Es gibt gute und böse Opposition.
Aber nicht so vollständig gute.
Und wohl auch nicht so ganz böse.
*ein reziproker Achtundzwanziger
Lyrisches von Helmut Maier
Es gibt gute und böse Opposition.
Aber nicht so vollständig gute.
Und wohl auch nicht so ganz böse.
*ein reziproker Achtundzwanziger
Es gibt gute und böse Menschen. Bestimmt!
Aber nicht so vollständig gute.
Und wohl auch nicht so ganz böse.
*ein reziproker Achtundzwanziger
Woher kommt wohl nur das Gefühl:
Sie versuchen herauszufinden,
wie weit kann man ohne Deklassement gehen?
Von den deutschen Regierungen spreche ich.
Tut sich denn nicht jede mehr damit hervor?
Tut sich nicht deutlich schon mancher von ihnen
deutschtümelnd, militaristisch gar
und Arme verachtend hervor?
Wenn noch die liebe Amsel singt
geb doch die Hoffnung niemals ich auf.
die auch der nächsten Generation ich gönn‘
Ein Ministerpräsident grünen Zuschnitts
(man könnte meinen, es sei nur ein Witz)
wirft dem Volk begangene Fehler nun vor
(wehrt sich selbst aber nicht, der Tor:
über ihn sei’s gekommen als Blitz!).
u n d
Wir sitzen im selben Boot.
Mindestens.
Wir haben alle,
ob Amerikaner,
ob Ungarn,
ob Deutsche,
ob wer weiß noch,
die gleichen Ideen:
Wir sind auserwählt.
Wir sind vernünftiger.
Wir haben immer Recht.
Uns steht der Reichtum zu,
den wir haben.
Und wenn wir ihn nicht haben,
ist das nicht die Schuld
unserer eigenen Regierung,
sondern all der Menschen,
die uns keinen Reichtum gönnen
oder die meinen
uns die Teilhabe am Reichtum
vermasseln zu müssen.
Es sind immer die andern,
die Unterentwickelten,
die Fremden,
die Nichtdeutschen,
Personen,
die anderen Religionen anhängen
oder die unsere Gesinnung nicht teilen,
unsere Moralvorstellungen missachten,
die nicht einverstanden sind
mit der Vorstellung,
jeder sei seines Glückes Schmied,
wenn man ihn ließe.
So sitzen wir wohl alle
in der gleichen Scheiße.
Die Allee in Tel Aviv.
Strahlende Sonneninseln im Grün
der Baumreihen heute.
Ort der Hoffnung auf Neues.
Wo das Uralte gefunden werden sollte.
Altneuland.
Fußgänger in der Mitte.
Auf dem Weg in das Leben.
Pulsierender Verkehr rechts und links.
Alles muss laufen.
Irgendwie.
Weit weg ist die Wüste
der Eremiten,
der Verfemten,
der Unterjochten.
Hier sind die frei,
die in der Unterjochung
unter das Unterjochen
unterjocht sind,
meinen sie.
Wie können sie sich
wahrhaftig befreien?
Sie funkelt, die Welt,
sprüht Möglichkeiten des Lebens
oder des Todes.
Du kannst wählen:
Stellst du dich
den Todesstrahlen in den Weg,
wenn es zumutbar ist,
und hinderst ihren Lauf
oder
befeuerst du
die Lichtbahn der Alternativen,
die leben lassen
und schenken.
Es gibt immer Alternativen,
gute und schlechte.
Du bist aufgerufen
zu wählen.
Achtung, Achtung,
die Polizei warnt vor
unerlaubtem Einbruch der Kälte.
Es wird gebeten,
die Einsatzkräfte gegen den Wärmeraub
nicht zu behindern!
Wir haben uns an sie gewöhnt,
die Sonne, wie sie scheint im Sommer.
Im Winter schwindet fast der Glaube an sie.
Fehlende Tugenden: Kleingläubig
halten wir sie nicht für möglich mehr.
*ein Janka
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