Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 146 von 165)

Die dunkle Zeit

Je kürzer die Tage,
desto tiefer steht die Sonne.
Je tiefer die Sonne steht,
desto inniger verbindet sie sich
mit unsern Räumen.
Deren Vertikales Außen
wird überwunden.
Deren Inneres wird erhellt
in der dunklen Zeit
der kürzeren Tage.

Geheime Daten
sind offenbar.
Wir können sie
akzeptieren
oder auch löschen.

Kommentargedicht zu Utas Gedicht hier.

Plagiat

Plagiat
(Original hier oder in einer Hördatei  hier
.)


„Control orders“ – das
sind übersetzt
polizeiliche Auflagen. Klingt
eigentlich ganz harmlos. Doch
die Maßnahmen haben es
in sich. Zum Beispiel: Hausarrest
ohne Telefon und Internet. Der droht
Terrorverdächtigen in Großbritannien
oder Personen, die als nationales
Sicherheitsrisiko eingestuft
werden.

Polizisten

entscheiden darüber, wer
die sogenannte elektronische
Fußfessel bekommen soll.
Ohne Haftrichter,
ohne Gerichtsverfahren.


Ergänzung hier

Siehe auch Barbara Hauser auf ”šGiocanda”˜: Schöne neue Zeit

Verheißung

Aus Zeitwellen spritzt
Sekundengischt
über den Lebensbug.
Durch die Brandung
steuert das Boot
irgendwann
an das Land
der Verheißung
des Stillstands.

Kommentargedicht zu Barbaras „Im Laufe der Zeit.

Curt hat das Gedicht „Verheißung“ so kommentiert:

Möglicherweise?

Welcher Bote hat verheißen
dass es ”˜Land des Stillstands´ gibt?
Nur weil Tote nicht mehr reisen?
Der Gedanke ist beliebt.

Gibt´s das Land, werden gar viele
sich noch wundern, dort geht´s rund.
Keinen Stillstand, nicht nur Spiele,
weiter lernen wär gesund.

Zentrale Forderung

Das Auge trinkt
und schwindelt schier,
was ein Gefühl dem Menschen bringt
in seinem Innern, ja, grad hier.
Zucker-
Ahorn-
Rosen-
und Orangen-
hauch,
was meldet da der Bauch
dem Hirn?
„Ach Erde, Himmel, Arsch
und Zwirn,
ich hoffe, du hast nicht vergessen,
die rechte Handlung zuzumessen:
Nicht nur das Fressen wie bei Hammeln
soll da im Vordergrunde stehen.
Etwas ganz andres sollst du sammeln,
sonst wird es schlecht im Winter dir ergehen.
Im Zweifelsfalle wird die Seele darben,
sammelst du jetzt das Allernötigste nicht: Farben.

Sicherheitsdenken seit der Bronzezeit

Schwerter schneiden
Keine Brote im Frieden.
Doch wer will verzichten
Auf den goldenen Glanz
Ihrer Klingen?

Wälle schützen den Wohlstand
Für Wohlgeborene freilich.
Doch angeborene Warner
Gehen verloren im Wahn
Schützender Bauten.

Wo Gefahren verschwinden
Aus dem Bewusstsein,
Verlieren sich Erbarmen
Und Güte.

Wie kann ein liebender Gott
Ein feste Burg sein?

In der Sorglosigkeit der Sicherheit
Vergisst man, wie notwendig
Der Verzicht auf die Macht ist.

Und schon naht das Verderben,
Mit dem niemand gerechnet.
Unausweichlich erscheint
Auch die letzte Katastrophe,
Wenn keine Flucht mehr
Gedacht wird.

Äquinoktium – gefälligere Version

Zwischen den Fingern
den getrockneten
Lavendel zerrieben.
Einsaugend den Duft
den Sommer zurückgeholt
noch einmal habe ich mir. Dann
verabschiede ich ihn
getroster. Wiederholung ist
möglich, tröstend auch nach
diesem Tag, an dem die Länge
des Tags und der Nacht
einmal sich gleichen noch
vor dem Winter. Wiederholung
auch dieses Rituals seiner
Vorahnung im Sonnenschein
dieses Tages ist – weiß ich nun –
möglich und nimmt
ihm endlich die unerbittliche
Härte in meinem Wissen.

Äquinoktium

Zwischen den Fingern
Den getrockneten
Lavendel zerrieben
Einsaugend den Duft
Den Sommer zurückgeholt
Noch einmal habe ich mir dann
Verabschiede ich ihn
Getroster Wiederholung ist
Möglich tröstend auch nach
Diesem Tag an dem die Länge
Des Tags und der Nacht
Einmal sich gleichen noch
Vor dem Winter Wiederholung
Auch dieses Rituals seiner
Vorahnung im Sonnenschein
Dieses Tages ist weiß ich nun
Möglich und nimmt
Ihm endlich die unerbittliche
Härte in meinem Wissen

Die Vermessung der Welt – die Auflösung

Die Halbsphäre Erde:
Vier Himmelsrichtungen festgelegt.
Von drei sichtbaren Phasen
des Mondes belegt,
zur Ergänzung der Sphäre
der Himmel dann werde.

Die Drei als weibliches Dreieck,
als Gitter die Vier
– mit vier Ecken bedacht,
deren Verbindungen (die Diagonalen)
im Schnitt die Quintessenz uns gebracht.

In Raum und in Zeit sehen wir
für unser Denken den Weg,
das Universum zu fassen,
uns darauf zu verlassen.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑