Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 228 von 301

Vorbehalt

Eine Zeitlang
durch die Fjordflächen kreuzen,
eine Zeitlang
in den silbrigen Streifen der Sonne
sich verlieren,
im Ergötzen versinken.

Doch dann wieder,
auf festem Boden angelangt,
wissen wohin zu treten
ohne Schwanken
und im Bewusstsein,
dass er trägt,
ja, zu spüren,
dass sie trägt,
die Mutter Erde.

Und sich nur noch erinnern
an die schwankenden Planken
des reinen Wohlergehens.

Vertrauen

Vertrauen in die Haltbarkeit
eingerammter Pfähle.
Sie tragen verlässlich
rotgestrichene Fischerhütten
am Ufer.

Sie tragen Verbandlungen
für lange.
Verwandlungen tragen sie
von einer Zeit in die andre.

Sie tragen Verlässlichkeit
in der Vielfalt.
Hornklee nutzt die,
wenn er sich festklammert
im moorigen Boden,
umschwärmt von Scharen
von Orchideen.

Und draußen im offenen Meer
liegen und liegen
die Schären.

Elsa Laula und der 6. Februar

Leben oder Tod?
Sie hatte die Entscheidung
nicht in der Hand.
Und doch schrieb sie an
gegen den Tod ihres Volkes.
Ihre Entscheidung trug
die Entsandten ins Treffen
in Trondheim, der Königsstadt,
angefeuert von dieser Frau,
der ersten Saami-Dichterin,
Elsa Laula Renberg aus Schweden,
deren Werke vorlagen, gedruckt.

Sie kamen zusammen 1917 aus Russland,
aus Finnland, aus Norwegen und Schweden.
Der samische Nationalfeiertag,
begeistert von diesem Treffen,
ohne die Dichterin wäre er nicht,
nicht ohne die Kühne,
die nach Stockholm reiste,
mit dem König zu reden
und ihm zu klagen das Leid,
von dessen Bewirkern er ja war
einer der großen Repräsentanten.

Mit vierundfünfzig Jahren
starb Elsa 1931 in Brønnøy
an Tuberkulose.

Lofoten

Die Fähre von Bodø.
Annäherung an die Lofoten.
Eine Wand türmt sich auf,
nicht undurchdringlich:
Eingänge tun sich auf
in die Sunde und Fjorde.
Sind Irrwege möglich?
Gibt´s den Weg
in die verheißene Mitte?

Den deinen
sollst du finden.

Verwirrung

Die Mittsommernacht
ist keine Nacht.
Es ist dann taghell.

Und s´ist nicht nur ein Tag,
wie man´s nennen wohl mag.
Achtundvierzig Stunden sind´s, gell?

Das aber nur an dem Punkt
(da hat es gefunkt),
an der einzigen Stell:

Wo der Polarkreis geschnitten
und im Jahr in der Mitten,
da ist´s so lang hell,

weil den Horizont dann die Sonne
nur grade berührt voller Wonne
in der Mitte der ”šNacht´ auf alle Fäll”˜.

Nicht um Mitternacht
hat´s die Sonne gebracht.
Nicht ganz so schnell:

Es macht die Sommerzeit:
Noch ist´s nicht soweit.
Erst etwa um eins kommt die Stell”˜.

Und auch da nicht genau.
Überlegung macht schlau:
Nirgends gilt ja die Ortszeit aktuell.

Und nördlich vom Polarkreis bestimmt
die Sache ne Wendung noch nimmt:
die Sache wird grell:

Der POLARTAG dauert vielleicht
bis ein halbes Jahr, wie mich deucht:
am Meer und im Fjell.

Bei all dem: Die Mitsommernacht:
die Erkenntnis, hat sie die wirklich gebracht:
Sie sei die Mitte des Sommers?

Gibt´s da zwischen Frühling und Sommer
gar ein Duell?

Mittsommer

Im Reich der Trolle
reichlich Träume trinken.
Ich seh”˜ die Sonne nicht
am Horizont versinken.

Die Träume ohne Nacht erleben,
sich doch dem Nebelwunder
ganz ergeben.

Die Tränenströme, die da
von den Bergen rinnen,
eröffnen Freudenspuren
ganz nach innen.

Die Trolle schweigen,
lassen mich erschauern.
Das Glück jedoch,
es soll noch eine Weile dauern.

Empfangsbereit ist das Gemüt.
Johannisfeuer glüht.

Wal, Whale, Hval

Wallfahrt zur Wahlfahrt
bei Andenes auf den Vesterålen
Buckelwale und Pottwale zu sichten
am nahen Kontinentalhang
mit 90% Sicherheit
Finnen auftauchen sehen
oder die Fluke
beim Abschied des Pottwals
als Abschiedsgeste
noch hoch aufragend
vor dem Verschwinden
in die Tiefen des Meeres
zu sehen eines Tieres
von 100 Tonnen

Was bin ich Schwergewicht da
mit meinen wenig mehr
als 80 Kilo?

Sommerüberraschung

DÃ¥ neiilich,
wo m´r grad Oslo v´rlassa hent
Richtong Norda,
hent m´r ons gsait:
Ha no, m´r fahrat halt heiit,
bis dong´l wird.

DÃ¥ sent m´r am End
am Nordkap
g´landet.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑