Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 163 von 165)

Spitzengeschäfte

Dialog I

 

– Ich war heute Morgen mal wieder

beim Kassensturz-Machen.

(Neue Sparpläne ausdenken)

 

– Pfennigfuchser?

 

 

Dialog II

 

– Ich war heute Morgen mal wieder

beim Spam-Löschen und so weiter.

(Bleistiftspitzen-Geschäft am Computer)

 

– Griffelspitzer?

Auf lange

Auf lange
richte ich mich ein,
möbliere die Zukunft,
nicht achtend des Sekundenschwundes
und des möglichen Todes.

Verplempert sind Stunden und Tage,
wenn ich Jahre erwarte.
Doch Augenblicke dehnen sich
zur kostbaren Brücke,
darauf zu lustwandeln.

Kommentar

Das Gedicht Demonstration von Sabine Fenner hier – siehe auch den Blogroll – habe ich folgendermaßen kommentiert:

In Wyhl haben sie demonstriert.
Heute noch gibt es dort kein AKW.

Söhne von unseren Freunden
haben in Wackersdorf demonstriert.
Heute noch gibt es dort
keine Wiederaufbereitungs-Anlage.

In Mutlangen haben wir demonstriert
gegen die Pershings
(und standen in der Menschenkette von Stuttgart nach Ulm).
Heute ist Mutlangens Raketengelände
Wohngebiet – nicht für amerikanische Soldaten.

Kooperation

Mein Gedicht Lebenssehnsucht nach der postindustriellen Sommerfrische (siehe dort) wurde von Petros mit einem eigenen Gedicht kommentiert und heute (9.6.07) im Duett mit seinem in seinem Bloghaus veröffentlicht. Ich bedanke mich herzlich für diese Ehre und empfehle die Lektüre dort: blogpoesie.de

bzw. hier: lebenssehnsucht-aus-dem-hause-helmut-maier

Lebenssehnsucht nach der postindustriellen Sommerfrische

Vermarktung des Lebens,
das sich wendet
gegen die Kommerzialisierung.
Zu einem Geschäft gemachte
Reproduktion von
geschäftsfreien Lebensformen.
Wohlfeile Ware nur
sind Bilder
vom Leben auf dem Lande.
Übervölkerung des Ersehnten
löst es dann auf.
(nach Isolde Charim: „In der Sommerfrische“ – taz vom 5.6.07, Seite 12)

Entscheidung

Der reißend gewordene Blutstrom
in der verengten Ader,
hat er nur Todesmahner bisher
in das Gehirn gerissen
oder reißt er den Tod selber
doch mit da hin 
das nächste Mal?
 
Wird eine schützende Umhüllung
des behinderten Blutstroms 
an der verengten Stelle,
an diesen möglichen Todesanker
geschoben, beflügeln 
den Todesritt?
Oder verneint sie den Tod
auf lange?
 
Blind wähn‘ ich zu wählen
und tastend. 

Konzentrische Kreise (ein Pfingstgedicht)

Ja, es geht rund
bis oben hin,
wo sich die Kreise
konzentrieren
im Schlussstein
eines Trullodaches.

Ja, es geht rund
im Kreise
alles Wiederkehrenden
und Neuen.

Ja, es geht rund,
selbst noch im Dreieck
eines Weltenkonzentrats,
wo sich Menschheitsgeschichte
immer rundet
im Mysterium
des ewig neu beginnenden
Sizilien.

Es rundet sich und schleift
den Kiesel der Vollendung
aus den kantigen Gesprengen
in Ebbe und in Flut
im Kreis der Jahre.

Es schließt sich wohl
der Kreis
des immer neu Beginnens
in dem neuen Öffnen.

Und konzentriert sich so
bis zum gedachten Punkt,
wo alles endet und
wo alles neu sich rundet
im jetzt und jung entstandenen
und stehn´den Bogen.

Fast wird es mir zu schwindlig
von dem vielen Kreisen,
wär”˜ nicht der Funke, der
das Lebensrad noch einmal treibt.

Überraschung

Angela Merkel
vor dem Bundestag
über die Ziele der G8:
 
„Wir wollen der Globalisierung
ein menschliches Gesicht …“
 
Na?
 
Na?
 
Na: erst:
 
 
„… geben.“

Vorfreude im Mai

Vorgestern,
vor seinem Geburtstag ein Tag,
sagte mein Enkel
auf die freundliche Frage
einer Erzieherin,
was für ein besonderer Tag
am folgenden Tag denn wäre,
(denkend an die vielen Geschenke,
die er aufzupacken erhoffte):
 
Weihnachten!
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