Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 89 von 165)

Erbsenbrunnen

Erbsenbrunnen*

Köstliche Geräuschkulisse
von vier Mineralwasserstrahlen.
Sie plätschern ins Becken des Erbsenbrunnens.

So manche der Passanten genießen
das schwefelfreie (hier: Lebens-) Wasser.

*ein Janka


Am Erbsenbrunnen in Bad Cannstatt – eine Skizze von Anton Bantock

Neues

Sich besinnen
und rinnen
lassen die Gedanken,
sie erbitten und sich für sie bedanken.
Schwanken
und fest wieder stehn,
widerstehn
und sich gehen
lassen wieder.
Das gibt neue Lieder!

Jedesmal überraschend*

Sich Zeit zu nehmen zu schauen.
Wie sie ganz plötzlich sich entfalten!
Alle vier Blütenblätter zu einem Kelch.

Strahlend gelb leuchtend im Dunkeln.
Zeitrafferwunder der Nachtkerze.

*ein Janka

Petros hat daraus einen Tanka gemacht:

Zeit nehmen. Schauen
Wie sich sich jäh entfaltet.
Vier zu einem Kelch.

Strahlt leuchtend gelb im Dunkeln.
Stundenwunder Nachtkerze.

Empört Euch doch!

Der kleinste Schritt zum Guten hin
ergibt doch allemal mehr Sinn
als so ein Riesenschritt zum Bösen.
Vom Unheil kann der nicht erlösen.

Und willst du wissen,
was ist gut?
Bei dieser Frage packt mich Wut
Hast du denn keinerlei Gewissen? .

Du musst doch nur zum Nachbarn sehen.
Was ihm gut tut genau wie dir,
zeigt schon das Gute vor der Tür.
Dann lass es einfach so geschehen.

Da brauchst du doch keinen Experten.
S´ist sonnenklar, s´ist wunderbar,
s´ist offenbar, s´ist einfach wahr.
Da schwing doch nicht der Führung Gerten.

Den Führern trau ich nicht viel zu.
Die lassen dich niemals in Ruh.
Die folgen nur eig´nen Int´ressen,
an denen sie dein Handeln messen.

Tritt ihnen mutig doch entgegen,
lass sie dich nicht zu Boden legen,
indem sie Böses so verschleiern,
als sei es gut. Lass sie nicht feiern

den Sieg, als hätten sie nur Recht
(und was sie tun ist einfach schlecht).
Du wirst schon wissen, was zu tun.
Fang endlich an. Und tu es nun.

Brunis lyrische Antwort will ich Euch nicht vorenthalten:

oft liegt das Gute
sehr verborgen.
Kram nach ihm,
such es dir
ruf nach ihm

schrei laut,
erhebe
deine Stimme
damit sie Gutes
uns bringe

erkenne im
undurchdringlichen
Dschungel
der Obrigkeit,
wie wenig doch
diese
gescheit

Melancholische Gedanken nach wieder einem Lebensjahr

Der Zeiger, der die Zeit vertreibt,
der Mensch, der gern zu Hause bleibt,
der Dichter, der Gedichte schreibt,

sie alle, was bewegen sie?
Ein Ziel erreichen sie fast nie.

Die Zeit vergeht,
die Uhr, sie steht,
und manch so ein Gedicht verweht.

Was bleibt, ist kaum Erinnerung,
ist kaum für etwas Neues Dung.

Bleibt irgendwas Bedeutungsvolles?
Bleibt irgendwas so wirklich Tolles?

Ach, nichtig ist,
was übrig bleibt.
Nicht wichtig ist,
was er auch schreibt,

der Dichter.

Long Barrow

In der Erde geborgen.
Gesetzter Felsengang.
Lustvolle Rundungen.
Eingang und Ausgang.
Tod und Wiedergeburt.
Mutterleib. Urbild
der Basiliken. Geheimnis
des Ewigen im Wechsel.
Geleitete Willensbekundung.
Ich komme
zu mir
in der Göttin.

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