Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 144 von 165)

Weblog

Schreibe ich
für die Schublade?
Nein!
Schreibe ich
für das Internet?
Nein!
Schreibe ich für das
Blog?
Nein!

Ich schreibe nicht
für den Block.
Ich benütze
den Block,
um drauf zu schreiben.
Ich schreibe nicht
für das Blog.
Ich benütze
das Blog,
um darauf zu schreiben
für mich,
für euch,
für alle die,
die´s lesen wollen.

Meditation des Absurden

Dass Normales nicht normal ist,
ist absurd.
Dass Schönes hässlich ist,
ist absurd.
Dass Sprachen nicht Sprachen sind,
ist absurd.
Dass Klänge Missklänge sind,
ist absurd.

Dass Kinder nicht
Kinder sein dürfen,
dass kranke Menschen
zur Arbeit gehen müssen,
dass Menschen in Not
keine Hilfe bekommen,
das alles
ist doch absurd.

Dass Unnormales normal ist,
ist gewiss auch absurd.
Dass Menschen bestraft werden,
wenn sie nicht morden wollen,
ist doch absurd.
Dass Menschen Feinde sind,
weil es die öffentliche Meinung
ihnen sagt,
ist absurd.

Guantanamo
ist absurd.
Dass Kriege
Friedensmissionen heißen,
ist absurd.
Kriege sind
immer absurd.

Dass man Menschen
nicht warnen darf
vor Gefahren,
weil sie ja volljährig sind
und selber wissen können,
was sie tun,
das ist absurd.
Vor allem,
wenn sie sie dennoch
heraufbeschwören.

Dass Visionen
von einer besseren,
nicht absurden Welt
krank genannt werden
können:
das ist absurd.

Ist´s nicht absurd,
wenn man zum Schluss kommt,
dass unsere Welt
nicht absurd ist?

Anerkennung

Das Leben schrieb mir ein Gedicht.
Ob ich´s genügend schätze?
Ich las es oft genug wohl nicht,
sitz‘ oft nur da und schwätze.

So voller Wohlklang ist es doch.
Ich will´s nicht immer hören.
Dass ich nur auf den Missklang poch”˜,
das wird sich nicht gehören.

Doch schreib ich mir den lieben Text
Nun in mein Tagbuch treulich.
Und sollt ich klagen, dann zunächst
hol ich mir´s her und freu mich.

Hope for the World

Was für ein Drama
Es wurde Obama
Ein Am´rikanischer Traum
Hat in mir nun auch Raum


(Barack Obama am 5.11.08 in Chicago: "Wenn es da draußen immer noch jemanden gibt, der daran zweifelt, dass in Amerika alles möglich ist, wenn es jemanden gibt, der glaubt, der Traum unserer Gründerväter sei nicht mehr lebendig, der an der Kraft der Demokratie zweifelt - dann ist diese Nacht unsere Antwort darauf.")

Modebewusstsein

Heute einmal
Bin ich modebewusst:
Graustufen:
Meine Socken: anthrazit.
Meine Hose: dunkleres Grau.
Mein Pullover: helleres Grau.
Mein Bart: schon fast weiß.
Nur der Hemdkragen
Mit seinem Rot
Fällt aus dem Rahmen.
Kontrapunkt.
Punkt.

Elsas lyrischer Kommentar:

ein bisschen eitel

im angesicht des nun schon
weißen bartgestrüpps ~ so schnell ~
wege erfinden in grau schwarz
ein hauch von rot

ich lächle

Sommerende

In der Samhain-Nacht
Aufgewacht
Im Dösen
Ein paar Seelenordner
Entrümpelt
Neue Seiten aufgeschlagen
Gedankenstifte bereitgelegt
Erinnerung:
Anfang ist immer

Erwartung

Aus den Blüten
eurer Eingebungen,
trübe Novembertage,
gut gewässert
durch perlenden Regen,
lasse ich Beeren reifen
in der Sonne
der Imagination,
der geheimnisvollen.

Will sie dann ernten,
wenn manche Tagstunden mehr
zur Nachtzeit geworden
und die Tatkraft
zu erlahmen droht.

Die Süße des Schwelgens
in Heimeligkeit
soll mich tragen
in neue Gefilde
des Seins.

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