen.
Und ihnen soll der Freiraum auch genügen,
derweil die jungen Amseln nun von Zweig zu Zweig der Bäume krauchen
und immer noch die Schnäbel sperren,
damit die Alten sie noch füttern.
Meine Herren!
Dass die die Jungen auch an solchen fremden Orten wittern!
Ich staune, fange an, es zu begreifen,
wie Pläne der Natur fast wie von selber und alleine reifen.

V’rwirrong

Sich v´rzeehla
odder ebbas v´rzeehla;
nemme wissa weella,
ich´s so odder so;
mit manche Wehwehla
sich halt no
romschlaga miassa,
ogaddige Leit”˜ au griassa:
So isch´s halt mit d´r Zeit.
Na isch´s nemme weit
zom Schluss.
So an Schduss!

Konfusion

Von Autobauern
erwartet man nicht,
dass sie biologisch
Autos anbauen,
sondern dass sie
mehr für das Klima tun.

Sie sind ja keine
Autobauern,
sondern Autobauer.

Die Sage von der Zukunft

Die Zukunft, sagt man so,
lässt sich im Voraus nicht
so sicher wissen wie ,
was schon vergangen ist.

Die Zukunft lässt sich nicht
so einfach sagen.

Doch wer schrieb wohl
Geschichte, wie wir sie
aus Büchern kennen? Schrieben
wir sie selber oder wird sie uns
serviert von Medien (oder nicht),
wie sie von Mächtigen ersonnen?

Und wissen wir nicht besser,
als alle Journalisten von den
Tagen vorher wissen,
was morgen kommt
in unsrem kleinen Leben?

Wer hat den Überblick,
wer kann die Pläne besser
abschätzen, ob sie gelten
oder nicht, als wir?

Wir kennen unsren Trott
doch so genau, wir wissen,
wie wir halt uns einzustellen
haben auf jedes Morgen.

Gewiss, wir können Pläne ändern.
Und Pläne ändern sich von selbst.
Wir wissen dann: Wir sind so frei,
uns den Gegebenheiten anzupassen.

Wir wussten ganz bestimmt,
Italien werde uns
im Urlaub sehen.
Das Wetter brachte uns dazu,
uns lieber Frankreich auszusuchen.

Auch können wir aus der Geschichte
lernen, wie wir besser uns verhielten,
so dass die Zukunft leichter einzuschätzen
und zu bestimmen sei durch unser Wissen.

Doch wissen wir das Eig´ne nur
und nicht die objektive
Geschichte, die´s ja gar nicht gibt,
und auch die fremde Zukunft nicht,
auch wenn sie uns betrifft.

Nun muss ich zudem noch gestehen:
Oft will ich gar nicht wissen,
was auf mich zukommt, will
verschieben dieses Wissen,
das mich betrüben könnte,
mach die Augen zu, stecke
halt in den Sand den Kopf.

Zum Ende scheint mir,
hängt das Wissen
um Zukunft und Vergangenheit
nur davon ab, was uns
betrüben könnte, uns
die ganz Privaten und
die Mächtigen ganz gleichermaßen:

Das Wissen um Vergangenheit
und Zukunft ist nur davon bestimmt,
ob wir es wollen oder nicht;
und weil wir das nicht eingestehen
uns selber und den andern,
kennen wir Zukunft und Vergangenheit
beide nicht wirklich. Schade?

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑