Vorsicht: Gedichte können eine neue Art zu denken verursachen.
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Dazu wollen gar zu gerne sie
uns bringen am Ende der Metaphern
dass wir freundlich gestehen:
unser poetisches Reich,
nicht sei’s von dieser Welt;
also müsse die Realität,
die todesschwangere,
nicht ihm sich unterwerfen.
Nein, nicht Unterwerfung
verlangt es,
sie wollen’s nicht hören;
auch verlangen will’s nicht,
die Ohren halten Politiker
trotzdem zu:
man verlangt ja so viel von ihnen.
Das ewige Leben empfangen
und Unmögliches doch
für möglich halten;
auch das woll’n sie nicht:
zu viel Anspruch hielten sie
nicht und nimmer mehr aus.
Und sie klatschen erfreut in die Hände,
geben wir’s zu: Es ist nur ein Lied.
Es sagt nicht, wie’s sein kann,
sondern nur, wie’s könnte,
wäre da die Realität nicht,
die unpoetische,
die sie als Dichtung wahrzunehmen
nur bereit sind
zwischen ihren Scheuklappen,
und nicht als Diktum,
obwohl diese beiden Zwillinge sind,
von derselben göttlichen Mutter,
der wohlmeinenden, gnädigen
Mutter.
Wollen wir diese verleugnen?
angela,
die bundeskanzlerin,
macht
ihr volk,
die deutschen,
zufrieden
angela
”¦………………………………
macht
”¦……….
”¦…………………..
zufrieden
”¦…………
”¦………………………………
macht
”¦……….
”¦……………………
”¦………….
Die mächtigsten Gesellschaften
dieser Erde und
ihre Trabanten mit
gigantischen Mitteln oder
Bakschischzuwendungen:
Brot und Spiele geben sie
als Kitt auseinanderlaufender
Möglichkeiten der Teilhabe
anstelle von friedlichem
Streit,
ja: Streit, dem
Lebenselixier
der Demokratie.
Die Mittel für diesen Streit;
sie lägen auf der Straße.
Aber jede ist ja blockiert
außer den kontrollierten
Datenautobahnen
und Vorzugs-Rennstrecken.
Wir haben das große Los gezogen,
meinen wir;
aber es ist das Ausweg-Los nicht;
es ist die Ausweglosigkeit.
angela,
die bundeskanzlerin,
macht
ihr volk,
die deutschen,
zufrieden
angela,
die bundeskanzlerin,
macht
ihr volk,
die deutschen,
zufrieden
angela,
die bundeskanzlerin,
macht
ihr volk,
die deutschen,
zufrieden
friedrich,
der ehemann,
macht
johanna,
seine frau,
glücklich
friedrich,
der ehemann,
macht
johanna,
seine frau,
glücklich
friedrich,
der ehemann,
macht
johanna,
seine frau,
glücklich
hans,
der pfleger,
macht
thomas,
den behinderten,
mobil
hans,
der pfleger,
macht
thomas,
den behinderten,
mobil
hans,
der pfleger,
macht
thomas,
den behinderten,
mobil
Über die Klippen
des Kapitalismus gesprungen;
ohne schwimmen zu können.
Wie anders würde ich
ein Held in mythischen Texten?
Unter den schattenspendenden
Stadtparkbäumen,
solange es sie noch gibt
vor den Investitionen
der Baumafia,
schlafe ich illegitim:
Ich sollte doch hinaus
ins Schlachtfeld
der Kapitalismuskritiker,
sollte hellwach
Prophetien verkündigen
vom bedingungslosen Grundeinkommen,
bezahlt von den überhöhten Gewinnen
der Geldscheffler.
Aber ich habe ja noch nicht
meinen Frühstückskaffee getrunken;
gerade mal bin ich geneigt,
mein Blog-Gewitter zu verbreiten,
das doch nur rieselt,
weil die Leute den amtlichen
Wetternachrichten
in den harmlosen Zeitungen
mehr glauben
als der Wahrheit.
Und mir fehlt der bissige
Postbriefträger,
der die Aufmerksamkeit
auf den Hund lenkt
und darauf,
wo er begraben ist.
Also drehe ich mich lieber wieder
um in meinem Bett
und schnarche
wie die Leute,
die mich nicht hören.
Aber dabei träume ich schlecht.
Ein Alp sitzt mir im Nacken.
Kennst Du seinen Namen
und seine Gesetze?

S’isch scho bald achde.
Wenn i jetzt wach werda däd,
kenndasch Du heiit an early-morning-Tee griaga!
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Weiße Rosen auch bei uns,
sind sie auch erst gelb gewesen.
Erst im Alter blühn sie so;
ehrfurchtheischend weiß geworden ”¦……