Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 123 von 165)

Das Sein

Ich lege mich
in die Zeit.
Monde wechseln.
Fülle des Lichts
wächst und vergeht,
Licht der Wahrheit,
Klarheit des Wissens.

Ich lege mich
in den Raum.
Im Solarplexus
kreuzen sich
die Linien der Diagonalen
zwischen Händen und Füßen.
Sein und Bestehen.
Stehen im Seienden.

Ich stehe wieder
vor Neuem.
Ich träume Erlebtes
Und ich schweige
vor Erschauern
und Wonne.
im Sein.

Wiedergeburt

Ich zwänge mich
in die Höhlung,
krieche mit Vorsicht.
Nur nichts verletzen
von den Zeichen am Boden.
Und doch schreite ich
durch den Trilith
im Gedenken an maltesische Tempel.
Ich schwebe
in Emphase und Empathie.
Auftun sich Welten
des Werdens,
des Wachsens.
Wirklichkeit wirkt
und Wahrheit umscheint mich
und Hoffnung und Freude
aufs verlässliche Leben.
Und die ersehnte Sonne
erblickt mich
nach dem Verlassen
der Felskälte.
Wiedergeburt.

Annäherung an die Gedankenwelt des Paläolithikums

Eins ist der Kosmos.
Zweigeteilt ist das Eine
in oben und unten.
Das Oben gebiert Mond um Mond
und um Mond.
Unten im Menschengeviert
findet der unendliche Raum sich
in Grenzen.
Vielgestaltige Grenzen
ergeben Leitern des Strebens.
Doch im Wechsel der Monde
finden die Menschen zusammen
in Paaren
wie das Ew´ge in eins mit dem
unendlichen Raum.
Gebären und Leben.
Leben und immer wiederkehrende
Ruhe.
Vielzahl der Dreien und Vieren,
vervielfacht multipel
und addiert in Gemeinsames
baut die Kultur.
Natürliches Ruhen
und Gebautes vereinen
in gigantischen Werken,
in hilfreichen Statuten,
in Menschenleben
und ”“streben:
aufgegeben ist es den Menschen:
dieses Geschenk.

Zurück aus der Ile-de-France

Zurück
melde ich mich
in neuen Monden
in meinem eig´nen Geviert.
Suchend das Gefund´ne*.
Lesend das Verschlüsselte.
Begreifend das Unfassbare.

Wiedergeburt
ist nicht zu schaffen
in einer Stunde
und in einem Gedicht
(schon gar nicht).

* Bei Google Earth hier: N 48°23’44“ E 2°31’00“ bei der Placemark ist das Foto (s.o.) eingefügt (Den Ancient Rock haben wir aber zwar in der Nähe 🙂 , jedoch durchaus nicht hier gefunden 🙁 )

Einer Eingeweihten folgen

Beschäftigt war ich diese Woche
meiner Frau zu folgen
(I am one of her followers to be sure)
was mir nicht immer leicht fällt.
Aber sie kannte den Weg
zu den Höhlen
mit den Felsritzungen.
Und so einfach war das
nicht gerade:
nicht einfach den jungen
Esskastanien-Bäumchen
und ihren kleinen Igelchen
auf dem Waldboden
mit dem schmackhaften Inhalt
vom Vorjahr
mussten wir folgen.
Höhenrücken galt es
zu unterscheiden
und Felsgruppierungen.
Und ihre Trefferquote
war phänomenal.
Und ich stand da
und staunte
und war ergriffen
von der Geisthaftigkeit,
von der die Ritzungen zeugten.
Und eine gute Übung
meiner Frau zu folgen
war es zudem.

Ritzungen (Art of writing)

Vielzahl der erfahrenen Meinungen
gibt ein Muster des Lebens.
Eingeordnet. Eine Einzelentscheidung
im Einklang mit der Natur,
mit den Gegebenheiten,
mit dem Gegebenen. Verbunden
mit uraltem Wissen. Neu
erkannt und bekannt
in den Zeichen der Zeit,
in den Zeichen der Welten,
in den Zeichen
des Lebens.
Eingeritzt in die Felshöhlungen,
eingeritzt in den Schatz
gemeinsamen Wissens mit allen
Eingeweihten. Allen Lernenden.
Allen Beflügelten.

Ansonsten hübsch anzusehen.
Ansonsten Denkmal der Geschichte.
Ansonsten feux interdits immerhin (doch wieviele
Kletterer halten sich daran?) Immerhin
aber Sonstiges belanglos
im Alltag.

Kraft schöpfen können wir nur,
wenn wir uns einlassen
auf das Geschenk.

Vorweggenommene Überlegungen

Retten wir uns
in Raum und Zeit.
Essbar die Wildkräuter.
Sprossend in der Zeit.
Auffindbar
in den zugänglichen Räumen
des Werdens.

Verborgene Knollen
an den Tag geholt
aus dem Unterirdischen,
verraten durchs
durchdringende Grün:
Growing in the wind.

Blüten, die blühen und reifen
(Reifezeit gewährt uns
der Jahrlauf).
Samen,
von Hühnern gefressen.
Eiergelege laden zum Raub ein.

Süße, von wilden Bienen gesammelt:
Wir genießen auch sie,
wenn wir uns einordnen
in den Kreislauf,
den ungestörten.

Vielfalt auch ohne
überbordendes Verlangen.
Auch ohne die Vielzahl
der Menschen?

Walpurgisgedanken am Harz

Der Schuss der Hexe
als ein purer Hexenschuss verschrien
wäre als Warnschuss
leichter wohl verziehen.

Doch wenn wir ihn
als solchen nicht verstehen,
dann tun wir lieber so,
als wär er nicht geschehen.

Und so, ich glaube: ihr versteht,
kommt die Erlösung nicht,

nichts, was zum Bessern uns geleitet.
So kommt die Dummheit nicht ans Licht,
nichts, was zur Wahrheit uns bereitet.

Wir machen Hexen lieber zur Folklore.
Anstatt die alten Weisen
uns weisen gar zu lassen,
singen wir im Spötterchore.

Ein Feiertag

Der erste Maitag des Jahres,
ein Frühlingstag einfach – das war es?
Wo bleibt die Solidarität?
Vergessen wir sie, ist alles zu spät.

Was ist was?

Verwaltung des Mangels:
ein Kennzeichen der Wirtschaft
im real existierthabenden Sozialismus.
Was ist dann Fördern und Fordern?
Verwaltung des Mangels an Arbeitsplätzen,
auch noch ordentlich bezahlten womöglich,
durch die Arbeitsagenturen:
Kennzeichen des Arbeitsmarktes
im real existierenden Kapitalismus?

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