Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 85 von 165)

Berechtigte Hoffnung

Was alles trägt ein Jahr
auf schwachem Stängel
und welche Hoffnungsvielfalt
hält er der Sonne hin!
Er schwankt und doch
fürchtet er nicht
das Beben, das die Erdrinde durchzieht.
Er weiß, es kommt die Sense;
es kommt die Zeit,
wo alles abgelagert,
was er getragen und
fällt dann doch auf
fruchtbaren Mutterboden.
Die Blüten logen nicht
in ihrer selbstverliebten Schönheit.
Sie bringen irgendwann
auch Frucht und laben
unsre Sehnsucht
nach dem Leben
ganz.

Hier ist Brunis (https://www.wortbehagen.de/index.php) Begleittext (sehr lesenswert!):

Berechtigte Hoffnung

ja, sie ist sehr berechtigt,
sehen wir doch Jahr für Jahr
wie sie Früchte trägt
wie sie anfangs mutvoll
zu treiben beginnt
und nach und nach das
Erdreich durchdringt
kräftiger wird und
wohl genährt durch unsere
erdene Mutter letzt-
endlich freudevoll
zum Ernten taugt.

Ein Jahreslauf, in dem sie
auch schon wieder zum Ende hin
strebt, um nach dem wohlverdienten
Ruhen dann zur geeigneten
Zeit voller Geduld kraftvoll
(fast eintönig, wie eine immer
gleichklingende Melodie)
(wozu brauchen wir auch andere Töne)
von vorn zu beginnen.

Auf, auf! ”“ Ein Neujahrsaufruf

Auf, auf, hinein
ins volle Wustgetümmel:
Aufgaben warten schon;
der Lösung harrt der Himmel.
Wir werden´s seh´n,
das himmlische Erlösen.
Nicht soll´n wir untergeh´n
im Schlamm des kläglich Bösen.
Trittsteine warten,
die wir schon gesetzt.
Im heil´gen Wundergarten
wirst du mit Lab genetzt.
Auf, auf, hinaus!
Du darfst nicht länger weilen.
Es rufen dich mit Macht
nun dringlich diese Zeilen:

Auf, auf, hinan.
das Warten währt nicht lang.
Auf, auf, voran
und sei nicht länger bang.

Silvestergruß in zwei Variationen*

1. Geben wir ihm jetzt schon einmal,
dem neuen Jahr, dem unbefleckten,
doch einen Namen. Vielleicht hält es sich dran.

2. Geben wir ihm jetzt schon einmal,
dem neuen Jahr, dem unbefleckten,
doch einen Namen vielleicht. Hält es sich dran?

*jeweils ein Achtundzwanziger

Entschuldigung

Jetzt duat m´r´s abber leid,
dass mir des widder passiert isch:
S´isch m´r ned recht,
abber s´passiert m´r halt manchmol:
I v´rschwätz me halt gern,
i fend ganz leicht koi End,
oms Nomgucka
han i an Bledsenn rausg´schwätzt.
So isch´s halt.
Also nemmat m´r”˜s
ned iib´l.
Nex fir oguat!

Liebeslied

So viel weiß ich von dir,
dass du mir so vertraut bist,
dass es kann ewig dauern
mit uns zwein.

Wenig genug weiß ich von dir,
dass immer ein Geheimnis bleibt,
das mich fesselt an dich
für alle Zeit.

Langweilig wirst du mir nie,
fragwürdig wird es nie sein,
dass ich dich immer,
immer aufs Neue

begehre,
verehre,
die Schwere
und das Leichte,

beides hoffentlich nie
entbehre.

Unterwegs*

Heute heraus aus Esslingen,
die alte Reichsstadt durchs Tor hinaus,
auf die Vorstadtgasse, der Straße nach Wien

einst zum Herren, dem Kaiser, über Land.
Kurz danach im Württembergischen schon.

Auch auf den Schurwald rauf geht´s dort
vom Neckartal in Serpentinen.
Und da soll der nicht als Gebirge gelten?

*Janka plus Achtundzwanziger

Bestandsaufnahme mit Aussicht

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Ausnahmepresse lesen.
Jeden Freitag.
Lesen zum Beispiel
von unserer Art
Hausmeisterei:
Nicht Herren der Welt sein
wollen wir,
aber das Recht behaupten,
überall nach dem Rechten zu sehen.

Ich verstehe:
Nach außen hui
mit hässlicher Gewalt
(„Es ist heute kein Tabu mehr,
Waffen in Konfliktgebiete zu liefern“),
pfui im Innern
wie Stuttgart 21:
hypermodernes Prestige
hinkotzen.

Vielleicht tanz(e)ten wir
die richtigen Takte
nur im (gebremsten)
Gleichklang.

Die schönen Tage

… die schönen Tage von Aranjuez
„außerhalb gleichwelcher Aktualität“?
Träume, sind sie nicht realitätsgebunden?
Vorüber, vorüber?
Real ist der Wahnsinn?
Nein, wir sind
nicht vergebens hier gewesen.
Was geht zu Ende?
Und was beginnt?
Real ist der Traum.
Wie anders
sollten wir kämpfen
können?
Sire, geben sie
der Vernunft eine Chance!
Rodrigo klingt.
Imperative leben auf.

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