Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Neue Spiegel (u.ä.)-Ecke, zweite Folge

Undefinierte Größe

„Hunderte von Zuschauern, darunter auch Familien, verfolgten in der Nacht zum Sonntag die Aktion“, wie der neue Pliensausteg über die Bahngleise in Esslingen gehievt wurde. So berichtet heute die EZ (Esslinger Zeitung) auf der ersten Seite.
Die Definition des Begriffs Familie, bzw. die Recherche-Methode, wie Familien identifiziert wurden, verschweigt die EZ geflissentlich …

Wobei die Frage bleibt, welche Information durch „darunter auch Familien“ überhaupt vermittelt werden sollte.

Zwischen Seano und Artimino

Wegwartenzeit ist früher
und üppiger gemalt
hier im Etruskerland
als auf den Höhen
zwischen Fils und Rems.
Und Wein wächst zwar
an beider Hängen.
Bienengewimmel auch
am Lavendel.
Doch Milde der Oliven
ist nur hier zuhaus.

Die Mediceer-Villa öffnet sich
dem fremden-Schmuck-ersehnenden
Etruskerfreund
und taumelnd lässt der sich
entführen
in weit entfernte Welten
der Kultur.

Neue Spiegel (u.ä.)-Ecke, erste Folge

Hier will ich – ob lyrisch zu nennen oder nicht (siehe meine Ausführungen unter Theorie der Lyrik – möglichst wöchentlich eine Pressenotiz aufs Korn nehmen (oder auch zwei …). Heute aus dem Spiegel vom 16.7.07:

 

Spiegel-Umfrage: Terrorabwehr

 „Innenminister Schäuble fordert immer wieder schärfere Gesetze zur Terrorabwehr. Halten Sie seine Forderungen prinzipiell für richtig, oder gehen sie zu weit?“

richtig: 50%

gehen zu weit 46%

„Schäuble hat in Extremfällen die gezielte Tötung von Terrorverdächtigen ins Gespräch gebracht. Wäre dies eine angemessene Maßnahme des Staates, um seine Bürger zu schützen?“

ja 20%

nein 77%

Spielen für viele Befragten Prinzipien so wenig eine Rolle ”“ oder sprechen die Ergebnisse gegen die Qualität der Spiegel-Umfrage?

 

 

Nonkonformismus 

Fast schon bin ich beglückt,
wenn ich im Spiegel lese:
Das Projekt der Bahn-Privatisierung
stoße in der SPD
auf massive Kritik und „dürfte
den Parteitag Ende Oktober
turbulent werden lassen.“

Die Bahn gehöre,
so die Kritiker,
„zur öffentlichen Daseinsfürsorge,
die nicht auch noch
marktwirtschaftlichen Prinzipien
geopfert werden dürfe.“

Traurig stimmt mich dann
vom selben Artikel
das Zitat eines „Spitzengenossen“:

„Das könnte eine noch größere
Sprengkraft entwickeln
als das Thema

Afghanistan.“

Ist meine SPD
auch bei den NonkonformistInnen
so wenig
militärkritisch
oder bin ich nur
dem Spiegel-Stil
aufgesessen?

Aus Vinci

Das Haus, aus Feldstein
gebaut, umstanden
von Olivenbäumen,
einem Feigenbaum,
ein paar Zypressen
und einer Pinie.
Weingärten nicht weit,
Hügel nah, Berge ferner.
Flusstäler hineingebettet
in das Land.
Tiefgründiges Blau
über allem.
Ein neuer Leonardo könnte
geboren werden.

Wo die Liebe hinfällt

Sage mir keines von Euch:

Ein ästhetisch gesinnter Mensch

frisst nicht.

*

Ich nämlich habe einen Narren gefressen

an den Nachtkerzen

in unserem Gärtchen.

*

Nicht dass mich die schlaff

herabhängenden,

ausgelutscht aussehenden

verblühten hautfarbenen Dinger da,

die vor nicht viel mehr als einem Tag

Blütensterne noch waren,

noch irgendwie anmachten.

*

Nicht dass der sonnigste Platz in unserem

Rasen – nein: so kann man ihn allerdings

wirklich nicht nennen ”“

anderen Blumenrabatten nicht auch gut bekäme

und der Lavendelstrauch nebenan

nicht in unglücklicher Ausweichbewegung

seiner seitlich abgespreizten Blütenstängel

die Steinplatten-Tritte des Wegs

zum schattigen Birkenplätzchen

versperrte.

*

Doch diese Sterne, die bei Einbruch jeder Nacht

gelb zu strahlen beginnen, zu leuchten, zu jubilieren

und noch in den nächsten Tag hinein sich bewahren

dem liebenden Blick, dem verzückten ”“

*

wie sollte ich ihnen da wehren,

ihre Kolonie zu behaupten,

die sie einmal erobert?

Dankbarkeit

Undankbar erscheinen

angesichts der Unvermeidbarkeit

des Mangels an überschwellendem

Glücksgefühl

nach neu geschenktem Leben?

–

Die Dankbarkeit nur festmachen

am Willkommenheißen

der orangefarbenen Lilien,

der leuchtenden,

des farbbetupften Hibiskusstrauchs,

des Blauen Eisenhuts

– alle noch ohne Blüten

in unserem Gärtchen

vor der nun geglückten

gefährlichen OP?

Großstadt-Ruhe vor einem entscheidenden Ereignis

Nach erfolgreichem Eingriff in die Arteria basilaris im Stuttgarter Katharinenhospital bin ich nun wieder zu Hause. Seither ist mir zwar noch kein Gedicht gelungen – jedenfalls keines, das ich hier zum Besten geben will. Aber dasjenige, das ich meinen Angehörigen hinterlassen wollte, sollte die OP schiefgehen, möchte ich hier abdrucken:

So weiß ich mich geborgen
inmitten dieses Kranzes
der Hügel rund
um Stuttgarts Schalengrund gelagert.
 
Vom Kessel sprechen Leute,
die’s nicht besser wissen,
die nichts von Wölbungsgunst
der Mutter Erde hörten,
die ihre Fingerkuppen, Finger,
ihren Ballen
so schützend um mich Bangen legte
in ihrer grün bewachs’nen Hand,
 
wo im Kristall des so Geword’nen
die Spuren der Geschichte sich geordnet,
der für uns Württemberger großen,
für hier Herangewachsene wie mich
so überaus bedeutenden und tiefen.
 
So leg ich mich in dieser Nacht
vor der Entscheidung
zum ganz beruhigten und stärkenden
und himmelüberwölbten Schlaf
trotz allem Reifenquietschen und Motorenlärm.

Blogpause

… voraussichtlich bis zum 23. Juni 2007 (hoffe ich). Da soll ich aus dem Krankenhaus entlassen werden – wenn alles gut geht.

Helmut

Spitzengeschäfte

Dialog I

 

– Ich war heute Morgen mal wieder

beim Kassensturz-Machen.

(Neue Sparpläne ausdenken)

 

– Pfennigfuchser?

 

 

Dialog II

 

– Ich war heute Morgen mal wieder

beim Spam-Löschen und so weiter.

(Bleistiftspitzen-Geschäft am Computer)

 

– Griffelspitzer?

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