Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 150 von 165)

Sollt‘ ich zum Augenblicke sagen …

Nicht aufhalten
können wir sie,
die Momente.
Aber bewahren
im Sinnen und Trachten
und uns schon längst
vor der Erfüllung
herholen aus der Erinnerung
künftiges Glück.
Unglück müssen wir dulden,
aber niemals
kann es aufwiegen
das dankbar Genoss´ne.
So sag ich,
solange ich Glück
noch genieße.

Wunder dauern nicht mehr lange

Parzival soll es erfahren haben.
Denen mit den Siebenmeilenstiefeln
Kann es nicht
Fremd gewesen sein:
Der prächtig sich erhebende Burgberg,
Innerhalb von Sekunden
Verschwindet er
Hinter dem bewaldeten Hügel
Vollkommen.

Vom Auto aus gesehen
Auf der vierspurigen Bundesstraße:

Alltag.

Zur Sommersonnenwende

Den Gipfel haben wir erklommen.
Nun lasst uns Ausschau halten
In die Ebenen und Täler,
Wohin der Abstieg führt,
Darin zu leben.

Die Bilder sollen wir
Ganz im Gedächtnis speichern
Und bewahren,
Damit da unten wir dann wissen,
Wo wir stehen.

Übereinkunft

Willkommen heißen
auf meinem Planeten,
in die Autonomie entlassen
von Mutter Erde,
würde ich Dich so gerne,
wenn Du Erdgeborene
meine Herrschaftsansprüche
anerkennen wolltest,
ihn Dir zu erklären,
seine Sprache,
seine Riten,
seine Gebräuche,
seine Meerlosigkeit
– und Deine Bereitschaft
zu  erkennen wäre,
dass Du deren Selbstverständlichkeit
akzeptierst
in dem Arrangement
mit den Himmelsrichtungen,
in denen sich mein Planet
wiederfindet
auf der Erde.

Was aber, wenn
wir uns wirklich mögen?
Dann kann ich doch
nur noch verzichten
auf meine Voraussetzungen.

Neue Regelungen
müssen wir
dann finden.
Wir müssen uns finden
im Willkommen
unsres Planeten.

Erkämpfte Autonomie

Ist sie erlaubt,
die Diskriminierung
der Demütiger,
die Vorherrschaft
der Unterlegenen,
die Unterwerfung
der Unterwerfer,
die Assimilation
der Assimilierer

durch das Sprechen
der eigenen Sprache,
die Verweigerung
die andere Sprache
richtig zu verstehen,

im Willen
selber selbst zu sein,
selber andere Selbste
nur zu dulden,
nicht als Lingua franca
zu achten?

Der eigenen Identität
im eigenen Territorium
Vorrang zu geben
vor derjenigen derer,
die man im größeren Ganzen
nur als gleichrangig achtet.

Hieße es nicht,
die Demütigung zu vergessen,
zu verleugnen den Widerstand
gegen die Unterwerfung,
wenn die Unterwerfer
mehr gewönnen
als ihnen zusteht?

Myrten und Mauern

unserem großartigen Gastgeberehepaar Jutta und Dieter gewidmet

In Lichtspielen
zwischen Himmel und Meer
in duftendem Pflanzen-Universum
das Paradies,

den Menschen zugedacht:
unbescheidend sie abbildend,
die Kräuter, die Bäume,
verehrend eintauchend in den Schatten
der umgedrehten Kettenbögen
der Zypressen, den
der Mandelbäume und Pinien,
der Olivenbäume und Palmen.

Zugänglich rechtens
für alle:
die oberen Klassen.
ein Bürgertum, nur noch umgeben
von Gartenmauern
mit den Mosaik-Emblemen drauf
jener Propheten
meinetwegen
der heilsuchenden Bourgeoisie:
Güell und Gaudì.

Erlebniszeit

Zukunft kommt geschritten
mit dem stolzen Gang der Schwangeren.
Eidechse huscht über das Sträßchen
und verschwindet im Gras.
So schnell zieh´n die Zeiten.
Mit jeder Welle mehr
schwindet der Sand unter den Zehen,
gibt neue Standflächen frei
unter den Füßen.

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