Meine Frau und ich haben in Aichwald
die Bläue des Himmels erlebt
Aber als sie nach Esslingen ins Tal fuhr
war plötzlich ein Nebelmeer um sie herum
und am Nachmittag war es auch oben wieder so grau
So grau ist es wieder
aber vielleicht ist es morgen wieder blau
Ich gebe die Hoffnung nicht auf
Es kann ja auch wieder sonnig werden.
Und irgendwann wird es ja auch wieder Frühling
Ach wie freue ich mich darauf
Falls es jemand
in den falschen Hals bekommen hat
Meine Gedichte waren manchmal vielleicht
zu traurig
Heute will ich dem trotzen
Ich will von azurblauem Wunder sprechen
von großartigen Ideen
Ich will den roten Diamanten springen lassen
Vom grünen Lebensgefühl
will ich mich ganz einnehmen lassen.
Und ich will es ganz auskosten:
Dieses Gefühl des endlichen Trotzes
Ich will brillante Meinungen loswerden:
Wir werden es schaffen
Wir werden die Welt verändern
Wir werden eine wunderbare Welt erleben
Jedenfalls will ich das alles glauben
Auch wenn es ganz anders aussieht in der Welt
Grau ist der Himmel
Wäre da nicht
das Hoffnungslicht in mir
Wehe, ich würde versinken
Grau ist die poltische Lage
Wäre da nicht
das immerwährende Hoffen
auf endliches Gutes
Blau muss es wieder werden
Wäre da nicht
die lange Zeit noch
bis alles besser werde
Fast zum Verzagen
Ein kleines Mädchen
das aus einem Auto
eingequetscht in Metall
auf der verunglückten Binnenflucht
allein mit seinen toten Eltern
die Notfallstelle anrief
dieses Mädchen aus Gaza
erst fünf Jahre alt
wurde vor Eintreffen
der alarmierten Hilfe
mit Tausenden von Schüssen
vom Panzer aus oder sonstwoher
doch getötet schließlich
Keine Nachricht darüber in den
israelischen Nachrichten
Ich habe gerade den Roman Beduinenmilch von Nirit Sommerfeld fertiggelesen. Ich muss sagen: So bewegt wie bei diesem Buch war ich selten, möglicherweise noch nie vorher.
Eine siebzehnjährige junge Frau reist nach Israel. Sie steht kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Sie ist, da ihre Eltern Israelis und Deutsche sind, auch mit einem israelischen und deutschen Pass ausgestattet.
Sie entscheidet sich schon ohne Wissen ihrer Eltern dafür, in Israel Soldatin zu werden.
Doch ihre grausigen Erfahrungen in Israel, die der Leserin oder dem Leser die ganze schlimme Geschichte Israels deutlich macht, bringen sie während ihres Aufenthaltes immer mehr zu dem Entschluss, eben nicht Soldatin zu werden, obwohl sie gerade durch ihre schönen und auch aufregenden Erfahrungen in Israel dieses Land immer mehr als ihre eigentliche Heimat empfindet – was sie ihren Eltern lange nicht mitzuteilen in der Lage ist.
Doch am Schluss kommt alles ganz anders, als sie es zunächst empfunden hat, und sie trifft eine andere Entscheidung als sie es selbst erwartet hatte.
Ein paar Winter ohne Schnee
und dann plötzlich eisiges Entsetzen
wenn es ein wenig Chaos gibt
Sind wir Winter ohne Schnee
schon gar nicht mehr gewohnt
Hat uns der Klimawechsel schon so im Griff
Statt dass wir uns freuen:
Es gibt noch einen Winter
Noch ist das Chaos nicht wirklich groß
Wenn wir mächtigen Männern (oder Frauen) ihre größten Ängste nehmen könnten, dann wäre das für sehr viele Untertanen eine Riesenerleichterung.
Wer kann dem Untäter noch Halt gebieten
in unserer Zeit
der doch so gute Argumente
sein eigen nennt
dass er alles verwirft
das uns heilig war
bis jetzt anscheinend noch
Tolstoi
Kant
und Jesus
ihre Worte gelten nichts mehr
heutzutage
Wer Macht hat
kann alles machen
heutzutage
Ohne Moral
ohne Gesetze
selbst ohne irgendwelche
wirklich guten Argumente
Wollten wir‘s ändern
müssten wohl wirklich alle Jugendlichen
den Wehrdienst endgültig ablehnen
total auf der ganzen Welt
Denn sonst bleibt nur die Macht
dass alles getan wird
was den Mächtigen gefällt
und nicht Frieden zu bewahren
Und wollen wir das wirklich?
Willkommen liebes neues Jahr
Und bleib gesegnet nun das alte
Was hilft‘s man muss dich erst mal lieben
Mach‘s bloß nicht schlechter als das alte
Bring Frieden mit und auch Glückseligkeit
Lass niemand dich zu stark beschimpfen
Lass wenigstens das Glück besser empfinden
Und lass nicht so viel Pech drin finden
Lass Edelsteine funkeln heller
Lass lauter Güte drin erblicken
lass uns zu uns und euch zu euch auch finden
und lass uns alle aneinander binden
Ich glaube fest – ich muss es wohl –
dies Jahr muss endlich Bessres bringen
es muss doch manches dieses Mal
doch besser uns gelingen.
So schönes Wetter heute
am kürzesten Tag heute
(wird er womöglich nicht:
eher später noch der kürzeste –
obwohl das gar nicht so klar ist)
Aber die Sonne dreht sich wieder
in unsere Richtung: nach Norden
Da leben ja wir
Und da werden die Tage
deshalb jetzt länger wieder
(wenn auch vielleicht nicht wirklich heute)
Trotzdem die große Freude
die übergroße, köstliche Freude
und so willkommen
du Sonne
du warme
du liebe – wirklich willkommen
(wenn vielleicht auch noch
kalte Winde blasen
werden)