Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Wintersonnwend-Trilogie

Damit bei allem Weihnachts- und Adventstrubel die Vorbereitung auf das alte Fest der Wintersonnwende nicht zu kurz kommen muss, hier die drei Gedichte dazu aus meiner alten Sammlung „Wintergedichte“ (https://www.maierlyrik.de/Wintergedichte.pdf):

Wandel

Weniger werden die Tage
des schwindenden Lichts.
Die Sanftheit des Dunkels,
die Wonne des Winterschlafs
wird schon gemindert.
Ein Neues wird kommen.
Genommen wird und gegeben.
Trauer ist ja ein Teil
jedes Wandels.

Auftakt

Ein Keil in die Nacht geschlagen.
Hammerschläge verhallen.
Stille breitet sich aus.
Lichtfunke glüht.
Frost regiert noch ein Weilchen.
Das wärmende Feuer:
Wir entfachen´s.

Nüchternwerdung nach dem Feiertagsrausch

Wenn nun die Nächte kürzer wieder werden,
so raffe ich mich auf und sage
dem Winterschlaf Ade,
wenn jeden Tag uns von Natur aus schon
mehr Raum im Licht für Tätigkeiten bleibt,
so wie die Alten sagten:
„zu Nutz und Frommen“:
wenn Nützliches gleich Angenehmes heißt:
nicht noch mehr Dividende,
die nicht mehr als geteilt,
die als gerafft, geraubt zu gelten hat,
nein, dass ich vom Gemeinbesitz der Menschen
weltweit das, was mir zugeteilt, annehmen kann,
dass meine inn´re Würde drunter nicht leidet.
Ruhmreiche Schande wünsche ich mir nicht.

Vom Dichten – eine weitere lyriktheoretische Kurzüberlegung

Ich glaube nicht, dass die dichtende Zunft Wirklichkeit verändern darf (und auch nicht will), wenn dabei eine Verfälschung der Wirklichkeit entsteht. “dicere”, von dem “Dichten” herkommt, deutet ja darauf hin, dass dabei etwas Wichtiges, Richtiges “gesagt” wird. Nur wer wirklich etwas zu sagen in der Lage ist, was Bestand hat, gehört zu den Dichterinnen und Dichtern. Es ist genau zu unterscheiden, inwiefern nur geschrieben oder gedichtet wird.
Das Verb “erdichten” dürfte also nicht benützt werden, wenn Wirklichkeit verfälscht, sondern wenn neue Wirklichkeit(en) geschaffen werden.

Auf die Melodie von Moon River zu singen

Was weiß ich,
warum heute Nacht
ich immer nur gedacht:
Warum?
Warum immer
noch einmal schlimmer
es kommt als ich immer
gedacht habe.

Warum nur
lassen Menschen noch
sich das gefallen doch,
was ja
nur denen, ja
nur jenen alleine
behagen kann,
denen´s schon gut geht.

Die Mächt”˜gen
Warum haben sie
denn mehr Anrecht als die,
die doch
genauso eben
ein Recht auf Leben
besitzen und gerne
dies Recht auch genießen.

Die Sehnsucht
bleibt wohl immer mir,
dass endlich einmal wir
bestimmt
ganz solidarisch
und exemplarisch
gemeinsam den Wohlstand
in Frieden genießen.

Was weiß ich,
warum heute Nacht
ich immer nur gedacht:
Warum
es das immer
im Morgenschimmer
nicht endlich doch geben kann
und das für Frau und Mann,
für Frau genau wie Mann. (für diese letzte Zeile selber eine Melodie finden!)

Wird Lug und Trug doch noch sichtbar?

„Die Kosten des Projekts laufen aus dem Ruder. Wenn nicht alles täuscht, dürften die bisher geplanten rund 4,5 Milliarden Euro für den Bahnhof nicht reichen. Kaum einer zweifelt noch daran, dass der Kostendeckel gesprengt wird. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Baumaßnahem sich noch im Anfangsstadium befinden.“

(aus diesem Beitrag des ZDF: https://www.heute.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/25442254/81f932/Stuttgart-21—mir-g%C3%A4bet-nix.html?utm_source=zdfonline&utm_medium=twitter

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