Lyrisches von Helmut Maier

Autor: Helmut Maier (Seite 3 von 9)

Es ist schrecklich

Es ist schrecklich
dass die Geiseln so im Fokus sind
und nicht die Menschen in Gaza

Ja die Menschen in Gaza:
unterernährt mindestens
ohne wirkliche Heimat
ins Nichts gestürzt
wo einmal ihr Zuhause war
aber das ist vorbei
Wer wird ihnen helfen
das alles wieder aufzubauen

 Wird das jemals möglich sein

Diese Woche

Diese Woche verspricht ja der Computer
mehr Silber am Himmel, wenn auch nicht Gold
Ist das nun der goldene Oktober
Ich glaube es gerne
Es gibt doch wenigstens ein paar Sonnenstunden
und das jeden Tag
und das mit ein wenig Wärme

Vergessen habe ich schon fast die große Demo in Stuttgart
zusammen mit der von Berlin
Was sind wir auch so vergesslich
und verdrängen so vieles
Das Weltweite lässt uns beinahe erstarren
Aber die Hoffnung stirbt wohl zuletzt

Im Herbst

Im Schneckentempo
habe ich mich an ihn gewöhnt
Noch ist er trübe


Doch morgen soll es ja schöner werden
Vielleicht gibt es ja blauen Himmel
und wärmere Temperaturen
Wie sehr wünsche ich sie mir

Auch innerlich ist es für mich so kalt
und der Schrecken – der dauernde –
fährt mir immer noch in die Glieder:
das Weltgeschehen ist so grässlich
und was tut die Bundesregierung

Ist sie so schwach wie es scheint
Das müsste doch nicht sein
Ich wünschte mir einen LöwenAufstand
Gaza ist doch so grässlich geworden
Nur MenschenUnheil ist zu sehen

Kann denn Israel tun was es will
Auch Unrecht das die Welt erkennen muss

Und wie viele Kriege laufen denn noch
Ist das nicht ungeheuerlich

Am 3. Oktober wollen wir
gemeinsam demonstrieren
in Berlin und in Stuttgart
Gott helfe uns
(wenn es ihn gibt)

neue texte

neue Texte will ich versuchen
sie könnten ohne Punkt und Komma auskommen
nur durch die eine Zeile
oder zwei könnten sie bestehen
auch ohne Großbuchstaben am Anfang der Zeilen
aber ist das nicht verwirrend
erkennt man gleich die Fragen

Bikernieki

Biķernieki
Suche im Internet nach Biķernieki.
Es ist ein Naherholungsgebiet Rigas.
Aber es ist mehr.
Suche nach 1941.
(Das ist mein Geburtsjahr)

Dorthin wurden viele Juden gebracht,
aus mehreren Gebieten Deutschlands.
Dort wurden sie erschossen.
Am Kriegsende „enterdet“.
So kann man heute nicht mehr alle
Leichen dort finden.

Und Letten wissen heute oft fast nichts
darüber.
Und ich wusste gar nichts davon,
als ich 1988 in Riga war.

August-Himmel

August-Himmel,
Blauer geht‘s kaum.
Und am Boden Wegwarten-Sterne.
Leuchtend wie am Anfang der Saison.

Die kühle Luft sorgt für Frische.
Es sieht so aus wie im August
normalerweise.
Von Klimawechsel keine Spur.
So liebe ich‘s nochmal.

Ach, wenn es doch so bliebe.
Wie dankbar wär‘ der Allerwelts-
Verbraucher, der langsame,
wie ich. Ich will es heute mal
nicht anders haben.

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