Auf TRAUER LEINEN
einen Spottvers geschrieben
auf Boccherini.
Affekte und Leidenschaft?
Gar kein Vergleich mit Mozart!
Lyrisches von Helmut Maier
Auf TRAUER LEINEN
einen Spottvers geschrieben
auf Boccherini.
Affekte und Leidenschaft?
Gar kein Vergleich mit Mozart!
Eintauchen ins Tal.
Blick in die Zukunft
auf dem windumtosten Schurwald.
Hier blüht er schon voll,
der Forsythien-Strauch.
Noch ein wenig Zeit
lässt er sich dort.
Die Wonne aber
genieß‘ ich schon jetzt.
Und morgen
regnet es sowieso.
Einerlei ist dann alles.
Preisgegeben sind wir der Natur,
preisgegeben den unvorhergesehenen Stürmen,
preisgegeben den Erdbeben, den Vulkanausbrüchen,
preisgegeben den unbeherrschbaren Viren,
preisgegeben unseren Launen: uns.
Preisgegeben bin ich dir,
kann mir mein Leben ohne dich
nicht mehr vorstellen,
würde verkümmern, eingehen, absterben.
Den Preis gegeben dir möchte ich haben,
den höchsten Preis, dessen Vergabe
mir möglich ist:
Bist du mir preisgegeben,
meinen Launen, meiner Hilfe, meiner Liebe,
die Sicherheit, dass ich es nie
ausnützen werde, will ich dir geben.
Preisgegeben seien wir uns
oder geschenkt einander oder
zueinander gesellt durch ein Schicksal,
das wir nicht verstehen können,
noch wirklich kennen,
aber erleben können
in unseren Umarmungen,
unseren Küssen, unserer Liebe.
Einen Preis hat verdient
diese Liebe,
sie lässt uns leben.
Einen Preis hat verdient
dieses Leben,
Einen Preis hat verdient
die Natur,
die uns dieses Leben geschenkt.
Den Preis gegeben möchte ich haben ihr,
den höchsten, den wir zu vergeben haben:
das Versprechen, dass wir nie
es ausnützen wollen,
wenn durch unser Bewusstsein
preisgegeben ist uns die Natur,
die wir lieben, sind wir auch
preisgegeben ihr, uns,
preisgegeben einander,
um uns zu wahren.
Ich möchte mir die Anstrengung gönnen,
meine Flügel zu bewegen.
Sind sie nicht mindestens so wirksam
wie die Schmetterlingsflügel,
die einen Orkan zu entfesseln
in der Lage sind?
Chaos, ich leite dich.
Du aber lässt dir den Weg nicht vorschreiben,
nur dich bitten.
Und so bewege ich doch
möglichst die Flügel
immer aufs neue.
Im Nebel des Bergischen Landes
ragen Höhen empor.
Klänge aus uralten Zeiten
dringen bis an mein Ohr.
Vom Rennenburgischen Bergsporn vielleicht
nahmen Kelten mit die Kunde
vom altehrwürdig ewigen Gral,
getragen von manchem Munde
in neues keltisches Land
im Westen und schlug dort
vielleicht Wurzeln am Rande
des Meeres, des mächt’gen,
in Mären, den nächt’gen,
und fand dann Gehör
in den Ohren der suchenden Menschen;
die fanden Gefallen wohl
an der Fama von der Heilkraft,
die böte der Gral
allemal.
Ich lag wie Leonardo,
die Augen bereits geöffnet,
am früher gewordenen Morgen
der neuen, vielversprechenden Zeit,
erwacht von Traumwahrheiten
des gewöhnlich gewordenen Machtwahns,
und fand erstaunt keinen Laut
um mich wandern,
dass irgendwer von den Oberen
auch schon erwacht sei.
Es blüht in unsrem Gärtchen schon
das allererste Schlüsselblümchen.
Die Märzenbecher läuten ein Willkommen.
*ein Achtuzndzwanziger
Die Wanduhr mit dem Big-Ben-Klang:
Repariert im Auto transportiert.
Straßenschäden lassen Klangstäbe schwingen.
*ein Achtundzwanziger

Der braunen Geästegrafik
das Blaugold des Himmels unterlegt
Frühling schon vor dem offiziellen Termin.
*ein Achtundzwanziger
Der Volkstribun auf der Tribüne,
getrieben wie eine Turbine,
schimpft gegen alles Hergewander.
Er kennt halt gar kein Miteinander
mit Menschen, die von anderswo.
So ein Gefühl macht ihn nicht froh.
So wählt das Volk ihn auf der Stelle
schlicht ab. Das ist doch clever. Gelle?
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