Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 39 von 165)

Frühsommer in der Provence

Noch bevor es richtig Sommer wird
(gewiss ist es sommerlich hier,
dieses Himmelfahrtsfest in der Provence),
lösen sich hier und da
gelbe Blättchen aus dem grünen Gezweig
der luftigen Akazien heraus
und segeln herab zur Erde.

Ganze Schwärme werden’s mitunter,
jagt durch die Luft sie
eine stärkere Brise.
Der Schmetterling darin
fällt fast nicht auf …

Brittas Tselan

Was verlangt Paul Celan uns ab?
Uns zu verjuden?
Mit ähnlichem Recht müsste es heißen:
Werdet Syrer!
Werdet Somalis!
Werdet Eritreer!
Werdet Afghanen!
Werdet Nafris!
Werdet Schwarzafrikaner!
Werdet Palästinenser!
Werdet Asylanten!
Werdet Demokraten,
Freunde der Republik!
Bleibet nicht deutsch
nur!
Auf keinen Fall: nur!
Auf keinen Fall Juden
nur! Aber:
Freunde der Juden,
niemals ihre Feinde.

Werdet Mensch!
Wie Celan Verjudung
verstand –
ohne Judentum,
nein:
human und
im Leben
mit Gedichten.

Sollte es heute
mehr humane Gedichte
geben
als zu Celans Zeit,
wie glücklich wären wir da.

Wasserwege

Erlenbestanden hier und dort
die Ufer derWasserwege,
die hineilen zu den Meeren
aus den Alpen heraus
gleitend und rauschend,
gemächlich fließend
oder heftig tosend,
ihre Fracht verteilend
in alle Himmelsrichtungen.

Vielen Völkern begegnen
die Flüsse und Ströme,
doch jene, sind sie bewusst sich,
dass sie alle eingebunden sind
in das gleiche Muster
gemeinsamer Herkunft
und dem Auftrag gemeinsam
Empfangenes weiterzugeben
und den ewigen Kreislauf
mitzutragen, solange es ihn
in Stetigkeit gibt.

Provence*

Täglich wechselnder Metallglanz
am Westhimmel in der Provence.
Wie viele Winde kannte denn der Daudet?

*ein Achtundzwanziger

Patriotismus

Die Patriotisten
sprechen offen sich aus
für Remigration
in ruhigem Ton.

Wissen die denn,
wie die Weißen in
Amerika und Australien
zum Beispiel
fürchten,
dass die Ureinwohner dort
diese Forderung
zu übernehmen
bereit sein könnten?

Fuchs und Rabe*

Fuchs und Rabe, wie fabelhaft?
Was lernen wir von dieser Fabel?
Keines von beiden würde ich sehr loben.

Auf Dauer hilft weder Schlauheit noch Dummheit.
America first ”“ kein Gewinn für das Land!

*ein Janka

Eingebettet

Eingebettet bin ich
in Geschichte und Zukunft.
Jetzt gerade blitzt ein Licht auf,
wiedergegeben von einem Kratzer
in meiner ansonsten glatten Bergkristall-Fläche.
Es kommt von weit her
und macht Farbe aus Weiß.

Wie viele gingen mir voran
und wie viele mögen mir folgen.
Wie viele Worte aus vergangenen Zeiten,
aufgesogen habe ich sie.
Worte gebe ich weiter.
Vielleicht ja
fallen einige davon
auch auf fruchtbaren Boden.

Eingebettet bin ich
ins Nehmen und Geben,
ins Empfangen und Zeugen,
ins vergangene Leben
und vielleicht noch in zukünftiges.
Und welche Spuren
von mir noch bleiben,
eigentlich wäre es gleichgültig geradezu,
wäre es nicht gesegnet
von der Mutter des Seins.

Heute ist der Geburtstag von Sophie Scholl

Der Geburtstag von Sophie Scholl heute sollte uns ein Hoffnungszeichen dafür sein, dass nicht das Immer-mehr an Bedeutung nationalen oder kapitalistischen Machtstrebens die Oberhand gewinnen darf – und wird, sondern ein gerechtes System von Geben und Nehmen seinen Platz findet.

Der Frühling zeigt es uns doch eigentlich: So wunderbar ist das Wachsen und Gedeihen, das nicht auf Unendlichkeit angelegt ist, sondern auf einem wundersamen Kreislauf beruht, der Glück bringt, aber nicht die Überwucherung von allem.

Sophie Scholl hat ihr Leben allerdings viel zu früh aufgeben müssen. Sie wäre heute 96 Jahre alt geworden. Das läge ja immer noch im Bereich des Möglichen.

Lasst mich dem ein paar Zeilen anfügen:

Die Weiße Rose trägt die Hoffnung in die Welt:
Nicht Volk und Rasse macht den Wert,
nicht Eitelkeit und Dünkel, nicht das große Geld.
Das Wachsen und Gedeihen im rechten Maße sei geehrt!

Kunst und Glück

Die Menschen, sie verzückt Musik.
Sie spüren Glück, wenn sie ertönt.
Doch wenn das Ohr, geöffnet für das Glück,
erschlafft, weil es an sie sich hat gewöhnt?

Der Dichter braucht den Klang der Worte:
erlauscht er ihn, kommt die Musik in seinen Sinn
und öffnet wieder jene Pforte,
die ihn hinführt zum Glücksgewinn.

Die Malerin verteilt der Farben Glanz
lässt sie den Reigen größter Freude tanzen
und die Musik erklingt im Ganzen,
allen steht vor den Augen nun des Glückes Tanz.

So hat ein jedes seine Gabe,
wie es das Glück bescheret seinen Lieben.
Und wenn ich solche Gabe habe,
kann ich nicht anders als sie üben!

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