Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 35 von 307

Annäherung an die Bretagne

Dich,
Land der Menschen
und der großen Steine,
habe ich aufgesucht
und finde mich willkommen,
empfange Eier
und Tomaten als Gastgeschenk
und hol mir Brot und Wein.

Schon lass‘ ich mich
in deinen linden Sommer fallen
in weiches Rasengras,
wo kühle Lüftchen
meine heißgewordne Haut berühren
und liebkosen.

Ich suche mich
dir sacht zu nähern
und
ich will dich kennen.

Tulpen

Der Blickpunkt

Die Tulpen beherrschen den Platz.
Noch tun sie es; doch in einer Nacht
können ihre Blütenblätter schon fallen.

*ein Achtundzwanziger

Die Amsel*

Die Amsel auf dem höchsten Punkt,

wo sie für Menschen nicht erreichbar:

Sie trällert unverdrossen ihr Lied – für uns.

*ein Achtundzwanziger

Das Leben

Der Baum,
uralt steht er da,
uralt.

Der Fluss,
jede Sekunde neu.
Je schneller seine Wasser fließen.
Aber uralt.

Der Wald,
wie viele Bäume!
Uralt,
wenn nicht der Mensch ihn tötet,
die Bäume fällt,
das Feuer in ihm ausbrechen lässt.
Aber da, wo das nicht geschieht:
Uralt dastehend
wie der einzelne Baum.

Das Wasser,
ohne es kein Leben.
Uralt wie das Leben
der Menschen
und Tiere
und Pflanzen.

Wie gehen wir um mit dem Leben?

Noch ist das Leben live.



In Nachbars Garten

Kopfunter,
den Stamm hinab,
läuft der Kleiber,
pickt immer wieder,
wohl weil”˜s was zu fressen gibt,
dreht wieder um, läuft hinauf.

Flankiert wird der Hauptstamm
von eben so kahlen
Stämmchen mit Ästen,
ganz kahl alle,
soweit ich sie sehe:
Runen, Hieroglyphen
vom Winter her,
ein ganzes Gewirr,
so sehe ich”˜s.

Doch lege ich mein Gesicht
wieder tiefer,
aufs Kissen,
so explodiert
darüber,
jetzt im April,
das völlige Grün,
ein Gewirr von Zweigen
und Ästen und Ästchen,
alle bedeckt vom Grün.

Und dorthin verschwindet,
ungesehen schon,
der Kleiber
und fliegt dann doch weg.

Aber ich weiß:
er kommt wieder,
mich zu erfreuen.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders Norén — Hoch ↑