Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 143 von 165)

Io

In den Sand
Des vertrockneten Flussbetts
Schreibt sie ihre Geschichte
Die Tränen der Rührung
Bewässern den Fluss
Fruchtbar gemachtes Land
Der Verheißung
Erfüllt sich
Mit dem Duft
Der wohltuenden Veilchen
Violett glänzen
Die Lobreden
Des Wiederbelebten
Und er macht sich auf den Weg
Ewig wiederkehrender Wohltat

Glaubenszweifel

Die Schleusen des Himmels,
zu weit geöffnet,
bringen zu viel Schwall
auf das Mühlrad
der Tage.

Ihnen scheint
es gleichgültig zu sein,
wenn da was
durchdreht.

Kommentargedicht zu Syntaxias „Endloser Regen“

Hermann Josef Schmitz“ hat eine „Variation“ zu beiden Gedichten, dem von Syntaxia und mir, geschickt:

hinter den regenstäben
behütest du meinen schlaf
befiehlst dem eigenen atem
zu schweigen
verschliesst bedrohlichen träumen
türen und fenster
verschwinden im aufschrieb
nächtlicher zeit
an ihren häuserwänden
zeichnen sie die zahlen aufs neue

(c) Hermann Josef Schmitz 7.12.2008

Saat

Keimende Samen
Haben keine Angst
Vor der Dauer.
Überdauernd
Spannen sie den Bogen
Ins Zukünftige,
Umhüllend das Werdende,
Vorbereitend das Treffliche
Im Seminar der Erkenntnis
Des Wesentlichen,
Schon fertig Angelegten
Im Kern.

Erleuchtetes Dunkel

Erleuchtetes Dunkel,
in Ehren geboren,
Mutter des Werdens,
Mutter des Lichts.

Dunkles Geheimnis,
Offenbarung gebärend,
gewordene Verheißung
im Schlaf, der Heimat der Träume.

Eingebettet ins Dunkel
werden die Hoffnungen,
liebend die Ruhe,
aus der die Kraft wächst.

Visionen ohne fahles Hintergrundleuchten.
Vorwärtsdrängendes keimend umhüllend.
Ideengebärend wächst Zweighaftes,
Erfüllung tragend, Reichtum

der Möglichkeiten.


Paul Spinger hat dazu Folgendes geschrieben:

Wir sehn das Sternenfunkeln
Ja immer nur im Dunkeln.

(Dieser Text ist übrigens für mich (Helmut Maier) ein Paradebeispiel für die innige Verschmelzung von Poesie und Aphorismus)

Paläolithischer Verstand

In wildem Denken
Mondphasen und Hörner
in eins setzen.
Am Himmel
die Erde sehen.
Moose in ihrer Qualität
als Ruhepolster
gewahren.
Schalensteine
als Kopfkissen,
weil aus ihnen
Geheimnisse sprechen
von Himmelstreppen.

Sich einladen lassen
von Fremden,
wer in die Fremde geraten,
ganz ohne Scham.
Und gastfreundlich sein
den Unbekannten,
weil sie dann freudig
Kenntnis gewähren.

Der Ratio ihren
ihr gebührenden Platz
zuweisen wieder,
aber nicht mehr.

Die Kunst des schönen Scheins
im Sein garantieren.

Siehe auch meinen Kommentar zu einem Haiku von Nannophilius im Forum von versalia.

Das Kommentargedicht von Paul Spinger dazu darf ich freundlicherweise in einer zweiten, vom Autor ebenfalls autorisierten Version darbieten:

Claude, der nannte sie Mytheme
Und erforschte die Systeme,
Wie die Menschen früher dachten.
Mythos, Dichtung und verwandte
Neue Fragen, alt bekannte,
Die die Menschen dichtend machten.

Und er wusste: Gegensätze
Sind der Mythen wahre Schätze,
Brachte sie ans Licht.
Das was uns die Mythen schenken,
Ist des Menschen wahres Denken,
So wie das Gedicht.

Hunde, wollt ihr ewig spielen?

Sie wollen doch
nur spielen,
die Süßen,
sagten die Staatschefs.
Angst haben
muss man vor denen
nicht,
auch wenn sie bellen,
die global players.

Mindestens übersahen sie
(und übersehn es noch immer):
Diese Art Spielen
im weltweiten Kasino,
Spielen mit Wetten
auf Leben und Leiden,
Spielen mit den Nöten
und Sorgen von Millionen,
unreglementiert,
mit unglaublichen
Chancen auf Gewinn
(und keinesfalls geglaubte
Verluste),
kann, je höher die Einsätze,
desto mehr,
süchtig machen.

Aber wir kennen solche
warnenden Aufdrucke schon
von Zigarettenpackungen
und da sind sie ja auch
wirkungslos …

Schneeflächen

Würdeheischende Schneeflächen,
wortetragende,
Leere schaffend
immer wieder aufs Neue,
aber bereit
stets den Würdigen.

Kommentargedicht zu Paul Spingers „Worte im Schnee“. Ich finde jetzt schließlich, dass es auch alleine stehen kann.

Ein in den Kommentar dazu geschriebenes Gedicht von Hermann Josef Schmitz (von ihm freundlicherweise als ‚Variation‘ zu meinem bezeichnet):

schneeflüsse trieben
ungehindert über ausfallstrassen
verschwanden im nichts
dehnten sich steinfelder
im verborgenen von flussniederungen
schlingerten ausgesetzte gedanken
im unsicheren wind
mündeten kahle wurzeln
hinter der weisskalten zeit

Arbeitslos

Ach, das:
Arbeitslos.
Ach, das
Arbeitslos.

Ach, arbeitslos
will keiner sein.
Ach das!
Ach, das
Arbeitslos
zu tragen,
ist auch schwer.

Aber man muss
das Arbeitslos tragen
oder das Arbeitslos-Sein.
Man muss,
man muss,
man muss.

Da stimmt doch was nicht.
Ohne Zwang,
ja, ohne Zwang
arbeiten zu können,
das wär´s doch!

Das geht nur!
Das geht nur
mit
be-
di-
ngungs-
lo-
sem
Grund-
ein-
kom-
men.

Das wär´s!

—–

Anagrammatische,
vielleicht auch dramatische
Alternative
für schwäbische Herrenreiter:

ARBEITSLOS
REITA BLOSS

Schbädherbschd

D´r kloine Kaschdaniabaum
an d´r Schdroßaeck
isch scho faschd kahl.
Bloß ondarom
hot´r an Kranz
von gäale Blädder,
zom Doil au scho
erdfarbig braun,
faschd v´rgammelt.
S´g´mahnd me halt
an mein Meggas
mit seim graue Kranz.
Ällas hot halt sei End.

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