Maier-Lyrik

Lyrisches von Helmut Maier

Seite 144 von 305

Wetterwechsel*

Ein Wolkenklecksbild am Himmel:
Zwei Hasen: rechts blickend, links schauend.
Die Sonne im Blau spendet neue Wärme.

*ein Achtundzwanziger

Monika Meise (https://webloggia.wordpress.com/) hat einen ganz wunderbaren Kommentar-Achtundzwanziger dazu geschrieben.
Den darf ich Euch keinesfalls vorenthalten:

Es ist so mild – kein Winterbild
Dennoch liegt Ostern in der Ferne
Sollten es doch Schneehasen gewesen sein?

Not wendende Notwendigkeit

Wendig dem Weh sich entwenden,
nicht dulden in allzu langer Geduld
ohne Widerspruch,
was nicht hinnehmbar ist;
aber verstehen Verständliches,
einräumen ihm voller Respekt
offene Räume, wo es sich treffen lässt
ohne Gewalt,
um zu verhandeln,
was ein Handel sein könnte
zwischen den Kontrahenten:

Wo ist noch dieser Versuch,
der Versuchung zu widerstehen
aufs selbstgemachte Recht zu pochen,
das den anderen ausschließt
und schließlich doch Feind
immer sein lässt
und Chancen vergibt,
Freundlichkeit zu erfahren,
auch wenn nicht Freunde
von vorneherein
gegenüber sich stehen?

Wo gibt es noch
das Diplom
der Diplomatie?

Gastlyrik von Jennifer Hilgert

Ich freue mich, eine Gastlyrik der Autorin Jennifer Hilgert präsentieren zu dürfen.
Sie hat mir folgendes Gedicht zur Verfügung gestellt:

Wenn etwas neu an Glanz gewinnt,
etwa ein Kindheitsschatz:
ein Diamant,
der achtlos staubig in der Ecke lag
und von niemandem mehr Beachtung fand –

Dann ist es einer dieser Tage.
Der dem Rande
der Bedeutungslosigkeit entrinnt.

Ihre ‚Seiten im Netz sind folgende:
https://www.facebook.com/dichtverkehr
und
https://de.dawanda.com/product/46888594-Ihr-persoenliches-Gedicht

Toleranz – seit jeher

Ach, wie tolerant wir doch sind:
Wir warten mal ab,
noch dulden wir das,
aber sie werden schon sehen,
wohin das führt:
unsre Geduld
über Gebühr belasten
können sie auch nicht;
wenn die Gelegenheit günstig
endlich geworden,
schlagen wir zu,
schlagen wir zu,
schlagen wir sowas
von zu.

*Etymlogische „Meditation“

Nicht einmal nur Indoeuropäisch

Ein Inder,
his mother tongue
is not Hindi.
Parla Italiano
mit seiner Frau.
Deren Muttersprache
ist Ungarisch.
Viene di Romania:
Siebenbürgen.
We all understand
English.
Wir drei sprechen
miteinander
auf Deutsch
oder eventuell
Italiano,
aber nicht Ungarisch,
nicht Rumänisch
und nicht Hindi,
schon gar nicht
Rajasthani.
Er lernt besser Deutsch
zu sprechen
und ich lerne wieder etwas
dazu.

WIR

Heimat ist nicht da,
wo ich allein‘ zu Hause
mich fühl‘. Auch and’re!

Und wo auch uns’re Meinung
’nen Wert hat beim Entscheiden.

Vorläufiges, auf Dauer angelegtes politisches Testament

Und wenn ich nichts bewirke,
so hab ich doch bewirkt,
dass in der Fremde ich
zu Hause mich ganz fühle
und wohl verstehe, dass
die Heimat Heimat nie gewesen,
dass ich trotz Bindung an
die Gegend, wo ich aufgewachsen
und wo ich noch verweile,
zu Hause immer war auf Zeit
(wie auch das Leben endlich
und nicht auf Dauer angelegt).

Migrantenschicksal ist es schon,
wenn ich im Elternhaus nicht weiter wohne.
Und Heimat sei es für die vielen Immigranten,
wo ich zu Haus‘ mich fühl‘ und in der Fremde.
Und meine Kinder weiß ich in der Ferne,
wo sie zu Hause sind und fremd.

Patriarchal sind Ahnenreihen,
die stets an einen Ort sich binden.
Ahnen zu wissen doch
von Vater- und auch Mutterseite,
ob ganz von nah, ob ganz von fern,
ist eine Art Verwurzelung,
die nicht an eine einz’ge Scholle,
so fruchtbar sie auch sei,
verwiesen ist und ihr verbunden.
Welch Vielerlei an Tradition,
Kultur und Lebensart
sich ja mit ihnen allen
verknüpft, die mir vorausgegangen,
was überliefert oder ganz vergessen.
Und ganz unwichtig ist,
was materiell sie einst besessen.
Sie sind in mir. Wenn ich das weiß,
kann ich erst ganz genesen.

Was ich behielt und was ich noch behalte
an Überzeugung dessen, was ja wohl
nicht an Besitz und Geltung ist gebunden,
sondern aus der Erfahrung stammt,
wie dieses Leben mit mir ist verfahren,
wie ich’s durchlebt in Kriegs- und Friedenszeiten,
im Wohlgefühl und in den Kämpfen,
das macht mich aus und nicht
die Zugehörigkeit zu solchen,
die zufällig meine Sprache sprechen
und zugehören wie ich selbst
zu einem zufällig entstandnen Staat
und Volk.

Ach, Bürgerrecht, als Privileg vergeben,
es ist nichts wert, die Menschenrechte sind’s,
auf die auch Minderheiten zu Recht
zu pochen lernen, wenn sie sich versammeln.
Ach, würden Eingewanderte von nah und fern
nie Mehrheit werden in dem Sinn,
dass Minderheiten sie nicht achten,
so wie’s die Eingesessnen meinen zu dürfen.
Die Menschenrechte leben hoch!

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2026 Maier-Lyrik

Theme von Anders NorénHoch ↑