Beim Bau des Turmes von Babel
meinte man der Vernunft zu folgen.
Am Ende war es doch nur Verstiegenheit.
* ein Achtundzwanziger
Lyrisches von Helmut Maier
Beim Bau des Turmes von Babel
meinte man der Vernunft zu folgen.
Am Ende war es doch nur Verstiegenheit.
* ein Achtundzwanziger
Wozu taugt es,
viel Geld zu verdienen?
Taugt es dazu, eine ehrliche Haut zu sein
oder weiterhin sich
durchsetzen zu können?
Wozu taugt es,
sparsam zu sein?
Auf Genuss des Lebens
zu verzichten
oder das Leben der Menschheit
zu retten?
Wozu taugt es,
reinlich zu sein?
Bakterien und Viren
das Leben zu erschweren
oder sich abzugrenzen
von den Schmuddelkindern?
Wozu taugt es,
pünktlich zu sein?
Ein Schräubchen im Getriebe zu sein,
willfährig und willenlos,
und nirgends Sand im Getriebe
oder rechtzeitig das Richtige zu tun?
Wozu taugt es,
ordentlich zu sein?
Das Chaos zu vermeiden,
aus dem ein Stern geboren werden könnte,
oder das Zusammenleben
unterschiedlichster Menschen
zu gewährleisten, ohne dass es
Mord und Totschlag gibt?
Wozu taugt es fleißig zu sein?
Ziele anstreben zu können,
die den Menschen und Dir selber
ein besseres Leben ermöglichen,
oder Deine wahren Bedürfnisse
so lange hintenanzustellen,
bis Du Dich selber vergisst?
Bürgerlichkeit im Sinne
bürgerlicher Tugenden
kann diese Fragen
nicht lösen!
Emmer grade Linia ziaga,
i miaßt liaga,
macht mir net ällaweil Vergniaga.
A bissle gromm
isch au net domm
ond drom
goht´s manchmol andersrom
besser:
kesser.
Jedes irdische Wesen
hat seinen eigenen Tod.
Sehr verschieden sind die Boten,
in denen er sich zeigt.
Grausame gibt es und freundliche,
barmherzige und einschneidend
unerbittliche.
Bitte das ewige Wesen,
es möge Dir schicken
einen angenehmen, einen,
den Du annehmen kannst,
empfangen wie einen Gast,
einen lieben.
Bitte darum,
während du das noch kannst.
Mehr kannst
du nicht tun.
Siehst du: Blätter treiben im Fluss.
In der Schau nicht die Blätter sehen!
Lass Dich treiben mit ihnen und erkenne.
*ein Achtundzwanziger** als Kommentar zu Wortwaises/litterattes ( https://litteratte.wordpress.com/ ) „I follow rivers“ ( https://litteratte.wordpress.com/2012/09/07/1114/ )
und „zazen“ ( https://litteratte.wordpress.com/2012/06/06/zazen/ )
** https://www.maierlyrik.de/blog/der-dreizeiler-mit-dem-namen-achtundzwanziger/

Die Blätter fielen, fielen,
fielen weit.
Unkenntlich sind sie,
die Gesichter.
Gefallen vor der Zeit,
erstarrt in Kreisen,
in Stahl gehärtet
ohne Wiederkehr
in Fruchtbarkeit.
Werden sie doch erweckt?
Bei dem Stakkato
derer, die da heute
im Museum
über sie steigen?
*zur Installation „Schalachet“ (Fallendes Laub) von Menashe Kadishman (geb. 1932 in Tel Avav) ”“ im Jüdischen Museum in Berlin
Der ”“ damals ”“ real existierende
Sozialismus
hätte bei uns Schwaben
keine Chance gehabt:
Das hätten wir nicht geduldet,
dass die Spätzla
als „Sättigungsbeilage“
diskreditiert worden wären.
Kassiber aus dem Ungehörtwerden
herausschmuggeln können:
die Kunst des Aufbegehrens
gegenüber dem Defizit
an Freiheit der Vernunft.
Ausgetrickst
sind die aufklärerischen Worte,
immer sich empörende,
durch die Paste der Medienmogule.
Die schmieren sie aufs tägliche Brot
und verderben´s. Wie gut,
dass es Kassiber gibt
wenigstens.
Strahlend wie die Frühherbstsonne,
so rotdurchglüht nach außen weisend,
doch so wie selbstvergessen in sich ruhend.
Die Dahlie prangt im Glanz
der Herbstesfülle ganz.
*ein Janka: https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/
Ich fliege, die Gischt,
fliege empor in die höheren Lüfte.
Wie die Fische fliegen
in mir, dem Wasser.
Lufttröpfchen umarme ich,
forme bunte Bögen
mit dem gebrochenen Licht.
Verheißung:
Weit sichtbar verbreite ich,
was in mir steckt,
was ich mitnahm
aus anderen Gegenden.
Bis jeder, jedem,
die mich verstehen,
aufgeht das Licht,
einsichtig es wird,
was zu wissen es gilt.
Auf die Wasserfläche
tropfe ich wieder,
werfe um mich auf
perlenbesetzte Krönchen,
Krönung der Kraft
Wissen weitergeben zu können
ohne Verlust.
Ich bin ich, verändere mich,
um wieder ich zu sein.
Wolken trugen mich schon
und ich trage es weiter
mit mir und in mir,
was Pflanzen, Tiere
und Menschen bewegt
wie die Sandkörner, Samen,
die Früchte des Alles in Allem,
verändernd die Welt,
in die Form sie zu bringen,
die vorherbestimmte,
aus dem Chaos heraus
in neue, passende Ordnungen,
neues Wissen gebärend.
Ich, im ewigen Kreislauf,
vom Meer zum schwebenden Tropfen,
zum Fluss und zum Meer,
garantiere den ständigen Wechsel
im Selben der währenden Welt.
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