Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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September-Gefühl

Die Zeitlang zwischen Grün und Gold,
wenn nichts entschieden ist und alles
gut schon vorbereitet fürs Endgültige:

Noch ist der Sommer da und dauert.
Schon färbt der Herbst die ersten Blätter.

Die Zeitlang zwischen Grün und Gold erinnert
an Wachstum und sattes Gedeihen,
an Sonne und an Regen auch.

Und schon lässt sie das Blätterfallen ahnen,
doch wartet sie vorher auf volles Fruchten

So viele Jahre eines Menschenlebens
bildet sie ab, zeigt ihnen ihre Fülle.

Demokratie?

Die da auch weiterhin sitzen
auf ihren komfortablen Stühlen,
weil wir zu dumm sind sie machen zu lassen,

brauchen sie wirklich unsre Stimmen
oder nur die bess’ren PR-Manager?

Haben sie Geld genug sie zu bezahlen,
haben sie unendlich mehr Chancen,
als wir sie wohl je bekommen.

Nein, die gleichen Personen sind’s nicht immer,
aber von der gleichen Kaste?

Kermits Weisheit

Kermits Weisheit:
Traue keinem,
der Mossadeqh heißt,
der Vertrauenswürdige,
und nicht deine Interessen
vertritt.

Besonders die Interessen
der Macht,
wenn finanzielle Gewinne
er dir raubt,
die du niemals verdient hast.

Stürze ihn.
Nenne ihn
undemokratisch,
unchristlich gar,
aufsässig
terroristisch
nicht so verstohlen
terroristisch,
wie du es bist,
du Ausbeuter!

Vertraue ihm nie,
denn dir kann man ja auch nicht
trauen, wenn du
allen das raubst,
was du meinst,
du brauchst es.

Und setze auf den Sonnenthron,
wen du willst,
aber nicht ihn,
dem das Volk vertraut,
das fremde,
der aber Deine Interessen
verletzt.

Crucial Identity Agents
lasse nur machen,
erst recht, wenn sie
Enkel sind eines
Präsidenten der USA
oder eines Bischofs
oder eines Demagogen
oder wem sonst
du vertrauen willst,
weil seine Interessen
übereinzustimmen scheinen
mit deinen.
Nur Kermit
müssen sie heißen,
damit sie sich rasch verlieben
können in die jeweils richtigen
neuen Verbündeten
in diesem Puppentheater!

Pech nur, dass die dann
sich als echte Terroristen
irgendwann
erweisen.

Aber wer kann
die Zukunft denn
wissen?

Falls jemand (noch) nicht mit meinem Text zurechtkommt, bitte ‚kermit‘ und ‚iran‘ in eine Suchmaschine eingeben und einen der ersten Links anklicken!

Noch eine Unterbrechung: Kommentar zu der Flüchtlings-Situation in Europa aus der Sicht der Theorie der Lyrik

In dem taz-Kommentar mit dem Titel „Europa schottet sich ab“ von Daniel Bax las ich heute (am 26.8.2015), dass der Konkurrent des französischen Präsidenten Hollande, Expräsident Nicolas Sarkozy, die Flüchtlingsströme kürzlich mit einem Rohrbruch verglichen habe. Da ginge es ja auch darum, das Wasser zu stoppen, statt es gleichmäßig in der Wohnung zu verteilen. Das gebe vermutlich – so der Kommentator sinngemäß – zum Beispiel die Stimmung in Frankreich wieder.

Offenbar zeigt das, wie die Äußerungen von Leuten wie Sarkozys literarisch (und nicht nur als solches) einzuschätzen sind: als Schund! Es scheint zwar auf den ersten Blick so, als könne er Metaphern durchaus benützen. Zwar sind diese aber in einer lyrischen Sprache dazu da, um (noch) nicht vorstellbare, gute Alternativen aufzeigende Welten zu schaffen – falls sie literarisch als anspruchsvoll gelten sollen; dieser Hassprediger jedoch benützt die Metaphern „Rohrbruch“ bzw. ‚Wasserströme‘ nicht etwa dazu, um den wahren Charakter des Flüchtlings-Daseins zu verdeutlichen oder gar eine Lösung dieses Existenzproblems der Flüchtlinge aufzuzeigen.

Nein, es geht ihm offenbar nur darum, die Menschen, die unter einem unsäglichen Schicksal leiden, auch noch zu verunglimpfen: als ob sie nur dazu daseien, um uns Schaden zuzufügen. Wer den Schaden habe, suggeriert dieser Misanthrop, sei selber ein Schädling, bedürfe also nicht der Hilfe, sondern müsse abgewehrt werden.

Will man seine Weltanschauung mit etwas vergleichen, fällt einem vielleicht wie mir nur die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber den Juden ein. Das also soll heutzutage national vertretbare Politik in einem europäischen Land sein? Nie und nimmer!

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