Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 33 von 165)

Göttlich

Göttlich ist nicht wie Gott allein;
göttlich ist der Ursprung des Lebensodems,
die Ruach, die Schöpferin allen Lebens;
göttlich sind Menschen, die Göttliches
uns aufscheinen lassen, fassbar machen,
anschaubar zu werden vermögen;
göttlich ist Gesang, Schönheit und Liebe.

Die alten Völker fassten dies alles
in anschauliche Götterfiguren.
Damit vermieden sie unheilstiftendes
Herrschergebaren, das nichts mehr
gelten ließ, als was als Befehl die Menschen erreichte.

Wo Dogmen aufgestellt wurden,
verschwand das Göttliche im Eiskalten
einer patriarchalen Gottesfigur,
neben der nichts Göttliches sonst
Platz hatte neben dem Alleinherrscher des Himmels.

Göttlich soll Göttinnen und Götter bezeichnen,
nicht Götter allein oder Gott.
Vielleicht brauchen wir ein neues Wort,
um es unzweideutig ausdrücken zu können
in Zukunft.

Hoffnung auf Vernunft

Wie wunderbar: global
kann diese Hoffnung werden:
Global das Drängen
nach neuer Aufklärungsphilosophie.
Dies Drängen, diese Hoffnung
stärker sind sie als jede Unterdrückung:
Wie kann Vernunft, die sich nun speist
aus edlem Menschenwollen,
endlich Gerechigkeit zu etablieren,
durch Kerker und durch Mauern
ewig mundtot gemacht
und je nun zu verstummen
gebracht noch werden
durch ödes Herrschaftsgebaren?
Wir werden frei sein wie schon Menschen waren,
die kühn die Knechtschaft überwanden.
Wir wollen trauen endlich auf Vernunft
und uns nicht fürchten vor der Kraft von Dogmen.

Sehr angerührt hatte mich unter anderem ein Post von Barbara Naziri auf Facebook: https://www.facebook.com/BlackBary/posts/1675842335805241?comment_id=1676009355788539&reply_comment_id=1676071949115613&notif_id=1515161901336550&notif_t=feed_comment_reply&hc_location=ufi

Drogengleich vernebelnd

Drogengleich vernebelnd
überkommt uns zu gewissen Daten
so etwas wie Weinseligkeit ohne Wein,
Heimweh, ohne in der Fremde zu sein,
Sinnsuche, die dieser widersprüchliche Wein
uns verschleiert, verdirbt, unmöglich macht,
anstatt dass wir in heiliger Nüchternheit
wahren Gefühlen Raum endlich gäben.

Wann haben wir letztens Sternschnuppen gesehen,
wann den köstlichen Reden kleiner Kinder zugehört
und unsere Weisheit damit gestärkt,
und damit in der Lage waren,
die Bedürfnisse anderer Menschen
wenigstens ernstzunehmen?

Frieden machen?

Wir dürfen keinen Frieden machen,
keinerlei Frieden
mit dem Unfrieden.

Krieg ist Unfrieden.
Aber nicht nur der Krieg,
auch Unterdrückung,
auch Ungerechtigkeit,
auch die Zerstörung der Lebenswelt
vieler Menschen
oder sogar aller.
Auch die unfriedliche Bekämpfung
des Krieges
ist Krieg,
ist Unfrieden pur.

Aber wir dürfen Unfrieden nicht dulden,
schon gar nicht in Kauf nehmen,
schon gar nicht befördern,
schon gar nicht bewirken,
schon gar nicht anstreben.

Frieden soll sein,
der dem Unfrieden den Boden entzieht,
der uns stark macht
gegen die Verheißungen
des Unfriedens,
gegen die Verharmlosung
des Unfriedens,
gegen die Eliminierung
des Bewusstseins,
dass Unfrieden gefährlicher ist
sogar noch
als romantische Kriegsgelüste,
weil es doch
immer schon Kriege gegeben habe
und die Ungleichheit
des Lebensrechts
von Menschen
unterschiedlicher Völker
und Klassen
und den Mangel an
Verantwortung und Güte
gegenüber allen Menschen in Not.

So dumm können wir
ernsthaft nicht sein,
dass wir nicht erkennen, wohin
die Herrschaft der Menschen
über andere Menschen,
die Herrschaft über die Natur,
die Herrschaft über die Logik
uns schließlich führt,
führen muss.

Bestimmt nicht
zum Frieden
und bestimmt nicht
zum Verschwinden
des Unfriedens
und niemals
zum Glück;
aber ganz sicher
am Ende
zum Ende der Menschheit.

Der Preis

Der Preis für das hohe Alter,
das lange Leben:
die heiligen Orte,
wo die Ressourcen schlummerten.
Sie werden verbraucht.

Der Preis für den Verbrauch
der Ressourcen:
die heilenden Kräfte
der Mutter Erde
verschwinden.

Wir machen das alles selber,
bis alle heiligen Orte,
alle heilenden Kräfte,
alle Ressourcen
für die Machermenschen
dahin sind.

Manchmal

Manchmal höre ich,
was ich erwarte,
dass es geschieht.
Manchmal höre ich,
was ich mir wünsche,
dass es geschieht.
Manchmal höre ich,
was ich befürchte,
dass es geschieht.
Schritte auf den Treppenstufen
zum Beispiel.
Und nichts davon geschieht
wirklich.

Aber es wirkt
tatsächlich.

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