Lyrisches von Helmut Maier

Schlagwort: Neue Maier-Lyrik (Seite 121 von 165)

Daheim

Der Sternenhimmel hat mich wieder.
Ich habe wieder Tag und Nacht.
Ich singe neue Sternenlieder.
Die Reise hat mir´s beigebracht:

Nimm nichts so selbstverständlich gar,
wie du es hältst, wie es sein muss.
Es ist bestimmt nicht alles wahr,
was immer war. Das ist kein Stuss.

Aufhören wird nicht Tag und Nacht.
Das glaubte ich. Ich glaubt”˜ es nicht,
dass andres als normal gemacht
sich gar erweist und mich anficht.

Der Sternenhimmel hat mich wieder.
Und prophezeit hat´s mir der Stern;
der sah vom Tagnachthimmel nieder.
Schon jenen einz”˜gen hatt”˜ ich gern.

Hier nun das Dunkel mag ich neu.
Es hegt mich mütterlich im Schoß.
Das ist”˜s, worüber ich mich freu;
der Wechsel macht´s. Was macht der bloß?


Die folgende aufschlussreiche Antwort von Curt provoziert zu haben, erfreut mich ganz besonders:

Augenblick

Wie Augen ständig her und hin
sich unbemerkt bewegen
macht ab und zu ein Wechsel Sinn
bringt uns oft reichen Segen
damit wir nicht erblinden
um uns erneut zu finden.

Wiedersehensfreude

Oh Stern, du: Stern!
Dich seh ich nun nach Wochen
doch wieder stehn
am Himmel einer Nacht.

Ich seh dich über
einem Schildpattfelsenhügel
nicht weit entfernt
von einer Morgenröte
schon nachts um drei

nur wen’ge Meter
entfernt von wo ich noch
vor Mitternacht
die letzten Gluten
eines Abendhimmels
im Grau versinken sah.

Oh Stern, du: Stern,
nun seh ich dich
doch endlich wieder.

Dies ist mir nun
ein Zeichen einer
richt’gen Nacht!

Scharen von Schären.
Dunkelheit breitet sich aus.
Schwarz liegen sie da.

Doch die rotgoldnen Schimmer
verschwinden noch lange nicht.

Weiße Margariten

Die weißen Margariten,
ich hab sie nicht geschnitten.
Ich hab sie nicht gepflückt;
sie haben mich beglückt,
wie sie mich stets begleiteten,
so unschuldig geleiteten
die Straßen durch Norwegen
hindurch. S´kam mir gelegen,
dass es mir heimelig genug
hier in der Fremde ward
auf meiner Nordlandfahrt
auch trotz einem Betrug:
Es war nicht Mai wie ihre Zeit zuhause;
im Juli sah ich sie; da bin ich ein Banause:
Mir ist das ganz egal: ich seh sie gern,
egal um welche Zeit sich´s handelt.
Ist man einmal so fern,
man gern in dem Vertrauten wandelt.

Vorbehalt

Eine Zeitlang
durch die Fjordflächen kreuzen,
eine Zeitlang
in den silbrigen Streifen der Sonne
sich verlieren,
im Ergötzen versinken.

Doch dann wieder,
auf festem Boden angelangt,
wissen wohin zu treten
ohne Schwanken
und im Bewusstsein,
dass er trägt,
ja, zu spüren,
dass sie trägt,
die Mutter Erde.

Und sich nur noch erinnern
an die schwankenden Planken
des reinen Wohlergehens.

Vertrauen

Vertrauen in die Haltbarkeit
eingerammter Pfähle.
Sie tragen verlässlich
rotgestrichene Fischerhütten
am Ufer.

Sie tragen Verbandlungen
für lange.
Verwandlungen tragen sie
von einer Zeit in die andre.

Sie tragen Verlässlichkeit
in der Vielfalt.
Hornklee nutzt die,
wenn er sich festklammert
im moorigen Boden,
umschwärmt von Scharen
von Orchideen.

Und draußen im offenen Meer
liegen und liegen
die Schären.

Elsa Laula und der 6. Februar

Leben oder Tod?
Sie hatte die Entscheidung
nicht in der Hand.
Und doch schrieb sie an
gegen den Tod ihres Volkes.
Ihre Entscheidung trug
die Entsandten ins Treffen
in Trondheim, der Königsstadt,
angefeuert von dieser Frau,
der ersten Saami-Dichterin,
Elsa Laula Renberg aus Schweden,
deren Werke vorlagen, gedruckt.

Sie kamen zusammen 1917 aus Russland,
aus Finnland, aus Norwegen und Schweden.
Der samische Nationalfeiertag,
begeistert von diesem Treffen,
ohne die Dichterin wäre er nicht,
nicht ohne die Kühne,
die nach Stockholm reiste,
mit dem König zu reden
und ihm zu klagen das Leid,
von dessen Bewirkern er ja war
einer der großen Repräsentanten.

Mit vierundfünfzig Jahren
starb Elsa 1931 in Brønnøy
an Tuberkulose.

Lofoten

Die Fähre von Bodø.
Annäherung an die Lofoten.
Eine Wand türmt sich auf,
nicht undurchdringlich:
Eingänge tun sich auf
in die Sunde und Fjorde.
Sind Irrwege möglich?
Gibt´s den Weg
in die verheißene Mitte?

Den deinen
sollst du finden.

Verwirrung

Die Mittsommernacht
ist keine Nacht.
Es ist dann taghell.

Und s´ist nicht nur ein Tag,
wie man´s nennen wohl mag.
Achtundvierzig Stunden sind´s, gell?

Das aber nur an dem Punkt
(da hat es gefunkt),
an der einzigen Stell:

Wo der Polarkreis geschnitten
und im Jahr in der Mitten,
da ist´s so lang hell,

weil den Horizont dann die Sonne
nur grade berührt voller Wonne
in der Mitte der ”šNacht´ auf alle Fäll”˜.

Nicht um Mitternacht
hat´s die Sonne gebracht.
Nicht ganz so schnell:

Es macht die Sommerzeit:
Noch ist´s nicht soweit.
Erst etwa um eins kommt die Stell”˜.

Und auch da nicht genau.
Überlegung macht schlau:
Nirgends gilt ja die Ortszeit aktuell.

Und nördlich vom Polarkreis bestimmt
die Sache ne Wendung noch nimmt:
die Sache wird grell:

Der POLARTAG dauert vielleicht
bis ein halbes Jahr, wie mich deucht:
am Meer und im Fjell.

Bei all dem: Die Mitsommernacht:
die Erkenntnis, hat sie die wirklich gebracht:
Sie sei die Mitte des Sommers?

Gibt´s da zwischen Frühling und Sommer
gar ein Duell?

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