Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Bereit

Bereit sein etwas zu tun.

Das zu tun, was ich kann.

Nicht mehr und nicht weniger.

Aber für das Gute ”“ grundsätzlich,

allerdings nicht angepasst an das Schlimme!

Mir ist kalt

Mir ist kalt.
Nicht bloß, weil ich (noch) nicht heize,
nein, das würde mir nicht wirklich
was ausmachen.

Aber mir ist kalt,
weil die Außenministerin
so von „wertegeleitet“
dahinschwafelt
und von einem totalen Sieg
der Ukraine redet.

Mir ist auch kalt,
weil mein lieber Enkel
bei „Metaphern“,
wie dass „in westernartiger Schlichtheit“
(so in einem Zeitungsartikel)
ihr „Klartext“
gegenüber dem „Zaudern“
des Kanzlers oft gelobt werde,
fast in Lachen ausbricht,
weil ihn diese Sprache
an Gedichte während des
ungeliebten
Deutschunterrichts erinnert.
Versteht er, was er sagt? Oder

verstehe ich ihn nicht?

Ist mir so kalt,
weil ich die „westernartige Schlichtheit“
so klar finde und so verständlich,
weil der Westernheld eben
Gewalt leider für so naturgegeben
und notwendig hält?

Und mir ist so kalt,
weil ich so vieles,
was in Diskussionen
gesagt wird, so schnell
nicht mehr verstehen kann.

Ach, dieser Herbst

Ach, dieser Herbst:
die letzte große Ernte von Äpfeln
– vor dem kalten Ende des Atomschlags?
Nein, ich will noch leben
– und mit mir
(und länger:)
ganz viele Menschen.
Trotz Putin.

Herbstliches

Gestern war der Himmel
oft noch ganz blau,
es war ganz schönes,
fast sommerliches Wetter
dann wieder war der Himmel
von Wölkchen bedeckt,
ein Potpourrie von allem,
als wollte sich das Wetter
noch einmal in der Vielfalt zeigen,
dann gab es kurze Zeit
eine dicke, schwarze Wolke,
und sie verschwand wieder
und am späteren Abend
regnete es plötzlich
wie aus Kübeln.

Und heute
grau, überall grau,
ist es der wirkliche Herbst?
Kein Sonnenaufgang,
kaum Farben in der Natur.
Kein bisschen Blau mehr am Himmel,
als hätte es das Gestern
gar nicht gegeben.

Und morgen?
ich kann mir
nicht mehr sicher sein.
Morgen?
Morgen?
Ist da noch einmal Sommer?
Oder schon Winter?
Und gibt es den Herbst
überhaupt nicht mehr

außer heute wirklich?


Der frühe Herbst*

Ein Wildrosenstrauch, noch im Laub,
ein feines, ein einziges Stämmchen
und da und dort bewegt der Windhauch ein Blatt.

Und durch und durch blühen geradezu die
Hagebutten, so rot, so rot.

*ein Janka

Endlich*

Endlich gar keine Hitze mehr.
Regen statt dessen ”“ überall nun.
Und schon wieder haben wir ihn fast über.

Nun warten wir eben bereits
auf den sonnigen Oktober.

*ein Janka

Vergangene Zeiten

Vergangene Zeiten

Zeiten der Begeisterung.
Zeiten der Trauer,
ach, wie groß!
Zeiten der Nachwirkung.
Und Zeit, in der die Welt
stillzustehen scheint.
Dann wieder Zeiten der Hoffnung,
der Zuversicht.
Ära der Bewunderung,
aber auch der Enttäuschung.
Dann wieder Scherze
und Späße.
Und depressive Stimmungen.
Ach, was noch mehr?
Zeiten, Zeiten,
vergehende Zeiten,
vergangene Zeiten!

.

Was mir so alles einfällt, wenn ich an vergangene Zeiten denke: Da ist z.B. die Rede von Charles de Gaulle vor 60 Jahren in Ludwigsburg, wo ich als Student zu diesem Jugendereignis von der Pädagogischen Hochschule Stuttgart eine Einlasskarte bekam, um dem großen Mann zuhören zu können und das erste Mal das Gefühl hatte, das mit Europa könnte etwas werden.

Dann erinnere ich mich an 1965, als ich extra von Wernau nach Stuttgart gefahren bin, um die Königin Elizabeth II. bei ihrem Staatsbesuch in Baden-Württemberg auf dem Balkon des Stuttgarter Neuen Schlosses stehen zu sehen und zum Volk von Stuttgart zu reden. Oder sagte sie gar nichts? Ich weiß es nicht mehr, aber der Eindruck war enorm, obwohl ich ganz und gar „Republikaner“ (im besten Sinne) war. So viel zum Todestag der Königin dieses Jahr am 8. Mai 2022.

Die Saga ging damals um, dass Elizabeth eigentlich nicht die Schillerstadt Marbach, sondern das Gestüt Marbach auf der Schwäbischen Alb besuchen wollte, da sie es ja mehr mit Pferden als mit württembergischen Dichtern hatte. Deshalb fiel es ihr schwer, ihre Enttäuschung in der Schillerstadt zu verbergen.

Nun also ist doch noch ihr Sohn als König Charles III. In dieses Amt gekommen. Mein englischer Freund Anton Bantock, Enkel des Komponisten Sir Graham Bantock, hat damals, als der 20jährige Prinz Charles 1969 auf Caernarfon Castle in Wales von seiner Mutter zum „Prinz of Wales“ ernannt wurde und er eine Rede auf Welsh halten musste, gesagt, sein Welsh sei nicht so gut gewesen wie mein Brief in Welsh an den Ladenbesitzer in Harlech gewesen sei. Das war natürlich ein Scherz! Aber dass er jünger ist als ich, war mir bis heute gar nicht so klar.

Und da ist natürlich der 23. Juli 1971, als meine Frau mich zum Manne nahm und Anton Bantock und Hannas Schwester Grete Trauzeugen waren, und der 30. Juli, an dem wir den kirchlichen Segen dazu bekamen und da waren die vielen Reisen, die wir zusammen erlebt haben. Die bisher letzte war, dass meine Frau und ich, auf unserer Urlaubsreise dieses Jahr, einen gemeinsamen Besuch in Montagnola im Museum und im Dorf machten, das an Hermann Hesse erinnerte, den Nobelpreisträger in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges.

Und da waren die Kinderjahre im Zweiten Weltkrieg. Der Vater war „im Krieg“, war Soldat. Erinnerungen an den Krieg nur sehr bruchstückhaft. Aber viele Jahre später in einem Museum in Reutlingen späte Erkenntnis: die verriegelbare Tür im Keller des Gebäudes: wie die bei uns in Degerloch: dahinter der Keller als Unterschlupf beim Bombenfall! Mein festgehaltener Kommentar mit etwa 2 1/2 Jahren: „Holla“ beim Bomben-Einschlag drei Häuser weiter. Evakuierung im Schwarzwald mit meiner tapferen Mutter. Besuche bei meinem Vater ”“ auch in Konstanz. Er ließ mir die Locken abschneiden. Heimkehr nach Degerloch. Der Opa rettete das Haus, warf Brandbomben auf die Straße. Die Grundschule in Degerloch. Heimkehr des Vaters aus Kriegsgefangenschaft. Er brachte mich merkwürdigerweise aufs Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Am Anfang dieser Zeit musste ich von Degerloch mit der Bahn an den Schlossplatz fahren und dort umsteigen. Dabei hörte ich irgendwie, dass das Land Baden-Württemberg durch die Bildung der ersten Regierung unter Reinhold Maier mit der FDP/DVP und der SPD gegründet war.

Ich machte schließlich das Abitur. Dann wollte ich Volksschullehrer werden, besuchte das Pädagogische Institut, das dann Pädagogische Hochschule wurde.

Ach, da waren auch noch Kennedy’s Ermordung, da war die Mauer, deren Errichtung ich bei einem Industriepraktikum erlebte, da war Gorbatschow, der Fall der Mauer wieder, die deutsche Einheit, usw. usw.

Zeiten, Zeiten, vergangene Zeiten.

Aber nun doch ein paar Bilder aus Hesses Montagnola:







Am Lago Maggiore*

Schwimmen im See, das ist doch schön!
Doch manches Mal geht es ans Leben,
ist man alt, ungeübt und ein bisschen schwach.

Knapp konnte ich mich retten am runden Fels.
Mit Fingernägeln festgekrallt noch manchmal.

*ein Janka

.

Um das Ganze mitzuerleben hier noch eine Abschrift aus meinem Tagebuch vom 30.8.2022:

Heute habe ich meinen ersten körperlichen Kontakt mit dem Lago Maggiore gemacht: Schon beim Reingehen zum Schwimmen hätte ich selbstverständlich merken müssen, dass ich zu weit auf dem trügerisch rutschigen Felsen gelaufen war, von dem ich dann ins Wasser geplumpst bin. Aber ich machte mir noch nicht wirklich was draus: Ich würde vielleicht mit viel Vorsicht wieder aufs Trockene kommen.

Jetzt aber wollte ich zuerst einmal ein wenig rausschwimmen – und es war wundervoll angenehm (ich meine: die Temperatur) und es war großartig, dass meine Arme wieder kräftiger waren als in dem kleinen Bergsee auf dem Campingplatz von Tengen, wo ich das erste Mal seit langer Zeit geschwommen bin.

So, im Vollgefühl des Eins-Seins mit dem See schwamm ich zurück, nicht gleich an die Stelle, wo ich reingeplumpst war, aber die paar Meter waren ja keine Sache, also nach links dem „Ufer“ entlang. So, hier musste es sein, hier hatte ich meine Sachen auf dem Felsen abgelegt. Also jetzt: gerade auf den Felsen zu, aber warum war ich vorher hineingeplumpst? Sehr, sehr rutschig war der vorgelagerte Fels. Und ich konnte mich nirgends richtig festhalten. Ich rutschte wieder ins tiefere Wasser ab. Noch ein Versuch! Wieder rutschte ich ab. Beim dritten Versuch gelang es mir, mich mit den Fingernägeln einer Hand an einer Stelle, wo es ging, festzukrallen.

Nach längerem Suchen fand ich, von den Wellen sehr behindert, auch mit den Fingern der anderen Hand einen festeren Halt zu bekommen. So konnte ich mich ein wenig auf den rutschigen Felsen hochziehen, um mit der ersten Hand wieder einen Halt zu finden – ganz ähnlich wie ein Kletterer – und dann auch mit der anderen Hand mich irgendwo weiter oben auf dem wasserbedeckten Vorfels festzuklammern – wieder nur mit den Fingernägeln.

So gelang es mir, mich mit dem restlichen Körper hochzurobben, so dass ich auf dem Fels zu liegen kam. Jetzt endlich auch mit den Füßen und jetzt auch halb in der Lage mich umzudrehen, so dass ich mit dem Teil meines Pos in eine sichere Lage zu bringen fähig war, so dass ein weiteres Abrutschen nicht mehr so sicher war.

Da lag ich nun, ziemlich erschöpft. Und da kamen zwei junge Männer, die mir aufhalfen und mir gut zuredeten und mir von einem der beiden auch ärztliche Hilfe anboten, die ich glücklicherweise nicht bedurfte. Sie geleiteten mich auch bis zu meinen Sachen auf dem nicht mehr so rutschigen, trockenen Felsen. Ich bedankte mich ganz herzlich bei den beiden jungen Männern, die auch von der Villa Ottolino waren wie wir.

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