Hab meine Worte verloren.
Ich weiß wirklich nicht, ob es sich lohnt,
sie dort noch hinter den Bergen zu suchen.
Dort, wo man das Echo noch hört.
Dort, wo ihr Rot immer noch glimmt.
*ein Janka
Lyrisches von Helmut Maier
Hab meine Worte verloren.
Ich weiß wirklich nicht, ob es sich lohnt,
sie dort noch hinter den Bergen zu suchen.
Dort, wo man das Echo noch hört.
Dort, wo ihr Rot immer noch glimmt.
*ein Janka
Ein mächt’ger Kirschbaum und dabei
ein kleiner Birnbaum und die blühten.
Sie blühten um die nicht entschied’ne Wette.
Worin die Wette denn bestand?
Die Blüher kennen so was nicht.
*ein Janka
Die Bärenkräfte lassen nach,
sehe ich mir die Welt an,
wie sie geworden ist:
trist.
Ein Bär aber
bleibt doch ein Bär.
Außer er wird ein Prinz
und kann noch mehr bewirken.
Und ihr haltet mich ja
am Leben
und zeigt mir
mit eurem Mut,
ihr Aktiven,
ihr friedlichen Kämpferinnen
und Kämpfer,
ihr, die ihr durchhaltet:
Du auch kannst Kräfte
mobilisieren.
Welche Lasten
kann ein Bär doch tragen,
to bear doch das Schicksal,
vielleicht das Ergebnis
der Mühe
nicht mehr zu sehen,
aber zu wissen:
Es lohnt sich.
Das Frühlingsgezweig der Bäume:
mehr und mehr wird es kecklich umtupft
mit einem Aquarell aus duftigem Grün.
*ein Achtundzwanziger

Der Hohenasperg: meist sichtbar
vom Karlstein oder Kernenturm aus.
Doch zur Zeit verbirgt ihn der Saharastaub.
So verschwimmt schon das getreue Gedenken
an den Remstalrebellen und an Schubart.
*ein Janka
Die Stufen hinan
und dann
wieder zurück in Talgefilde.
Auf und ab,
ab und auf.
Velocipedenhaft
stürze ich mich
beflügelt hinab ins Filstal,
schreibe Gedichte in mein Hirn,
lerne sie auswendig.
Dort dann
schreibe ich sie
auf beliebige Zettel.
Später am Tag
keuche ich wieder hinauf
auf den Schurwald
und bring sie in Schönschrift.
Heute weiß ich nicht,
soll ich unten
dem blühenden Wiesengrund
meine Aufmerksamkeit schenken
oder mich ganz verlieren im Blau
da oben.
Oben und unten,
wo hält es mich länger,
wo werde ich festgehalten
für lange?
Zielgerichtet
in die eine oder andere Richtung
mich stürzen,
ich kann’s nicht auf Dauer
und ob ich’s schon wollte.
Erklimmen die Höhe,
mich verlieren im Tiefen,
will ich doch beides.
Gewiss ist mir gar nicht,
wo ich lande
am letzten Tag.
Rot und grün leuchten sie munter,
die Frühlingsblätter am Rosenstrauch:
frisch herausgesprossen aus kahlem Gezweig.
*ein Achtundzwanziger
Ach, Gehorsam sollten wir lernen
im Paradies.
Nicht zu uns selber kommen,
sondern zum Vater.
Wollte die Schlange
uns ebenfalls zähmen?
Eva befreite uns.
Manche Mühsal
nahmen wir auf uns.
„Empört euch“
kostet uns schon etwas.
Geerdet kamen dem wahren
Paradies wir aber
immer näher,
solange wir uns
kümmerten umeinander.
Schimärenzüchter:
Geflissentlich überzeugen sie
mit Höllengetöse.
Das brauchen sie
als Unterwelt-Diener.
Besessene sind sie,
verpflichtet der Angst
vor dem Vergehen ins Nichts.
Bleiben wir hängen
auf leimbeschmierten Straßen
ins Hoffnungsvolle?
Glauben wir, dass es das gibt:
löwenhafte Gesinnung,
verbunden mit zickigem Getue
in gespaltener Rede?
Lassen wir uns einschüchtern
durch pseudoreligiöses Gehabe?
Schwer wiegt die Sorge
um Verlust an Erfolg,
um Strafe für nicht gewagte Versprechen.
Ach, ein Paradies
können wir niemals bieten,
aber Redlichkeit bleibe die Richtschnur
beharrlich,
auch wenn die Erben des Typhongeschlechts
verwirrende Sprachen erfinden
und Muster.
Auch wenn in Echidnas Manier
schöne Augen zu machen
sie sich mühen.
Ohne Beharrlichkeit können vor ihnen
wir uns nicht retten.
Wahrheit:
durchschaubar nicht,
aber erkennbar;
Bedingungen klar,
aber keine Dogmen;
Verzicht auf Krieg
gibt definitiv die delikatere Sauce
als der Bombenabwurf:
Blut ist eben nicht nur süß;
bitter der tödliche Nachgeschmack.
Der Wählerwille
ist unbekannt, erst recht
nach der Stimmenauszählung.
Konfusion:
Ergebnis der Klärung
durch ein Gemisch
aus Regeln und
regelmäßigen
unvorhergesehenen
Empfindlichkeiten.
Endlos aufschieben
lassen Entscheidungen sich selten.
Aber Verstörung
lässt sich oft nicht
vermeiden.
Liebe ist nicht immer
eindeutig beweisbar.
Magie mag vieles da ändern,
beweisen lässt sich durch sie
gar nichts.
Hass: oft der Liebe so nah;
oft aber ihr Tod.
Was wissen wir schon,
bevor wir’s erfahren?
Feindschaft oder Kooperation:
keine unauflöslichen Gegensätze.
Das Nordlicht verbindet
alle Farben des Unerfindlichen.
Die Himmelbläue
lässt sterben und leben.
Auf nichts ist Verlass
in der Verlassenheit.
Aber glückliche Fügung
lässt sich erkennen.
Die Blüte, wie sehr
bewundern wir sie am Ende.
Nur die Zeit bis dahin
ist manchmal unglaublich lang.
Gut ist’s
die Magie zu üben.
Worte sind doch genügend
vorhanden
und Laute
und Konnotationen,
manches Mal ja auch Reime,
und Herzblut als Kleister
des Unwahrscheinlichen,
das uns schließlich begeistert.
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