Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

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Träumerei

Ich möchte gerne im Vergnügen baden,
entgehn dem Alltag, diesem faden.
Doch dafür tun will ich gern nichts.
Will mich enthalten des Berichts,
den höhere Instanzen von mir fordern,
und einfach das Vergnügen ordern.

Am besten nur in den Gedanken,
an keinen Briefkasten hinwanken
(nicht einmal zu dem Mail-Account,
der auch nicht ohne Mühen raunt).
Und das Vergnügen ganz immateriell,
mir genügt´s schon ganz ideell.

An einer Welt mich zu vergnügen,
wo Menschen sich nicht grundlos rügen
und Rügen auch ganz gern entsagen,
die man an sie herangetragen.
Kurz: eine Welt will ich genießen,
wo´s einfach heißt: Wir wollen diesen.

Wir wollen diesen immer neuen
Weltfrieden und uns drüber freuen.
Wir wollen, dass die andren wollen,
was wir uns wünschen und nicht grollen,
wenn sich die Wünsche ganz erfüllen
für sie und uns in Wundertüllen.

Das Paradies sei so etwas?
Na und? Mir jedenfalls machte das Spaß.

Verbleibende Verantwortung

Wenn jetzt, wenn bald der Frühling kommt,
den Winter habt ihr schnell vergessen:
Ein Jauchzen wird sein, so auferstehungsfroh.

Doch ist ein Winter, trotzig und machtverliebt,
eiskalt hält er sich nicht an Jahreszeiten.

Er will im Streben nach dem Machterhalt
auf Dauer und gesichert fortbestehen.

Ihn kümmert Leid der Menschen nicht die Bohne.
Sehr braucht er, auch trotz”˜gen, Widerstand
von uns, damit die Menschen glücklich leben

und einen Sommer wenigstens
in voller Wonne und genug genießen.

können.

Zweifelhafte Aussichten

Schneebrocken liegen noch
im Geäst des Eibenbusches.
Sind´s Osternester oder
wird Ostern verschoben
um wenige Tage?
Wer aber weiß,
wie kalt es dann sein wird?
Ungewissheit ist
die Mode dieser Tage.
Ach, Wetter der Karwoche,
lass doch noch ein paar Tropfen
auf diesen Eibenbusch fallen.
Verheiße uns doch: Wenigstens
können wir uns noch an irgendwas
halten in diesen Tagen,
die uns so unvertraut waren.
Wir wollen noch unvertrautere Tage
zu ertragen lernen, wenn
nicht alles den Bach runtergeht
in der Schneeschmelze unserer Zeit.

GROTESK

Wie grotesk:
Ein Kriegsminister,
der sagt, es sei
(Amen sagt er
UND WIR BETEN
betreten)
„Teil der Friedensbewegung“
DIE BUNDESWEHR.
UND WIR BETEN
gehorsam,
betreten
ein schauriges neues
BUNDESWUNDERLAND
voller Blut, voller Blut.
UND KEINE WUT.
Und keine Wut.
Und keine Empörung?

Erheiterung*

Baumgeäst, du moosbedecktes,
du sonnenscheinilluminiertes,
schlängelst dich lächelnd da durch meinen Morgen.

*ein 28er

Hier die Antwort von Brigitte, die sich ihren eigenen Reim darauf gemacht hat:

Das lässt den Morgen ringsum strahlen –
fast kann man schon mit Frühling prahlen”¦

Glück gehabt*

Aktiv gegen Stuttgart 21

Aktiv gegen Stuttgart 21

Überzuckerter Tortenguss.
Präsentation des Nachhinkenden.
So harmlos nur in meiner Ecke Deutschlands.

Anderswo tobte der Winter
noch einmal kräftig und schnaubte.

*ein Janka (ein Fünfzeiler mit einem Dreizeiler des Silbenschemas 8-9-11 plus 2 Zusatzzeilen)

Heutiger Wahlkampf

Der Hund, der misrablige,
der Dich beschissen hat,
könnte ein Hundesohn sein.

Aber heißt ein Bayer
einen andern ”šan Hund”˜,
meint er vielleicht:
der ist schlau und gerissen.

Merkst du da
die Bewunderung?

Lügenpack nennen wir sie,
die uns betrügen,
ein X vormachen für ein U,
in die Tasche stecken
das Geld aus den unsren.

Und sie meinen,
warum nicht ”ša Hund”˜?
”šLügenpack”˜, ach,
empfinden sie längst
als Bewunderung.

Wie aber können wir noch
sie entlarven
mit unseren Worten?
Erwischen müssen wir sie
auf frischer Tat
und sie stellen
und unserer
viele dabei sein.

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