Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Die Klimakatastrophe

Die Klimakatastrophe kommt auf uns zu
Sie wartet nicht darauf
dass wir uns vielleicht einmal
an sie erinnern und dann
erst etwas gegen sie unternehmen

Jetzt ist (vielleicht) noch Zeit
wenn wir jetzt etwas gegen sie tun
können wir (möglicherweise)
noch etwas erreichen Jetzt !!!

Jetzt !!!

———————————————

Dieser Text entstand nach der Lektüre von 2 Haikus von Petros (Wolfgang Schulze).

Über den Autor
  • Name: Wolfgang Schulze.
  • Herkunft/Heimat: Lebt in Norddeutschland, fühlt sich aber seiner Seelenheimat Kreta verbunden.
  • Stil: Schreibt Kurzgedichte im Stil japanischer Lyrik, Aphorismen, Wortspiele und Mundart-Poesie. [1]
Das Projekt
  • Webseite: Seine Hauptwerke und Texte sind auf blogpoesie.de zu finden.
  • Bücher: Er veröffentlichte unter anderem das Werk Blaublaue Küsse und beteiligte sich an Anthologien. [1]
Hier sind die 2 Haikus:
 
:
Unterm bunten Schirm.
Sommerregen, Pfützentanz,
Erzählt die Oma.
 
***
 
Außer Rand und Band.
Hitzewellen, Unwetter. –
Worte fehlen nicht.

Lüften

Lüften ist diese Woche in
Im Norden des Hauses ist’s kühler
Wir haben in der Nacht alles aufgemacht

Dann bläst es ordentlich durchs Haus
Und auch am Tag ist es im Schatten fein

Diesen Monat werde ich noch 85 Jahre alt

Diesen Monat werde ich noch 85 Jahre alt
Und ich bin seit letztem Monat schon 55 Jahre
verheiratet
Wie lange ich noch lebe
weiß ich nicht
Ich hoffe
noch eine Weile

Wenn nicht
dann ist es auch recht
Ich weiß nichts von einer Auferstehung
Ich glaube
es ist dann alles aus
Noch eine Weile
bleibe ich im Gedächtnis
von einer oder einem
Das war’s dann

Ich will ja nicht immer
weiter leben
Ich bin’s zufrieden
wie es kommt
Und ich weiß,
es wird gut so sein

Ich danke euch für eure Zuversicht
und ich teile sie
Diese Welt macht es ja leichter
sich von ihr zu verabschieden
Wenn da nicht unsere Enkelkinder wären
Für die wird es schwierig

Wenn

Wenn ich einmal sterbe
und nichts von mir bleibt übrig
dann habe ich vorher
nur die eine Sorge:
die Hoffnung stürbe mit mir

und das tut sie wohl
wenn nicht die eine oder der andere
von euch
vor allem von den Jüngeren
die Hoffnung bewahrte

wenigstens
für einige Zeit

Noch mehr Erinnerungen

… und dann darf und kann
ich nichts von alledem vergessen:
Wie wir einmal – ein einziges Mal
in Palästina und Israel waren
(auf einer Reise von Alsharq
durch Palästina und Israel)
und die grässlichste Erfahrung machten
in der heiligen Stadt Hebron

Da mussten wir durch einen dunklen Gang
mit Drehkreuz gesichert und mit persönlicher Kontrolle
wie bei einem Abflug mit dem Flugzeug
dorthin zum Grab der drei Erzväter Israels bzw.auch der Muslime
Abraham/Ibrahim (und für die Juden: Isaak und Jakob
und ihre Frauen Sara Rebekka und Lea) in der Mitte des Gebäudes
und Ismael wird auch mit dieser Stelle verbunden
die sich jeweils an der „Grenze“ zwischen einer israelischen
und einer Moschee-Seite befanden.

Und auf der Straße zu dieser war
kein Zugang für Palästinenser*innen.
Nur durch das Drehkreuz!
Und in der verbotenen Straße
mussten die (noch) palästinensischen Bewohner*innen
ihre Haustüre offen lassen,
damit jederzeit Soldaten das Haus stürmen konnten
Und vor dem Eingang in die Synagoge
war (für Deutsche – und Juden? – noch eine Kontrolle
und auf der anderen Seite des riesigen Gebäudes
war die muslimische Moschee mit einem extra Eingang

Und heute ist wahrscheinlich alles
noch viel, viel schlimmer!

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