Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 152 von 165)

All‘ die Jahre

An die Friedenstauben
habe ich mich solangsam gewöhnt,
die in unserem Kreis
herumtrippeln,
durch ihn durchfliegen,
manchmal knapp an unseren
Köpfen vorbei,
an der Nikolauskapelle,
vor der wir immer wieder stehen
freitags
und beim provokativen
„Schweigen für den Frieden“
Unterschriften sammeln
– gegen den Bundeswehreinsatz in
Afghanistan
– für die Abschaffung
aller Atomwaffen
– für einen gerechten Frieden
in Palästina
– gegen …
– für …

An all”˜ diese unerledigten Probleme
können wir uns nämlich
gar nicht
gewöhnen.

Blinde Blindenführer

Geübte Blinde können durchaus
Blinde führen. Sie dürfen nur nicht
meinen, sie seien sehend. Dann
vermögen sie sie vielleicht
sogar zu verführen
zur rosageränderten Zuversicht,
die Äpfel von Avalon eines Tages
zu finden.

Berufsehre

Mit am Obschd- ond Gardabauverei
send´se en Venedig gwea
selligs Mol,
meiner Muader ihr Freinden,
meim Opa sei Putzfrau,
a ganz liabe Frau
ond ihr Mo.

Hoimkomma isch se
ond hot verzeelt:
Dert miaßtet se
halt amol wieder
an Großputz macha.

Verlässlichkeit

Gibt es auch Elend, Jammer, Not, Verbrechen
in diesen Zeiten, nichts
kann dieses Frühjahr hindern
sein blütenweißes Festkleid anzulegen
wie je, gar unter´m Himmelblau
in rosaroter Hoffnung
auf die wiederkehrende,
ja immer neue Wende
hin zum Guten.

Kirschblütenschaum

Kirschblütenschaum,
den Saum umhüllt er
der Teck,
des Herzogsbergs.

Baumgeäst streckt
seine bräutlich geschmückten
Zweige ins bullige Blau.

Träume sind hier
begraben
in Owen.

König für einen Tag
des Heiligen Römischen Reichs
war Konrad von Teck,

ermordet
in der zweiten Nacht
nach seiner Wahl

1292.

1913 noch 2008

Sind deutsche Frauen,
wenn sie Mutter wurden
vor 1975,
als Personen ohne eigene
Rechtsmacht zu sehen?

Ihre Töchter und Söhne
von damals,
die nicht rechtzeitig
etwas taten,
was Kinder von
deutschen Männern
nie tun mussten,
um Deutsche zu sein:

eine förmliche Erklärung abgeben,
dass sie wie andere Kinder
eines deutschen Elternteils
Deutsche sein wollten,

sind Ausländer heute
selbstverständlich
und stellen vielleicht
einen abzulehnenden
Asylantrag.

Wer das nicht für möglich hält, lese das hier (anklicken!)

La vie en rose

Aktion

An diesem Kreativtag möchte ich auch teilnehmen und poste hier meine Übersetzung von „The rose“. Der Song wurde von Amanda McBroom für den Film The Rose geschrieben und von Bette Midler interpretiert.

Am 15. April 2008 kann die Aktion hier bei Ellens „seelenruhig“ mitverfolgt werden.

Und hier nun „The rose“:

The rose

Liebe, heißt´s oft, sei ein Fluss, der
zartes Schilf ganz überschwemmt.
Liebe, heißt´s dann, schneide tief dir
in die Seele ungehemmt.
Liebe, heißt es, sei ein Hunger,
sei ein Schmerz, nie fortgeschwemmt.
Doch ich sag, sie ist die Blume,
deren Saat ins Herz ihr nehmt.

Wie ist doch ein Herz in Sorge,
dass es nie mehr tanzt, ja bricht,
wie der Traum, der vom Erwachen
keine Chance sich verspricht.
Dass die Möglichkeit zu leben,
sich zu schenken chancenlos,
dass die Seele in Gefahr ist,
voller Furcht zu sterben bloß.

War die Nacht mal wieder einsam,
wo der Weg sich endlos dehnt,
und du denkst, dass nur wer stark ist
und wer Glück hat, Liebe kennt.
Oh ich weiß, die Saat im Winter
deckt noch schneidend kalter Schnee,
doch dass in der Frühlingssonne
ich die Rose sprießen seh”˜.

Hier kann frau/man Bette Midler hören.

Hier kann frau/man den englischen Text lesen

Worte

Tanzende Worte,
wirbelnde Schneeflocken
vergangener Winter,
Zeugen des jungen Frühlings,
Zeugen des vergehenden Winters,
Zeugen der taumelnden Freude.

Aufgewirbelte Worte,
aufgewühlt
durch die Nachricht des Todes,
aufwühlend
Schmerzen, sich ihm,
dem verschlingenden
auszuliefern, weil der Tod
sprachlos macht letztlich,
Druckerschwärze nur schwärzt.

Worte können zeugen
und töten.

angeregt durch Petros

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