Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 122 von 165)

Mittsommer

Im Reich der Trolle
reichlich Träume trinken.
Ich seh”˜ die Sonne nicht
am Horizont versinken.

Die Träume ohne Nacht erleben,
sich doch dem Nebelwunder
ganz ergeben.

Die Tränenströme, die da
von den Bergen rinnen,
eröffnen Freudenspuren
ganz nach innen.

Die Trolle schweigen,
lassen mich erschauern.
Das Glück jedoch,
es soll noch eine Weile dauern.

Empfangsbereit ist das Gemüt.
Johannisfeuer glüht.

Wal, Whale, Hval

Wallfahrt zur Wahlfahrt
bei Andenes auf den Vesterålen
Buckelwale und Pottwale zu sichten
am nahen Kontinentalhang
mit 90% Sicherheit
Finnen auftauchen sehen
oder die Fluke
beim Abschied des Pottwals
als Abschiedsgeste
noch hoch aufragend
vor dem Verschwinden
in die Tiefen des Meeres
zu sehen eines Tieres
von 100 Tonnen

Was bin ich Schwergewicht da
mit meinen wenig mehr
als 80 Kilo?

Sommerüberraschung

DÃ¥ neiilich,
wo m´r grad Oslo v´rlassa hent
Richtong Norda,
hent m´r ons gsait:
Ha no, m´r fahrat halt heiit,
bis dong´l wird.

DÃ¥ sent m´r am End
am Nordkap
g´landet.

Turmbau

Rechts an dem Felsenmassiv:
abgegraben, -gestochen, -gehauen
Platz für die Landstraße.
Schroffe Flanke,
glatt wirkende Rauheit der Flächen.

Links in dem Felsenmassiv:
herausgesprengt mit gewaltigen Kräften
Platz für die ganze Breite
einer Autobahn.
Schroffe Felsmauer
neben dem Seitenstreifen,
hoch aufragend.

Der Torso, übriggeblieben,
turmhaft,
steht verloren
zwischen den Schneisen.

„Schweigen für den Frieden“*

Wichtig ist, dass wir hienieden
Mahnwachen halten für den Frieden:
Dass ein echter Friede werde:
„Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Erde“
**

*Ich erinnere auch an frühere Texte zum Thema: https://www.maierlyrik.de/blog/index.php?s=Schweigen

**Dies ist’s wofür wir „schweigen“ – in der Formulierung, die sich an das Motto des ‚Konziliaren Prozesses‚: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ anlehnt – bewusst schon damals bei der entsprechend dem konziliaren Prozess angestoßenen Neuorientierung des „Schweigens für den Frieden“ in Esslingen: nämlich in puncto Ökumene über die christliche Einschränkung hinauszugehen.

Zur Zeit sind wir zum Beispiel für die Gleichberechtigung der drei Themen über das Friedensthema im engeren Sinn hinausgehend freitags vor der Nikolauskapelle mit dem Thema „Kopfbahnhof Stuttgart“ statt „Stuttgart 21“ zu finden und rufen auf zu den Montagsdemonstrationen dazu in Stuttgart: https://www.kopfbahnhof-21.de/.

Zum anderen Beispiel werden wir leider noch genügend Gelegenheit haben: Endlich muss etwas Entscheidendes geschehen für den Frieden zwischen PalästinenserInnen und Israelis:

https://www.oikoumene.org/de/events-sections/aktionswoche-fuer-frieden/botschaft.html

Freiheit

Immer wieder ankommen
in den Vorhöfen des Tempelbezirks,
am Freiheitsbrunnen
sich die Füße waschen
und die Handgelenke
und träumen von Manna
und schwirrenden Entenbraten
aus Himmelsgefilden.

Und die einen erfahren
Erfüllung. Den andern
bleibt nur, was die Freiheit
einem jeden verheißt:
das Träumen
– solange die Freiheit
die Wohlhabenden
nicht verpflichtet
zu irgendetwas

außer der Verteidigung
ihrer Privilegien.

Paul Spinger hat mir zu diesem Gedicht ein bemerkenswertes Kommentargedicht geschickt:

Wir wissen wohl mit dem Verstand,
Es gibt gar kein Schlaraffenland,
Um Freiheit muss man streiten.
Doch merke ich an dem Gedicht,
Der Freiheitstempel ist sehr schlicht,
Heut wie in alten Zeiten.

Kain

Und willst Du nicht mein Diener sein,
dann schlag ich Dir den Schädel ein.
Ich tu´s vielleicht nur metaphorisch,
jedoch nicht minder effektorisch.

Über deine Verhältnisse lebst du;
da lass ich dich doch nicht in Ruh.
So sag ich schnell um Recht zu haben
und preise meine Rednergaben.

Oder ich nenn dich Kommunist,
der noch die Diktatur vermisst.
Da kann ich leicht dich richtig schneiden:
Du bist der Dümm´re von uns beiden.

Und nenne ich dich Terrorist ”“
Ob du das sicherlich auch bist,
das muss ich weiter nicht beweisen.
Jeder Esel lässt sich so abspeisen.

Und geht es wirklich dann um Geld,
ist´s um Ressourcen schlecht bestellt,
lass ich auch die Metapher weg
und schmeiß dich richtig in den Dreck.

Und Krieg ist dann, man kann es sehn,
ja keiner, wenn man´s so will drehn.
Und in der allergrößten Not
ist Krieg der Stunde doch Gebot.

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