Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Vom wahren Paradies

Ach, Gehorsam sollten wir lernen
im Paradies.
Nicht zu uns selber kommen,
sondern zum Vater.
Wollte die Schlange
uns ebenfalls zähmen?
Eva befreite uns.
Manche Mühsal
nahmen wir auf uns.
„Empört euch“
kostet uns schon etwas.
Geerdet kamen dem wahren
Paradies wir aber
immer näher,
solange wir uns
kümmerten umeinander.

Im Bann des dunklen Zeitalters

Schimärenzüchter:
Geflissentlich überzeugen sie
mit Höllengetöse.
Das brauchen sie
als Unterwelt-Diener.
Besessene sind sie,
verpflichtet der Angst
vor dem Vergehen ins Nichts.

Bleiben wir hängen
auf leimbeschmierten Straßen
ins Hoffnungsvolle?
Glauben wir, dass es das gibt:
löwenhafte Gesinnung,
verbunden mit zickigem Getue
in gespaltener Rede?
Lassen wir uns einschüchtern
durch pseudoreligiöses Gehabe?
Schwer wiegt die Sorge
um Verlust an Erfolg,
um Strafe für nicht gewagte Versprechen.

Ach, ein Paradies
können wir niemals bieten,
aber Redlichkeit bleibe die Richtschnur
beharrlich,
auch wenn die Erben des Typhongeschlechts
verwirrende Sprachen erfinden
und Muster.
Auch wenn in Echidnas Manier
schöne Augen zu machen
sie sich mühen.
Ohne Beharrlichkeit können vor ihnen
wir uns nicht retten.

Magische Wahrheit

Wahrheit:
durchschaubar nicht,
aber erkennbar;
Bedingungen klar,
aber keine Dogmen;
Verzicht auf Krieg
gibt definitiv die delikatere Sauce
als der Bombenabwurf:
Blut ist eben nicht nur süß;
bitter der tödliche Nachgeschmack.

Der Wählerwille
ist unbekannt, erst recht
nach der Stimmenauszählung.
Konfusion:
Ergebnis der Klärung
durch ein Gemisch
aus Regeln und
regelmäßigen
unvorhergesehenen
Empfindlichkeiten.
Endlos aufschieben
lassen Entscheidungen sich selten.
Aber Verstörung
lässt sich oft nicht
vermeiden.

Liebe ist nicht immer
eindeutig beweisbar.
Magie mag vieles da ändern,
beweisen lässt sich durch sie
gar nichts.
Hass: oft der Liebe so nah;
oft aber ihr Tod.
Was wissen wir schon,
bevor wir’s erfahren?
Feindschaft oder Kooperation:
keine unauflöslichen Gegensätze.
Das Nordlicht verbindet
alle Farben des Unerfindlichen.
Die Himmelbläue
lässt sterben und leben.
Auf nichts ist Verlass
in der Verlassenheit.
Aber glückliche Fügung
lässt sich erkennen.
Die Blüte, wie sehr
bewundern wir sie am Ende.
Nur die Zeit bis dahin
ist manchmal unglaublich lang.

Gut ist’s
die Magie zu üben.
Worte sind doch genügend
vorhanden
und Laute
und Konnotationen,
manches Mal ja auch Reime,
und Herzblut als Kleister
des Unwahrscheinlichen,
das uns schließlich begeistert.

Schriftsteller-Magie

Ich schneide mir etwas ab
vom Kuchen der Realität,
unterscheide das Brauchbare
vom Unnützen, vom Banalen.
Ich wähle aus,
ich wähle.

Was ich mit meiner Wahl treffe,
erhebt einen Anspruch
auf Geltung
über die Mehrheit hinaus.

Wahrheit ist etwas
Ausgesondertes,
etwas Gekröntes,
Auserkorenes,
ein Diamant:
schneidend den härtesten Stahl.

Freiheit,
geistiges Sich-Erheben,
nicht über andere,
nein, schwebend
und leicht:
sie fliegt als Same
am Fallschirmchen
hinaus
auf der Suche
nach fruchtbarem Land
um zu wurzeln.

Was man oft im Wahlkampf ertragen muss

Aber aber,
was ein Gelaber,
wenn Reden verschleiert,
wenn Antwort rumeiert.
Wenn im Wunsch zu gewinnen
die Worte gerinnen,
statt einfach zu äußern,
was innen bleiben nicht kann,
weil’s in verschlossenen Häusern
verfehlt das Ohr von der Frau und dem Mann,
die es hören doch müssten.

Verrat

Am ehrlichsten
Verrat.
Außer
wenn ich mich selbst
verrate
und auch liebe Menschen.

Das eine Mal
Aufbegehren,
Widerständigkeit,
Aufopferung.
Zum andern
Rettung suchen
im Untergehen.

Treue,
welch ein Unwort,
wenn ich gehorsam bin
dem Unrecht!

Treue,
welch letztes Vertrauen
in den Sinn
meiner Überzeugungen,
auch im Scheitern
(wie es die Welt sieht)!

Aus dem attac-Rundbrief 01 / 16:

„Attac hat gemeinsam mit Medico International, dem Institut Solidarische Moderne und der Zeitschrift Publik Forum die Initiative ‚Recht auf Willkommen‘ gestartet. …,……

In unserer Erklärung heißt es: ‚Die voranschreitende Zerstörung von Lebensbedingungen, der Hass und die Gewalt fallen nicht vom Himmel. Sie sind das Ergebnis einer globalen Politik, die bewusst ökonomische Interessen über die Interessen der Menschen stellt. Die dabei in Kauf genommene Ausgrenzung von großen Teilen der Weltbevölkerung zwingt Menschen zur Flucht und heizt die Gewalt an. Sowohl zwischen als auch innerhalb der Länder hat die soziale Ungleichheit dramatisch zugenommen – als Folge eines ungebremsten Freihandels zu Lasten der Armen, einer die Umwelt zerstörenden Wirtschaftspolitik, durch Rüstungsexporte in Krisengebiete und an diktatorische Regime.‘

… diese Erklärung kann nur ein erster Schritt sein. Der Anspruch lautet, gemeinsam mit vielen anderen Organisationen, Initiativen und Personen das Meinungsklima im Land wieder zu drehen: Für eine starke Willkommenskultur, für ein unbegrenztes Menschenrecht und für globale Gerechtigkeit.“

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