Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Zutrauen am Himmelfahrtstag

Das Gute ist in den Himmel gefahren.
Weit weg ist es nun, auf ewig verloren?

Die Welt bleibt hier unten mit ihren Gefahren
und Gut und auch Böse wird wieder geboren.

Die Sophia vielleicht kann alles mit allem verbinden
und so können den richtigen Weg wir doch finden.

Horror Prognose: Agenda für Dumpfbacken*

Der Islam gehört nicht zu Deutschland.
Weltoffenheit gehört nicht zu Deutschland.
Religionsfreiheit gehört nicht zu Deutschland.
Soziale Gerechtigkeit gehört nicht zu Deutschland.
Mitbestimmung gehört nicht zu Deutschland.
Vielfalt gehört nicht zu Deutschland
Demokratie gehört nicht zu Deutschland.
Menschenrechte gehören nicht zu Deutschland.

Deutschland gehört
nicht zu Europa.

*Parallel zu diesen Beschlüssen fand eine Aktion der Esslinger DGB-Jugend bei der Maikundgebung der Gewerkschaft in Esslingen statt, über welche die Esslinger Zeitung am 2. Mai 2016 berichtet: „Den ganzen Körper blau eingehüllt, rannte der Räuber durch die Reihen, um die Papierblumen mit Aufschriften wie ‚Solidarität‘, ‚Mitbestimmung‘ und ‚gelebte Vielfalt‘ einzusammeln. Für Nichtkenner der politischen Farbenlehre trug der Demokratiedieb ein ‚AfD‘-Schild auf der Brust. Doch der DGB-Gärtner war dem Dieb dicht auf den Fersen und stoppte sein übles Treiben.“
Übrigens: Die erste Zeile meines satirischen Textes hier oben ist ein wörtliches Zitat aus dem am 1. Mai in Stuttgart beschlossenen Grundsatzprogramm der AfD.

Tropfen im Meer*

Wären wir nur Tropfen im Meer:
wir hätten doch jedes ganz gewiss
unsre Bestimmung und unsere Würde.

Artikel 1 der Schöpfungsordnung:
er unterliegt keiner Beschränkung.

*ein Janka (https://www.maierlyrik.de/blog/der-janka/)

Verlustanzeige*

Hab meine Worte verloren.
Ich weiß wirklich nicht, ob es sich lohnt,
sie dort noch hinter den Bergen zu suchen.

Dort, wo man das Echo noch hört.
Dort, wo ihr Rot immer noch glimmt.

*ein Janka

Blüher*

Ein mächt’ger Kirschbaum und dabei
ein kleiner Birnbaum und die blühten.
Sie blühten um die nicht entschied’ne Wette.

Worin die Wette denn bestand?
Die Blüher kennen so was nicht.

*ein Janka

Bärenkräfte

Die Bärenkräfte lassen nach,
sehe ich mir die Welt an,
wie sie geworden ist:
trist.

Ein Bär aber
bleibt doch ein Bär.
Außer er wird ein Prinz
und kann noch mehr bewirken.

Und ihr haltet mich ja
am Leben
und zeigt mir
mit eurem Mut,
ihr Aktiven,
ihr friedlichen Kämpferinnen
und Kämpfer,
ihr, die ihr durchhaltet:
Du auch kannst Kräfte
mobilisieren.

Welche Lasten
kann ein Bär doch tragen,
to bear doch das Schicksal,
vielleicht das Ergebnis
der Mühe
nicht mehr zu sehen,
aber zu wissen:
Es lohnt sich.

Vor ein paar Tagen hat sich der Todestag von Eugen Grimminger zum dreißigsten Mal gejährt.

Eugen Grimminger war mit Robert Scholl, dem Vater von Hans und Sophie Scholl. befreundet.

Die Widerstandsgruppe Weiße Rose unterstützte Grimminger von Stuttgart aus maßgeblich durch Sachspenden (darunter ein Vervielfältigungsgerät) und hohe Geldbeträge, die er teilweise bei seinen Kunden gesammelt hatte. Am 2. März 1943 wurde er verhaftet und am 19. April 1943 im zweiten Prozess gegen Mitglieder der Weißen Rose wegen Unterstützung zum Hochverrat zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt; die Staatsanwaltschaft hatte auch für ihn die Todesstrafe gefordert, konnte ihm letztlich aber nur eine Geldübergabe nachweisen, nicht aber, was er tatsächlich über den Verwendungszweck wusste. Seine jüdische Frau Jenny Grimminger, bis dahin vor Verfolgung geschützt, wurde deportiert und in Auschwitz ermordet.

Eugen Grimminger starb am 10. April 1986 in Schanbach, dem größten Teilort der Gemeinde Aichwald in der Nachbarschaft von Esslingen am Neckar.

(Der Großteil der Informationen hier ist Wikipedia entnommen: https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Grimminger)

Trübung*

Der Hohenasperg: meist sichtbar
vom Karlstein oder Kernenturm aus.
Doch zur Zeit verbirgt ihn der Saharastaub.

So verschwimmt schon das getreue Gedenken
an den Remstalrebellen und an Schubart.

*ein Janka

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