Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Freie Presse

Es gäbe keine Mamageis.
Es gäb‘ nur die Papa-Variante.
Das ist genau das, was ich weiß.
Ob das der Pressezar auch kannte?

Ach, jedenfalls lässt er gern plappern.
Das ist durch Pressefreiheit ja gedeckt:
Er hält so manche Redaktion zum Affen.
Wer da nicht spurt, gilt ihm als Laffen.
Und so wem wird dann zugesteckt,
was nötig ist, um Menschen-Meinung frech zu kapern.

Und ihr, ihr glaubt, was die dann sagen?
Ihr meint, ihr müsst’s nicht hinterfragen?
Vergleiche zieht mit andren Medien
ihr doch und glaubt schon gar nicht jediem?

Doch was, wenn viele Pressezaren
den Markt beherrschen mit den Jahren?
Bestreiten werden sie bestimmt,
dass einer auch heraus sich nimmt,
die Journalisten ”“ s’ist zum Lachen –
zu Mamageis schließlich zu machen.
Denn unabhängig sind die doch
und Papageien nimmer noch.

Brigitte Büxel – sie ruhe in Frieden

Brigitte ist tot. Sie war und bleibt die personifizierte Repräsentanz von „Ohne Rüstung leben“ in Esslingen.
Und nicht nur damit eine Art Mutter unserer Friedensgruppe. Nun sei ihr die Ruhe beschieden, die sie verdient hat nach all dem Kümmern, das sie nie ganz losgelassen hatte.

Meine Utopie-Erklärung*

Sagst du: „Das ist nur Utopie“,
sagst du damit noch nicht:
„Das gibt es nie.“

Der Satz gewinnt ein anderes Gewicht,
wenn du dir klar machst,
“Ach, das gibt´s n o c h nicht“.

Vielleicht entdeckst du dann bei jenem „nur“:
Es gibt tatsächlich schon ”˜ne Spur!


(*Übrigens: „Erklärung“ kann im Englischen „explanation“ und „declaration“ bedeuten.)

Utopie

Eigentlich fürchtete ich nicht,
dass ich morgen schon sterben müsste.
Doch hätte ich so gerne noch miterlebt,

dass es im Vatikan doch noch
’nen verheirateten Papst gibt.

Viel lieber allerdings wäre mir zuvor,
wenn Juden und Palästinenser
in Frieden zusammenlebten.

Still-Leben

Still-Leben. Haha!
Propagandaworte
verstopfen die poetischen Poren.
Stillstand der Gedanken
und der Gefühle.
Bis der Kessel platzt
eines Tages.
Westbank und Gaza
sind auch Metaphern
für Unglaubliches,
menschenunwürdiges Verharren
im Zustopfen
des Notwendigen,
Not Wendenden
für weiteres Leben.

Was ist menschlich?
Was allzumenschlich
Egozentrisches,
nur aufs Überleben gerichtet
der nächsten 12 Stunden,
egal, wie es dann
weitergeht,
in welchem Desaster
für wen?

Irrwege

Wir verbergen das gebärende Dunkel.
Wir verbergen’s im gleißenden Licht.
Dieses Licht wird unheimlich stumpf.

Stumpfer und stumpfer unsere Gefühle.
Abgestumpft für das quirlige Sein.
Aufgeklärt wird da weniges.

Wir ersticken das Leben doch
in der Überfülle von Füllseln,
billig ja zu haben auf der Markthalde.

Diese Markthalde erstickt uns,
so dass wir luftschnappend abheben,
den Boden unter den Füßen verlieren.

Und gerade die, welche technisch erobern
die Tiefen aus Macht- und aus Geldgier,
haben ihn längst schon verloren.

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