Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 127 von 165)

Ende und Anfang

Ein paar Nanosekunden lang
sind Ende und Anfang gleich.
Es geht und kommt der Tag.
Es geht und kommt die Jahreszeit.
Es geht und kommt ein
treues Liebeswallen.
Und Sprache holpert ihnen nach
und das Verstehen.

Winterschnee und Frühlingswonne
zerschmelzen in eins
in langen Lebensjahren.
Auf neuen Schnee
da fallen Frühlingsbotenstrahlen;
und Frühling kommt,
wenn ich ihn noch erlebe.

Doch das ist eins;
ich kenn”˜ ihn ja persönlich.

Leistung

Leistung muss sich
Wieder für die Reichen
Lohnen, wenn sie die
Armen erbringen.
Das war spätrömische
Dekadenz, Herr Westerwelle.
Gut, wenn Sie wirklich
Dagegen wären.

Enge und Weite

Ich will
Geborgenheit spüren.
Ich verberge mich
in der Enge des Schicksals,
in der Faust des Vergessens.

Huch, sagte die Fliege,
ich hoffe nur,
dass die Muskelmassen
um mich rum
mich nicht zerdrücken.

Da öffnet hin zum Licht
sich ein Spalt
und ich fliege hinaus
in die Weite,
entfliehe der Enge.

Wie weit darf ich fliegen,
um im Rachen
einer Fledermaus
nicht zu verschwinden?

Sonntag im winterlichen Deutschland

Die Sonne bricht durchs Grau
des Himmels, macht ihn gleich
zu einem Lampenschirm
über der Schneelandschaft.

Milchiges Licht
verspricht irgendwann
endlich
die Bläue des Tages.

Später erstirbt der
wieder,
entschläft schließlich
in weißes Grau.

Reihung

Schnee grüßt die Samen unter der Erde
Freude erfasst die Gedanken unter der Oberfläche
Schmerz vergisst friedliches Miteinander
Erkenntnis transzendiert Begebenheiten
Freude grüßt die Samen unter der Erde
Schmerz erfasst die Gedanken unter der Oberfläche
Erkenntnis vergisst friedliches Miteinander
Schnee transzendiert Begebenheiten
Schmerz grüßt die Samen unter der Erde
Freude vergisst friedliches Miteinander
Erkenntnis erfasst die Gedanken unter der Oberfläche
Schmerz erfasst Begebenheiten
Freude grüßt die Gedanken unter der Oberfläche
Schnee transzendiert friedliches Miteinander
Freude erfasst die Gedanken unter der Oberfläche
usw.

Mahnwache für den Frieden

Provokativ schweigend.
Schweigend provozieren.
Mehrheitsmeinung bestätigend
diesmal.
Einfordernd.
Wer wird da provoziert?
Wer provoziert wen?
Die vertreten
die Mehrheitsmeinung?

Die Mehrheit ist
gegen den Afghanistan-Einsatz.
(Leider nicht unbedingt
gegen jeden Krieg)
Und die Regierung handelt
nach eigener Verantwortung,
handelt so wie immer,
weiß nichts Neues.

Die Glocken tönen
des Glockenspiels
auf dem Rathaus;
auf der Brücke
mit der Nikolauskapelle:
Gitarrenklänge
des Straßenmusikers
mischen sich drein.
Wir mischen uns ein.
Stakkato der Schuhe,
vorüberwandelnd,
vorübergehend.
Wir schweigen.
Wir provozieren

ja kaum
noch.

Aber?

Nach Lichtmess

Blau und weiß der Himmel. Weiß
und grün
die Erde. Braun noch
wenig. Samen schlummern
schon nicht mehr.
Schneebedeckt fruchtbare
Mutter Erde.

Aber das Leben
tobt bereits
im Verborgnen.

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