Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 157 von 165)

Tag-Gestirn

Ihr Privileg nützt sie
auf strahlende Weise,
so oft sie nur kann.
Hässliches hebt sie
mit natürlichem Charme
ins Übernatürliche.
Ein Glänzen erweckt sie
auf ödesten Farben,
selbst wenn diese
mit einem prächtigen
Regenbogen
konkurrieren müssen.
Und die sie verbergenden
Regenwolken
nützt sie,
die Firnisschicht zu schaffen,
die sie leuchten lässt
im Festtagsglanz,
wenn sie die Bühne
des siegenden Tages betritt
zu ihrer immer wiederkehrenden
Vernissage.

Helios, sole, soleil, sun,
liebe Sonne.

Einfließendes, Ausfließendes

Glücklicher Virus,
wenn Du vergisst,
was doch nicht
zu ändern ist:
dass es Menschen gibt,
auf die Du keinen
Einfluss ausübst:
Influenza.

Und glücklicher Mensch,
wenn Du vergisst…
Es gibt sie eben:
Influenza…

Frei nach Epiktet/frei nach Wikipedia: Nach der Lehre Epiktets soll man strikt unterscheiden, welche Dinge und Geschehnisse von einem selbst beeinflusst werden können und welche nicht.

Wo i mi druf b´sonna han

Oh je! Wann i mi no
uf dia Zeita b´senn,
wo m´r en meim Flecka bloß
hot miassa russische
Oier essa ond scho
isch m´r ganz
lenks gwea:
no wird m´r´s
ganz andersch.

Übersetzung bei Kommentar Nr.2

Partizipien der Vergangenheit

1. Verlassen,
verloren,
verborgen,
verbraucht,
verraten
und verkauft.

2. Erleuchtet,
erfreut,
erfahren,
erfunden,
erlebt
und ererbt.

3. Befunden,
begangen,
befangen,
beglichen,
bedacht
und belacht.

4. Zerpflückt,
zerfleddert,
zerrissen,
zerronnen,
zersponnen
und zerdacht.

5. Gebracht
und gedacht,
gefunden
und gebunden,
gelauscht
und gebauscht.

Aufgebahrt und aufgebauscht,
vorgefunden und wertbefunden,
zugespitzt, den Mund gespitzt,
hinterfragt und weisgesagt.

Lauter erzählenswerte Geschichten.

Raunacht-Traum

Nicht hängen bleiben
will ich
in den Spalten
zwischen Sonne und Mond.

Auf ihrem Ruheplatz
stärke ich mich
für den Klimmzug
vom Bekenntnis hin
zum Vertrauen,
von der Hoffnung hinauf
zum Gelingen.

Noch liegen Moospolster
hingebettet,
noch lauert der Sonnenschein nicht
auf Verdrängung des Mondlichts,
noch kosen Lichtstrahlen
das kostbare Dunkel.

Aufbruch liegt vor uns.
Neues wird,
umfängt uns mit Schleiern
des Vergessens von
abgestorbenen Zweigen.

Verheißung heißt
der Name der Zukunft.

Wir leben zwischen den Zeiten

Wir leben zwischen den Zeiten.
Zwischen den Jahren.
Zwischen den Festen.
Zwischen Unbewusstem
und dem Bewussten.

Wir sind auf der Reise.
Zwischen den Zielen.
Zwischen Aufbruch und Bleiben.
Zwischen dem Traum
und dem Wachen.

Wir leben, als gälte es sicher,
dass es bleibe, dass alles
ja seinen Sinn hat.

Wir leben und wissen
nicht um das Datum,
das uns Gegeb´ne.
Und setzen es fest.
Gefangen halten wir
die verklingende Zeit.

Wir leben, als gälte es sicher,
dass immer erneuert
das fliehende Leben.

Wir setzen den Punkt
und wissen genau, wo
Vergangenheit endet
und Zukunft beginnt.

Wir leben im Sterben
und glauben ans Morgen.
Wir sind ihm erlegen,
dem Wandern ins Klare.

Wir leben zwischen den Jahren
Und traun uns,
zu wissen, was neu ist,
was alt.
Wo Recht ist und richtig,
wo Falsches erstrahlt
und Gutes verborgen.

Wir leben zwischen den Jahren,
konfessionell so geschieden
und juristisch gesichert,
völkerrechtlich gebunden
ans eigene Glück.

Wir leben zwischen den Jahren
und meinen zu wissen
um Ende und Anfang.

Noch leben wir zwischen
den Jahren.

Die Sonne scheint …

Die Sonne weiß ja nicht,
wen sie bescheint,
ob einer lacht,
ob einer weint,
ob es ein Guter ist
oder ein Böser,
der seine Welt
nach seinen Maßen misst,
ein Weltenfeind
oder Erlöser.

Ich weiß nur,
dass sie heute lachte,
einen Tag nur
nach der Wintersonnenwende,
die sie nicht machte,
sondern diese Erde.
Von sol invictus keine Spur.
Doch ist ein Anfang und
es ist kein Ende
des Sonnenscheins.
Es bleibt der Wunsch,
dass alles richtig werde.

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